Frage an die Weltmacht – Wieso sollten Forscher und Aktivisten immer dieselben Lügen streuen?
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Frage an die WeltmachtWieso sollten Forscher und Aktivisten immer dieselben Lügen streuen?

Bei Berichten zur Unterdrückung ethnischer Minderheiten gehe es um den «Profit einzelner» und darum, Chinas Ansehen zu schaden, sagt Generalkonsul Zhao. Ai Weiwei wird persönlich.

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Eine Uigurin demonstriert in London vor der chinesischen Botschaft und will wissen: «Wo sind meine Verwandten?» 

Eine Uigurin demonstriert in London vor der chinesischen Botschaft und will wissen: «Wo sind meine Verwandten?»

Anadolu Agency via AFP
Zhao Qinghua: «Die Behauptungen über Unterdrückung ‹ethnischer Minderheiten›, ‹Internierungslager› und ‹Zwangsarbeit› sind einfach unwahr.» 

Zhao Qinghua: «Die Behauptungen über Unterdrückung ‹ethnischer Minderheiten, Internierungslagerund Zwangsarbeitsind einfach unwahr

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Belege von Unterdrückung ethnischer Minderheiten, Internierungslagern, Zwangsarbeit, Zwangssterilisierungen und mehr tut Peking jeweils als Fake News, Lügen und Propaganda ab. Zu welchem Zweck sollten Forscher und Aktivisten immer dieselben Lügen streuen?

Generalkonsul Zhao: Es geht eindeutig um Profit einzelner und auch darum, das Bild Chinas in der Welt zu beschädigen. Ich bin mir nicht sicher, welche konkreten Ziele sie verfolgen. Aber viele von ihnen sind weder je in Xinjiang gewesen, noch haben sie die tatsächliche Situation dort verstanden.

Bedauerlicherweise glauben auch einige meiner Schweizer Freunde daran. Tatsache ist: Seit 1950 ist die Wirtschaft in Xinjiang um mehr als das 200-Fache gewachsen, das Pro-Kopf-BIP hat sich fast vervierzigfacht und mehr als drei Millionen Menschen wurden aus der Armut befreit.

«Die Behauptungen sind einfach unwahr»

Generalkonsul Zhao Qinghua

Die Ausbildungszentren in Xinjiang, wo alle Auszubildenden im Oktober 2019 ihren Abschluss gemacht haben, sind auf die praktischen Gegebenheiten der Terrorismusbekämpfung und der Deradikalisierung zugeschnitten. Sie unterscheiden sich nicht grundlegend von Erziehungsanstalten oder Zentren für Extremismusbekämpfung in Grossbritannien und Frankreich.

Die uigurische Bevölkerung ist von 8,34 Millionen im Jahr 2000 auf 11,62 Millionen im Jahr 2020 angewachsen und der Anteil der maschinellen Baumwollproduktion in Xinjiang stieg im vergangenen Jahr auf 70 %. Hier von Zwangsarbeit zu reden, passt nicht. Die Behauptungen über Unterdrückung «ethnischer Minderheiten», «Internierungslager» und «Zwangsarbeit» sind einfach unwahr.

Ai Weiwei

«Ich finde diese Aussage sehr arrogant»

20 Minuten

Ai Weiwei: «Ich finde das sehr interessant. Zumindest ist das der übliche Diskurs des chinesischen Aussenministeriums. Aber ich finde diese Aussage auch noch sehr arrogant. Will sagen: Seine Kenntnisse über eine moderne Zivilisation oder Konzepte von Transparenz und Fairness in einer modernen Gesellschaft sind möglicherweise begrenzt. Ich gehöre der Volksgruppe der Han an und habe 16 Jahre lang in Xinjiang gelebt.

Wir waren die erste Gruppe von Menschen, die zurideologischen Erziehungund Reform durch Arbeitdorthin geschickt wurden.

Mein Vater, ein Dichter und Intellektueller, wurde 1957 als Rechtsradikaler betrachtet und dorthin verbannt. Er gehörte keiner ethnischen Minderheit an und befürwortete in keiner Art einen ethnischen Separatismus. Er ist ein Patriot, der China sehr zugetan und als patriotischer Dichter weithin anerkannt ist.

«Oder dann sind Sie ein professioneller Lügner»

Ai Weiwei

Seine Erfahrungen und die meiner Familie zeigen: Ideologische Erziehung und Umgestaltungsowie physische und psychologische Arten der Verfolgung betreffen nicht nur die Uiguren. So setzt die KP Chinas seit 1942 in Yan'an bis hin zu allen politischen Bewegungen nach 1949 die immer gleichen Massnahmen ein. Nicht nur gegen Menschen in Xinjiang, der Mongolei, Tibet und gegen Han-Chinesen. Sondern im Grunde gegenüber allen, die als Andersdenkende eingestuft werden, die in ihrer Haltung oder auch nur in ihrem Lebensstil abweichen; solche Menschen werden nicht geduldet.

Wir müssen nicht nach Xinjiang reisen, um das zu wissen. Aber ich habe dort gelebt und stamme aus einer der Familien, die alle Arten von politischer Brutalität aus erster Hand erlebt haben. Viele Menschen überleben das nicht. Ich habe grosses Glück, am Leben zu sein.»

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(gux)

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