Aktualisiert 05.01.2010 09:28

Armut in der Schweiz

Wieviel Luxus steht Armen zu?

Die Caritas zählt zwischen 700 000 und 900 000 arme Menschen in der Schweiz. Doch der Begriff «arm» ist relativ, denn im Vergleich zu anderen Ländern geht es vielen Bedürftigen hierzulande gar nicht so schlecht. Welche Umstände müssten eintreten, damit Sie sich als arm bezeichnen würden? Oder: Welche Leistungen gestehen Sie Sozialhilfe-Empfängern zu?

von
hes
Wann ist ein Mensch arm? Colourbox.com

Wann ist ein Mensch arm? Colourbox.com

In der Schweiz gelten andere Massstäbe, wenn es um die Definition des Begriffs Armut geht. Zumindest bei der Caritas. Sie zählt zwischen 700 000 und 900 000 Arme im Land. Das entspräche etwa 10 Prozent der Einwohnerzahl. Für ein wohlhabendes Land wie die Schweiz scheint dies viel. Auch Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse, findet «Armut in der Schweiz» sei ein relativer Begriff, verglichen mit Armut in anderen Weltgegenden (20 Minuten Online berichtete).

Andere Länder, andere Standards

Tatsächlich geht es vielen Schweizer Sozialhilfe-Empfängern besser als ihren «Kollegen» in so manch anderem Land. Doch wann ist die Schmerzgrenze erreicht? Was sollen sie sich leisten dürfen? Schliesslich leben sie von der finanziellen Unterstützung der Steuerzahler. Ausgaben für Luxusartikel, also Güter, die nicht zum Überleben benötigt werden, stossen deshalb auf wenig Verständnis. Doch die Begriffe «zum Überleben notwendig» und «Luxusgüter» sind dehnbar. Je höher der allgemeine Lebensstandard in einem Land oder Kulturkreis ist, desto höher sind auch die Grundbedürfnisse der dort lebenden Menschen. Während zum Beispiel der Zugang zum Internet hierzulande vor 10 Jahren noch nicht selbstverständlich war, gilt er heute praktisch als unverzichtbar. Und in Brasilien etwa scheint das Thema Schönheit derart wichtig, dass vor gut einem Jahr sogar eine Aktion lanciert wurde, die Menschen mit einem Einkommen von weniger als 250 Franken eine kostenlose Schönheitsoperation ermöglichte.

Wann ist Schluss mit lustig?

Im Jahr 2005 gaben in einer repräsentativen Umfrage des «Beobachters» knapp 90 Prozent an, dass Sozialhilfe-Empfänger zweimal pro Woche Fleisch auf den Teller kriegen sollten. Auch Zahnhygiene (82 Prozent ja) und Urlaub auf Kosten der Steuerzahler (knapp 59 Prozent ja) stiessen durchaus auf Verständnis.

Wo ist Ihrer Meinung nach Schluss mit lustig? Wo hört das Recht auf Selbstbestimmung auf? Sollen Sozialhilfe-Empfänger beispielsweise rauchen oder Haustiere halten dürfen? Und was müsste eintreten, damit Sie sich selbst als arm bezeichnen? Machen Sie mit bei der grossen Umfrage rund um Armut und Sozialhilfe und diskutieren Sie darüber mit den anderen Usern im untenstehenden Talkback.

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