Fackelwürfe im Letzi: Wieso schweigt Stadionmanager Landolt?
Aktualisiert

Fackelwürfe im LetziWieso schweigt Stadionmanager Landolt?

Lasche Eingangskontrollen, mangelnde bauliche Massnahmen, Alkohol im Stadion – die Liste der Probleme beim Krawallspiel vom Sonntag im Zürcher Letzigrund ist lang. Im Fokus: Der Sicherheitsverantwortliche Peter Landolt. Doch der ist seit drei Tagen für die Medien nicht erreichbar – «sitzungsbedingt».

von
Amir Mustedanagic

Wo ist Peter Landolt? Der Stadionmanager und Sicherheitsverantwortliche des Letzigrunds ist seit Tagen nicht erreichbar. «Herr Landolt ist sitzungsbedingt ausser Haus», vertröstet die Assistentin seit Montag Anfragen von 20 Minuten Online — und verweist auf die «stressige Zeit nach den Ereignissen vom Sonntag». Genau diese werfen ihre dunklen Schatten über Landolt. Denn die Liste der Sicherheitsprobleme vom chaotischen Spiel am Sonntag ist lang.

Alkohol während des Spieles

Der Entscheid des Stadionmanagers und der Stadt, während des Spiels Leichtbier auszuschenken, erzürnte die Polizei bereits vor dem Spiel (20 Minuten Online berichtete). Zwar sei das Alkoholverbot in Zürich bei Risikospielen grundsätzlich aufgehoben worden, aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren sei ein Alkoholverzicht aus Sicherheitsgründen aber wünschenswert, so die Polizei. In anderen Stadien wird durchaus darauf verzichtet. So war etwa im Basler St. Jakob-Park im Vorjahr bei der Finalissima gegen YB Alkohol tabu.

Lasche Eingangskontrollen

Die Eingangskontrollen waren am Sonntag trotz Hochrisikospiel und Finalcharackter «lächerlich» und «lasch», wie Dutzende Matchbesucher 20 Minuten Online nach der Partie berichteten. Abgetastet worden sei nur stichprobenartig, Taschen und Rucksäcke unkontrolliert geblieben. Im Sektor C seien Fans über die Stadionmauer geklettert und Rucksäcke über die Mauer geworfen worden – ohne, dass Sicherheitskräfte eingriffen.

Kein Wunder: Während vor Hochrisikospielen Eingangskontrollen bis zu fünf Minuten pro Person dauern können, fertigten die Sicherheitsleute am Sonntag im Basler Sektor mindestens 2000 Fans innerhalb einer Stunde ab. Zudem waren Dutzende Basler im Gästesektor mit Tasche und Rucksack unterwegs. Auch dies ist in anderen Schweizer Stadien bei Hochrisikospielen nicht geduldet.

«Die immer wiederkehrenden Ausschreitungen an den Spielen FCZ-FCB lassen vermuten, dass die Ordnungsdienste nicht professionell genug arbeiten», äusserte auch Fanforscher Gunter A. Pilz Kritik an den mangelnden Kontrollen im Interview mit 20 Minuten Online. Es sei hochgradig fahrlässig, die Matchbesucher in den Fankurven nur stichprobenartig abzutasten. Schärfere Eingangskontrolle sind aber nicht das einzige Versäumnis des Sicherheitsverantwortlichen Landolt.

Forderung nach höheren und stärkeren Gittern ignoriert

Der FC Zürich forderte bereits vor dem Spiel bauliche Massnahmen, um die Sicherheit im Letzigrund zu erhöhen (20 Minuten Online berichtete). Doch die Forderungen nach höheren und stärkeren Gittern zwischen den Sektoren «stiessen bei den Verantwortlichen auf taube Ohren», wie Martin Guglielmetti, Sicherheitsverantwortlicher des FC Zürich, erklärte. Mit fast fatalen Folgen, wie die Fackelwürfe und die niedergerissenen Gitter am Sonntag zeigten.

Fackelwürfe und K4

Pikant im Zusammenhang mit den Fackelwürfen bleibt zudem, dass verschiedenen Quellen zufolge Anhänger der Zürcher Ultragruppierung K4 im Sektor direkt neben den Baslern sassen. Die Gruppe ist aufgrund ihrer gewalttätigen Haltung aus der Zürcher Südkurve ausgeschlossen worden. Offenbar gelang es ihr trotz Stadionverbot, in den Letzigrund zu gelangen. Für Szenekenner wäre es ein einfaches gewesen, die Unruhestifter zu erkennen. Doch sie konnten 90 Minuten lang die benachbarten Basler provozieren, was Fan-Kreisen zufolge letztlich zu den Fackelwürfen führte.

Weicht der Stadionmanager unangenehmen Fragen aus?

Kritik an Peter Landolt wird nicht zum ersten Mal laut: Im Oktober 2008 erhoben verschiedene Medien gegenüber dem Manager den Vorwurf, er habe wiederholt Gratistickets an Fans mit Stadionverbot verteilt und durch sein Verhalten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen gegnerischen Fangruppen beigetragen. Zwar bestätigte der Schlussbericht der Administrativuntersuchung die erhobenen Vorwürfe nicht, Landolt wurde aber ein «teilweise nicht adäquates Verhalten gegenüber bestimmten Fangruppierungen sowie gegenüber einzelnen Vertretern der Stadtpolizei» attestiert.

Angesichts der Liste der zweifelhaften Sicherheitsvorkehrungen beim Spiel vom Sonntag stellt sich die Frage, ob der Stadionmanager bewusst unangenehmen Fragen ausweicht.

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