Aktualisiert 26.04.2005 18:51

Wieviel Promille hat ein Glas?

Der Branchenverband Wein klagt wegen der Kampagne gegen Alkohol im Strassenverkehr - «0,5 Promille = max. 1 Glas» - des BAG und der bfu.

Die in der Kampagne des Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) gemachte Aussage «0,5 Promille = max. 1 Glas» sei unlauter, irreführend und geschäftsschädigend, kritisierte der Verband.

Die Klage richte sich nicht gegen die Senkung der Promillegrenze im Strassenverkehr, sagten Vertreter des Branchenverbandes Wein am Dienstag an einer Pressekonferenz in Bern. Im Visier hat sie die Aussage der aktuellen Kampagne «0,5 Promille = max. 1 Glas». Mit dieser Aussage schlagen BAG und bfu laut dem Verband eine vollständig neue und inakzeptable Richtung ein, indem sie mit falschen Aussagen die Konsumenten verunsichern. Das sei nicht akzeptabel, verstosse gegen geltendes Recht und sei im Zusammenhang mit der neuen gesetzlichen Limite von 0,5 Promille verheerend. So sei im Gastgewerbe der Konsum von Wein und Bier eingebrochen und für Viele sei die Freude an einem gepflegten Nachtessen verdorben, was weitere Umsatzeinbussen nach sich ziehen werde. Die bfu anerkenne auf ihrer Homepage selber, dass «die gleiche Menge Alkohol nicht bei allen Personen zum gleichen Blutalkoholgehalt führe. Dieser werde durch verschiedene Faktoren beeinflusst wie beispielsweise Körpergewicht, Geschlecht, Getränkeart, Trinkdauer und anderes. Es könne demzufolge durchaus sein, dass eine Person auch nach mehr als einem Glas Alkohol die Strafbarkeitsgrenze von 0,5 Promille nicht erreiche. Gemäss bfu-Promillerechner könnte ein Paar, er mit einem Gewicht von 85 Kilogramm und sie mit 55 Kilogramm Körpergewicht, zusammen locker eine Flasche Wein zu einem vierstündigen Nachtessen trinken, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

BAG und bfu informierten demzufolge wider besseren Wissens falsch und irreführend und bedrohten dadurch das wirtschaftliche Wohlergehen der Unternehmen der Weinbranche. Die Werbeaussage «0,5 Promille = max. 1 Glas» verletze damit das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb. Die Absicht von Bund und bfu sei redlich, weil niemand angetrunkene Autofahrer wolle, die den Strassenverkehr und damit die Gesundheit der Menschen gefährdeten. Dass ein Bundesamt hingegen mit unlauteren Methoden in den Wettbewerb eingreife und die Angst vor Strafe und Ausweisentzug schüre, sei unverhältnismässig und widerspreche dem Grundsatz von Treu und Glauben. (dapd)

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