Energieeffizienz: Wieso wird die Energieetikette 2023 strenger?

Die Berechnung der Energieetikette wird 2023 angepasst. Warum das so ist, weiss der AGVS-Experte. 

Die Berechnung der Energieetikette wird 2023 angepasst. Warum das so ist, weiss der AGVS-Experte. 

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EnergieeffizienzWieso wird die Energieetikette 2023 strenger?

Ab 2023 werden voraussichtlich weniger neue Automodelle die «grünsten» Energieetiketten A oder B tragen. Warum die Berechnung der Energieetikette umgekrempelt wird und was die Vor- und Nachteile sind, erläutert das AGVS-Expertenteam.

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Melanie ans AGVS-Expertenteam:

Auf neuen Autos im Showroom der Garagen sieht man die Energieeffizienz von A bis G. Mein Garagist meinte, ab 2023 gebe es wohl weniger Autos in den «grünsten» Kategorien A und B. Aber wieso ist das so, wo doch ständig sparsamere und umweltfreundlichere Autos neu auf den Markt kommen?

Antwort: 

Liebe Melanie,


die Autos werden weiter sparsamer und energieeffizienter. Bisher erhielten aber zum Teil sogar Autos ein A oder B bei der Energieetikette, die mehr CO2 ausstiessen als den derzeit geltenden Zielwert für neue Autos von 118 g/km. Ebenso sind praktisch alle Elektroautos in der Kategorie A, selbst jene mit einem vergleichsweise hohen Energieverbrauch. Im Betrieb weisen die Elektroautos zwar keinen CO2-Ausstoss aus, doch bei der Stromproduktion und -verteilung fallen aber ebenfalls Emissionen an.

Um dem inzwischen stark veränderten Neuwagenangebot und den angestrebten Verbrauchszielen besser Rechnung zu tragen, wird 2023 die Berechnung der Energieetikette geändert.

Markus Peter, AGVS


Bei der bisherigen Berechnungsmethodik der Etikettenkategorien wurde – grob vereinfacht gesagt – einfach das ganze Neuwagenangebot in sieben gleich grosse Kategorien mit den Buchstaben A bis G eingeteilt. Um dem inzwischen stark veränderten Neuwagenangebot und den angestrebten Verbrauchszielen besser Rechnung zu tragen, wird 2023 die Berechnung der Energieetikette deshalb geändert.


Künftig wird der CO2-Zielwert in die Berechnung miteinbezogen: Er bildet die Grenze von B zu C. Die weiteren Kategoriengrenzen werden über einen je 20-prozentigen Auf- beziehungsweise Abschlag daraus errechnet. Mit diesem Systemwechsel wird die Etikette neu nicht mehr jährlich «verschärft», sondern nur noch, wenn sich der CO2-Zielwert verändert. Nach wie vor jährlich angepasst werden hingegen die Umweltkennwerte des für die Berechnung verwendeten Primärenergie-Benzinäquivalents, auf den Punkt gehen wir hier vereinfachend nicht näher ein. Nur soviel: Ändert sich etwa die Treibstoffherkunft oder gibt es Veränderungen beim Strommix, ändern sich die Primärenergie und damit auch der CO2-Ausstoss für die Energiebereitstellung.

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Diese Änderungen an der Berechnungsmethodik der Energieetikette haben Nach- wie Vorteile. Wie du richtig sagst, wird es wohl weniger Autos in Kategorie A und B geben. In vielen Kantonen geniessen A und B Vorteile wie einen Motorfahrzeugsteuer-Rabatt. Der reduziert sich oder entfällt und somit auch ein Anreiz, dieses Fahrzeug zu kaufen. Doch andersherum entspricht es eher dem Sinn der Etikette, dass nur die ganz besonders effizienten Fahrzeuge A oder B erhalten bleiben. Und trägt ein Modell ab 2023 A oder B, ist es nicht einfach «grüner» als eins mit C oder G, sondern wirklich effizient und CO2-ausstossgünstig.

Gute Fahrt!

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