Vereiste Tramhaltestellen: «Wieso schafft es die Stadtreinigung auch nach vier Tagen nicht?»
Publiziert

Vereiste Tramhaltestellen«Wieso schafft es die Stadtreinigung auch nach vier Tagen nicht?»

Auch Tage nach dem Kälteeinbruch waren in Basel noch zig Tramhaltestellen und Trottoirs völlig vereist. Auf Twitter ärgern sich Politiker aller Lager über die «unhaltbaren» Zustände, die nun vom Tauwetter beseitigt werden.

von
Steve Last
1 / 7
Viele Trottoirs in Basel sind seit Tagen vereist. Daran stört sich Joël Thüring von der SVP. Besonders die Lage bei den ÖV-Haltestellen stösst ihm sauer auf.

Viele Trottoirs in Basel sind seit Tagen vereist. Daran stört sich Joël Thüring von der SVP. Besonders die Lage bei den ÖV-Haltestellen stösst ihm sauer auf.

Joel Thüring
Die Eisflächen sorgen für gefährliche Verhältnisse.

Die Eisflächen sorgen für gefährliche Verhältnisse.

20 Minuten
Thüring macht seinem Ärger auf Twitter Luft und bekommt unerwartet Schützenhilfe von Oliver Thommen (Grüne).

Thüring macht seinem Ärger auf Twitter Luft und bekommt unerwartet Schützenhilfe von Oliver Thommen (Grüne).

Screenshot Twitter

Darum gehts

  • Die niedrigen Temperaturen der vergangenen Tage haben eisige Trottoirs hervorgebracht.

  • Politiker von links bis rechts kritisieren das Basler Tiefbauamt scharf.

  • Überraschende Schützenhilfe erhält er von einem Kollegen aus den Reihen der Grünen.

«Wieso schafft es die Stadtreinigung eigentlich auch nach vier Tagen nicht, endlich für sichere Trottoirverhältnisse zu sorgen?» ärgert sich der Basler SVP-Grossrat Joël Thüring auf Twitter. Als Grund für seinen Ärger liefert er gleich zwei Bilder von verschiedenen Trottoirs in der Basler Innenstadt, die von Eis bedeckt sind. «Das ist doch lebensgefährlich für ältere Menschen», fügt Thüring an.

Der Politiker stürzte am Wochenende an einer der vereisten Tramhaltestellen. «Es ist schlicht unhaltbar, dass die Stadtreinigung hier versagt», ärgert er sich. Zustimmung erntet er dafür auch von links. Oliver Thommen (Grüne) dürfte sich im Grossen Rat eher selten im gleichen Schützengraben sehen lassen wie Thüring. In dieser Sache pflichtet er ihm aber zähneknirschend bei: «Habe ich eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich es hasse, mit Joël Thüring einer Meinung zu sein?», tweetet er.

Die Basler Verkehrsbetriebe mussten in den vergangenen Tagen mehrmals auf Glatteis-Meldungen reagieren und versicherten stets: «Gemeinsam mit der Stadtreinigung unternehmen wir alles, die Haltestellen möglichst sicher zu halten.» Das entschärft die Situation nur bedingt, wenn der Weg dahin übers Glatteis führt, wie ein Twitter-User einwendet.

Stürze und Verletzte

Die spiegelglatten Verhältnisse sind auch an der Notaufnahme des Basler Universitätsspitals nicht spurlos vorbeigegangen. Das USB bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass sich in den vergangenen Tagen Behandlungen wegen Glatteisunfällen gehäuft haben. Die Rede ist von ausgerenkten Schultern oder gar Knochenbrüchen. Eine spezifische Statistik werde jedoch nicht erhoben. Auch das Justiz- und Sicherheitsdepartement führt keine genauen Zahlen an, hat jedoch auch Kenntnis von Fällen bei der Rettung, die wegen Unfällen auf Glatteis im Einsatz war.

So hat es etwa den Grabmacherjoggi, einen Basler Geschichts-Twitterer, erwischt. Er schreibt, dass er sich beim Versuch, einer älteren Person zu helfen, hingelegt und wehgetan hat. Darum sei ein geplanter Comic von ihm ausgefallen.

Für die Stadtreinigung ein Extremfall

Grundsätzlich müssen in Basel die Grundstückeigentümer das Trottoir vor ihrer Parzelle von Schnee und Eis befreien. Doch wie sieht es mit Trottoirs aus, die mitten auf der Allmend liegen? «Wir sind seit Mittwoch mit 150 Personen im Einsatz», sagt Dominik Egli, Leiter der Stadtreinigung. Das Eis sei aber sehr hartnäckig. Nach Tagen von Ringen mit dem Frost konstatiert Egli: «Wir sind für so eine Extremsituation nicht gerüstet».

Laut Egli komme es nur sehr selten vor, dass es in Basel nach dem Schneefall so lange so kalt bleibe. Grundsätzlich räume die Stadtreinigung die Teile des Trottoirs, für die sie zuständig ist. Doch im jetzigen Ausnahmefall stosse sie an ihre Grenzen. Der öffentliche Teil sei aber nun grösstenteils okay, sagt er. Hingegen sei noch gut ein Drittel der von Privaten zu räumenden Trottoire vereist.

«Funktioniert sehr offensichtlich null»

Der Grüne Grossrat Jérôme Thiriet geht mit dem Regime hart ins Gericht. «Sache der angrenzenden Grundeigentümer. Funktioniert sehr offensichtlich 0 und ist sackgefährlich», schreibt er auf Twitter. Er fragt in einer Interpellation an die Regierung, ob nicht die Stadtreinigung mit der gesamten Räumung betraut werden sollte. Das Geschäft wurde noch nicht behandelt.

Klar ist jedoch, dass die Stadtreinigung in so einem Fall massiv aufrüsten müsste, um etwas bewältigen zu können, das nur selten eintritt. Ob die Debatte alternative Lösungen hervorbringt, bleibt abzuwarten.

Deine Meinung

93 Kommentare