New Work : Wieso reden Schweizer so ungern über ihren Lohn?
Aktualisiert

New Work Wieso reden Schweizer so ungern über ihren Lohn?

Zum Thema Lohntransparenz hat Xing eine Podiumsdiskussion organisiert. Wir haben die Anwesenden gefragt, wie viel sie verdienen.

von
Sandro Spaeth

Wer verrät seinen Lohn? Recruiterin Judith Oldekop, Unternehmer Hannes Gassert, Moderator Sandro Spaeth und Wissenschaftlerin Alexandra Arnold. (v.l.n.r.) Video: Xing/PST

Wie viel verdienst du? Eine Frage, die in der Schweiz kaum jemand stellt. An der Podiumsdiskussion «Transparente Löhne – faire Löhne?» wurde genau diese Frage trotzdem gestellt. Unser Redaktor hat mit der Recruiterin Judith Oldekop von der Digital-Agentur Namics und mit Hannes Gassert, Gründer der Digital-Agentur Liip und zurzeit SP-Nationalratskandidat, über Lohntransparenz gesprochen. Mit in der Runde war auch Alexandra Arnold, Wissenschaftlerin an der Universität Luzern.

Wer seinen Lohn verrät, seht ihr im Video oben – oder ihr lest es weiter unten im Text. Die Panel-Teilnehmer waren vorgängig nicht über die Frage informiert worden, gleich selbst für Lohntransparenz im Saal zu sorgen.

Die Gäste im Panel:

Judith Oldekop hat bei Namics Lohntransparenz in den Stelleninseraten für IT-Leute in Deutschland eingeführt. «Hätte ich eine eigene Firma, gäbe es dort volle Transparenz», sagt die Recruiterin. Oldekop zögerte auch im Saal nicht lange und schrieb ihren Lohn aufs Blatt. Den Mitarbeitern im Arbeitsvertrag zu verbieten, über den Lohn zu sprechen, findet Oldekop sinnlos: «Über Löhne wird sowieso gesprochen».

Hannes Gassert hat 2017 mit seiner Firma mit 200 Angestellten nach einer internen Umfrage volle Lohntransparenz eingefüht: «Unsere Löhne stehen für alle zugänglich in einem Google-Sheet», sagt der Unternehmer. Ganz so transparent gab sich der SP-Nationalratskandidat vor dem Publikum dann aber doch nicht. Seine Begründung: Als Firmengründer, zurzeit aber im Teilzeitpensum und im Wahlkampf, kenne er seinen Lohn gar nicht so genau.

Alexandra Arnold leitet ein Forschungsprojekt zum Thema Lohntransparenz. Sie sagt: «Bei transparenten Löhnen muss man zeigen, dass man sein Geld wert ist.» Bedenkenlos notierte Arnold ihren Monatslohn aufs Papier und zeigte ihn ins Publikum. Auf die Frage, weshalb Schweizer beim Lohn-Thema so zurückhaltend seien, sagte die Wissenschaftlerin: «Sie möchten so bescheiden wirken. Schweizer befürchten, es komme nicht gut an, wenn sie ihren überdurchschnittlichen Verdienst erwähnen.»

Wandel in der Berufswelt

Die Gesprächsrunde fand am Mittwoch im Rahmen der ersten Schweizer New-Work-Sessions statt. Unter dem Titel «Schöne neue Arbeitswelt» hat das soziale Netzwerk Xing eine Bühne für den Dialog rund ums Thema New Work geboten. Rund 320 Führungskräfte, HR-Experten und Start-up-Gründer nahmen an der Veranstaltung teil.

Der Begriff New Work dient als Klammer für den Wandel in der Berufswelt und steht für eine Arbeitswelt, in der Menschen das tun können, was sie wirklich wollen.

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