Aktualisiert 11.06.2015 16:26

WM in Kanada

Wieso schaut ein Mann Frauenfussball?

Die Fussball-WM der Frauen läuft seit einer Woche. Grund genug, einige Klischees zu bedienen.

von
Sandro Compagno
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Der VerzweifelteUkraine - Frankreich? Im strömenden Regen und mutterseelenallein? So schön kann Fussball sein.

Der VerzweifelteUkraine - Frankreich? Im strömenden Regen und mutterseelenallein? So schön kann Fussball sein.

Der Nörgler«Und dann macht die eine so und die andere so und schliesslich so. Verstehst du, was ich meine?»

Der Nörgler«Und dann macht die eine so und die andere so und schliesslich so. Verstehst du, was ich meine?»

Der Frauenversteher«Ach, aber diese Ivorerinnen sind ja soooo tapfer. Dass die nicht einfach aufgeben! Findest du nicht auch, Schatz?»

Der Frauenversteher«Ach, aber diese Ivorerinnen sind ja soooo tapfer. Dass die nicht einfach aufgeben! Findest du nicht auch, Schatz?»

Es gibt sie. Davon gehen wir aus. 25'000 Personen schauten sich beispielsweise in der Nacht auf Dienstag auf SRF zwei das Schweizer Auftaktspiel gegen Japan an, darunter bestimmt auch viele Männer. Die Abteilung für Populär-Psychologie in der Sportredaktion von 20 Minuten will ihren – nicht ganz ernst gemeinten – Beitrag zur Gender-Diskussion leisten, und unterscheidet die sechs wichtigsten Typen des Mannes, der sich die Frauen-WM antut.

Der Verzweifelte

Man findet ihn im Februar bei minus 15 Grad im Letzigrund. Er schaut sich am frühen Samstagnachmittag auf SWR oder BR die Spiele der dritten Bundesliga an oder auf Eurosport eine U17-Europameisterschaft ohne Schweizer Beteiligung. Um Entzugserscheinungen zu lindern, hat er sogar schon einmal zu Beachsoccer gegriffen. Für ihn ist die Sommerpause die schlimmste Jahreszeit von allen. Mit Frauenfussball kann er zwar nicht viel anfangen, er stellt aber fest, dass sich das Niveau kaum von jenem unterscheidet, das er bei minus 15 Grad im Letzigrund sieht.

Der Nörgler

Den 8-Meter-Sprint von der Couch-Garnitur zum Kühlschrank schafft er in unter zehn Sekunden. Gegen einen Ball getreten hat er zuletzt vor drei Jahren am Grümpi in Hintertupfingen, wo er sich dummerweise im ersten Spiel eine üble Wadenzerrung zuzog und sich zur Regeneration ins Festzelt zurückziehen musste. Aber er weiss genau, wies geht! Und dank Twitter kann er, mutterseelenallein vor der Wohnwand sitzend, immerhin die ganze Welt an seinen Gedankenperlen teilhaben lassen – besonders seine 17 Follower.

Der Frauenversteher

Man nennt ihn auch den Patrick Schmid des Fussballs. Ein haarsträubender Fehlpass: «Bewundernswert, wie sie nie aufgeben!» Ein übles Luftloch: «Es kann ja nicht alles klappen.» Der technische Fehler auf dem Weg zum gegnerischen Tor: «Klasse, wie die Torhüterin hier hält.» Eine Goalie-Frau, die keine Mauer stellen und keinen Ball auswerfen kann: «Sie hat ein grosses Spiel gemacht.» (Alles gesagt und gehört auf SRF zwei beim 10:0 von Deutschland gegen die Elfenbeinküste.)

Der Zwangsverpflichtete

Er hat eigentlich den Fang seines Lebens gemacht und eine ebenso fussballbegeisterte Frau gefunden, mit der er in der Muttenzerkurve steht, auf dem Barfi die Nacht zum Tag macht und sogar richtig ernsthaft über Fussball diskutieren mag. Nur: Jetzt will die Holde auch noch Frauenfussball schauen. Da er gerne über Fussball, aber nur sehr ungerne über Gender-Fragen diskutiert, fügt er sich klaglos in sein Schicksal.

Der Trinker

Er poltert morgens um 2 Uhr das Treppenhaus hoch. Den Schlüssel bekommt er mit einigen Schwierigkeiten ins Schlüsselloch. Durst! Jetzt noch ein letztes Bier, TV einstellen, oh, Fussball! Schön. Und während er auf seinem Sofa leise wegschlummert, bemerkt er nicht, dass er Frauenfussball schaut ...

Der Schlaflose

Rund 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an Schlafstörungen. Für sie sind Fussballspiele um 4 Uhr morgens kein Grund, den Wecker zu stellen, sondern willkommene Abwechslung zum TV-Programm, das sonst um diese Zeit auf den Sportkanälen läuft (wahlweise sexy Sportclips oder Teleshopping).

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