Aktualisiert 30.06.2020 16:12

Saisonfrüchte

Wieso wir erst jetzt Himbeeren kaufen sollten

In der Schweiz startet die Himbeerensaison im Juli. Regionale und saisonale Früchte haben eine deutlich bessere Umweltbilanz als importierte Produkte.

von
Stephanie Sigrist
Das Warten hat sich gelohnt: Himbeeren haben momentan die beste Ökobilanz und schmecken vielfach erst noch besser als Beeren aus anderen Ländern, die zu früh geerntet wurden und lange Transportwege hinter sich haben.

Das Warten hat sich gelohnt: Himbeeren haben momentan die beste Ökobilanz und schmecken vielfach erst noch besser als Beeren aus anderen Ländern, die zu früh geerntet wurden und lange Transportwege hinter sich haben.

Foto: Getty Images / iStockphoto

Fast jedes Jahr werden Grossverteiler in sozialen Netzwerken und Medien dafür kritisiert, dass bereits im März oder April Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren im Angebot sind. Diese Produkte stammen meistens aus Spanien, Italien oder beheizten Gewächshäusern in den Niederlanden. Supermärkte würden diese Produkte kaum Jahr für Jahr anbieten, wenn keine Nachfrage seitens der Kunden bestehen würde. Umweltbewusste Konsumenten sollten beim Einkaufen auf die Umwelt- und Energiebilanz von Lebensmitteln achten.

Es ist allerdings schwierig, die Ökobilanz von Lebensmitteln mit einer genauen Kennzahl anzugeben. Für die Berechnung von Umweltaspekten auf dem gesamten Lebensweg werden oft sehr viele Zahlen und Informationen benötigt, die nicht auf der Packung stehen und nur schwer zurückverfolgt werden können. Ausserdem unterscheiden sich die Produktionsweisen je nach Landwirt stark. Bei der Ernährung herrscht vorläufig kein Konsens darüber, wie der Planet am besten geschützt werden kann. Sollen in erster Linie die CO2-Emissionen betrachtet werden? Geht es um den Wasserverbrauch? Wie steht es um Tierwohl und Artenvielfalt? Was ist mit dem Einsatz von Chemikalien und Pestiziden? Auf diese Fragen gibt es keine allgemeingültigen Antworten, und jeder Konsument muss diese Entscheidungen täglich für sich selbst treffen.

Auch die Konsumenten tragen zur Umweltbilanz bei

Ein wichtiger Aspekt bei der Ökobeurteilung von Lebensmitteln ist die graue Energie. Dabei handelt es sich um die Energiemenge, die auf dem Lebensweg der Produkte benötigt wird. Sie steckt zum Beispiel im Wärme- und Strombedarf bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln, im verbrauchten Treibstoff für den Transport, in der Produkteverpackung sowie Strom- und Wärmebedarf bei Lagerung, Verkauf und Zubereitung. Neben den Lebensmittelproduzenten tragen auch die Konsumenten zur Energiebilanz von Lebensmitteln bei. Dies beispielsweise mit der Wahl des Verkehrsmittels für die Anreise zum Laden oder Markt, dem Einkaufsort und der Aufbewahrung sowie Verwertung der Produkte.

In regionalen Produkten steckt meistens deutlich weniger graue Energie als in importierten Lebensmitteln, und insbesondere der Flugtransport von Frischprodukten aus anderen Kontinenten ist sehr energieintensiv und somit klimaschädigend. Eine Ausnahme gibt es aber: Werden Früchte und Gemüse in beheizten Gewächshäusern produziert, macht die Heizenergie den grössten Teil der grauen Energie aus. Daher ist die Ökobewertung von pflanzlichen Lebensmitteln, die in der Schweiz ausserhalb der Hauptsaison in fossil beheizten Gewächshäusern produziert werden, schlechter als diejenige der gleichen Produkte aus Freilandanbau in Südeuropa – solange sie auf dem Strassenweg transportiert werden. Der Transport per Lastwagen fällt weniger ins Gewicht als die Beheizung der Gewächshäuser. Deswegen sollten umweltbewusste Konsumenten nicht nur auf regionale, sondern auch auf saisonale Lebensmittel aus Freilandanbau setzen.

Ausserhalb der Saison sind Tiefkühlhimbeeren eine umweltfreundliche Wahl

Während die Erdbeerensaison in der Schweiz bereits im Juni gestartet war, mussten wir uns für Himbeeren noch etwas gedulden. Doch das Warten lohnt sich: Schweizer Himbeeren haben ab Anfang Juli die beste Umweltbilanz und schmecken vielfach erst noch besser als importierte Beeren, die zu früh geerntet wurden und lange Transportwege hinter sich haben. Wer ausserhalb der Saison Himbeeren für ein Dessert oder Smoothies benötigt, kann auf Tiefkühlkost ausweichen. Beim Kauf von gefrorenen Himbeeren gilt es darauf zu achten, dass sie aus der Schweiz stammen. Tiefgefrorene Früchte und Gemüse enthalten laut Experten nicht weniger Vitamine als Frischprodukte und weisen eine bessere Umweltbilanz auf als importierte Lebensmittel. Zu guter Letzt gilt es, Essen wertzuschätzen und nur einzukaufen, was bald konsumiert wird, sowie Reste wiederzuverwerten. So gehen keine wertvollen Nahrungsmittel verloren.

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15 Kommentare
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keinimport

01.07.2020, 08:35

Selber Schuld das alles importiert wird. Verlangt es die Kundschaft nicht, würde es viel weniger Import geben. Ich kaufe nur Saions artikel.

Wiibli

01.07.2020, 05:00

Ich habe schon seit 2 Wochen Himbeeren im Garten.

Beerentiger

01.07.2020, 02:01

würde gerade noch fehlen, dass man mir vorschreibt wann ich Himbeeren essen darf. Wir leben hier nicht in einer Diktatur.