Aktualisiert 25.05.2020 10:23

Läufelfingen BL

Wieso wurden diese Münzen zerschnitten?

Bei Aushubarbeiten im Baselbiet kamen Münzen aus den 1850er-Jahren zum Vorschein. Das Besondere an dem Fund: Die Taler wurden zerstückelt. Eine Metall-Analyse zeigt nun, wieso jemand das Geld aus dem Verkehr ziehen wollte.

von
Jeanne Dutoit
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Diese Münzen wurden in Läufelfingen BL Ende 2019 in einer Baggerschaufel entdeckt.

Diese Münzen wurden in Läufelfingen BL Ende 2019 in einer Baggerschaufel entdeckt.

Archäologie Baselland
Kurios: Jedes der gefundenen Rappenstücke war zerschnitten.

Kurios: Jedes der gefundenen Rappenstücke war zerschnitten.

Archäologie Baselland
Es handelt sich um Falschgeld, das vom Staat aus dem Verkehr gezogen wurde.

Es handelt sich um Falschgeld, das vom Staat aus dem Verkehr gezogen wurde.

Archäologie Baselland

Darum gehts

  • In Läufelfingen BL entdeckte ein Arbeiter in einer Baggerschaufel rund 170 Schweizer Rappenstücke aus den 1850er-Jahren.
  • Die Münzen waren alle zerschnitten.
  • Untersuchungen ergaben nun, dass es sich bei dem Fund um Falschgeld handelt.
  • Der Staat hatte damals verordnet, falsches Geld zu zerschneiden, um es aus dem Umlauf zu ziehen.
  • Die Geschichte hinter den Münzen ist nicht bekannt. Recherchen wurden jedoch aufgenommen, um Licht ins Dunkle zu bringen.

Rund 170 Schweizer 20-Rappenstücke und zwei 10-Rappenstücke aus den 1850er-Jahren wurden in der Flur Hüslimatt bei Läufelfingen BL Ende 2019 entdeckt. Die Münzen, die von einem aufmerksamen Arbeiter in einer Baggerschauffel gefunden wurden, waren allesamt zerschnitten. Einige der Stücke waren gegossen, doch der Grossteil war geprägt. Was hat das zu bedeuten? Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, wurden am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern 48 ausgewählte Stücke aus dem Fund auf ihre Metall-Zusammensetzung analysiert.

Echte Schweizer 20- und 10-Rappenstücke der 1850er-Jahre bestehen aus Billon, enthalten also noch etwas Silber. Ganz anders die Läufelfinger Funde: Diese enthielten keine Spur des Edelmetalls. «Die Münzen bestehen aus billigeren Legierungen von Kupfer und Zinn respektive Kupfer, Zinn und Nickel, so genanntes Neusilber. Es sind demnach alles Fälschungen», schreibt Archäologie Baselland in einer Mitteilung vom Montag.

34 Franken waren viel Geld

Es habe sich durchaus gelohnt, die Rappenstücke zu fälschen. Um 1860 verdiente ein Textilarbeiter 17 Rappen pro Stunde, eine Textilarbeiterin sogar nur zehn, führt Archäologie Baselland aus. Ein Kilogramm Weissbrot kostete 40, ein Liter Milch zwölf Rappen und für ein Pfund Ochsenfleisch ein halber Franken. Für ein Paar einfache Schuhe musste man 5.50 Franken bezahlen. Rund 34 Franken, so viel ist die gefundene zerschnittene Fälschung wert, war also eine beachtliche Summe.

Die Fälschungen seien von hoher Qualität. Es wurden nur Jahrgänge hergestellt, die es auch offiziell gab. «Stempelschnitt und Prägung sind ausgezeichnet», steht in der Mitteilung. Trotz dessen wurden die Münzen als Fälschungen enttarnt. Die Taler wurden gemäss den Vorgaben des Bundes zerschnitten. Amtliche Zahlstellen darunter Gemeindeverwaltungen, Poststellen und Verkehrsbetriebe waren dazu befugt.

Wurde jemand mit den Münzen übers Ohr gehauen?

Um der Geschichte der Münzen auf die Spur zu kommen, seien Recherchen in den Archiven zu Falschmünzer-Fällen angelaufen, schreibt Archäologie Baselland. Ob die Rappen einem Bauern oder Gastwirt abgenommen wurden, die damit betrogen wurden, oder der Fälscher in flagranti ertappt wurde, ist bisher nicht bekannt.

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17 Kommentare
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e.w.

26.05.2020, 09:02

Früher hatten die Schuhe bessere Qualität. Sie wurden aus Leder gefertigt und der/die Käufer/in pflegten die Schuhe sicher auch gut nach dem Kauf, damit sie lange halten. Und die armen Leute mussten Holzböden (Holzschuhe)tragen oder im Sommer gar keine Schuhe.

Alain

26.05.2020, 04:17

@Mario Die älteste Münze die du theoretisch noch im Umlauf finden könntest wäre der -.10 von 1879

manu

25.05.2020, 14:21

@Martin: Die Schuhe hielten dafür auch länger als 32 Stunden...