Zehn Enthüllungen: Wikileaks macht Wahlkampf für Trump
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Zehn EnthüllungenWikileaks macht Wahlkampf für Trump

Über 12'000 gehackte E-Mails und andere Enthüllungen zeigen Hillary Clinton in einem unvorteilhaften Licht. Diese zehn Erkenntnisse sind für sie am schädlichsten.

von
sut

Die Wikileaks-Enthüllungen bestätigen einige der Vorwürfe Donald Trumps an Hillary Clinton aus der zweiten TV-Debatte.

Dem Wikileaks-Gründer Julian Assange ist am Montag nach eigenem Bekunden die Verbindung zum Internet «von einem staatlichen Akteur absichtlich gekappt worden». Die Enthüllungsplattform verkündete auf Twitter, sie habe die «angezeigten Notfallpläne aktiviert».

Dass jemand Assange abstellen möchte, ist verständlich. Der Kopf von Wikileaks hat seit mehr als einer Woche in neun Paketen insgesamt über 12'000 E-Mails von und an John Podesta veröffentlicht, den Wahlkampfmanager der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Trump übertönt alles

Zusammen mit Akten aus Informationsforderungen vor Gericht lässt sich mit den Wikileaks-Mails ein wenig schmeichelhaftes Bild der Ex-Aussenministerin und ihres Wahlkampfteams zeichnen. Es ist nur deshalb kein grösseres Thema in den Medien, weil Donald Trumps Sexismus die Berichterstattung dominiert. Hier die zehn markantesten Negativ-Befunde:

1. Hillary hat keine Kernüberzeugungen: Clintons Team hatte Mühe festzulegen, woran die Kandidatin wirklich glaubt. «Haben wir eine Ahnung davon, was sie glaubt oder was in ihrer Sicht ihre Kernbotschaft sein soll?», fragte der Umfrageexperte Joe Berenson im Februar.

2. Hillary mag offene Grenzen: In einer Rede von 2013 für eine brasilianische Bank sagte Clinton: «Mein Traum ist ein gemeinsamer Markt für die [westliche] Hemisphäre mit offenen Grenzen irgendwann in der Zukunft.» In anderen Reden machte sie sich für die heute unpopulären Freihandelsabkommen stark und nahm die Wall Street für deren Rolle in der Finanzkrise von 2008 in Schutz.

3. Hillarys Team blickt aufs Volk hinab: Clintons Wahlkampfhelfer und ihre akademischen Unterstützer scheinen das Volk für dumm und mühsam zu halten. Republikaner seien von den «rückwärtsgewandten Geschlechternormen» des Katholizismus angezogen, formulierte einer. Ein Politiker aus New Mexiko wird als «bedürftiger Latino» lächerlich gemacht, die Anhänger von Bernie Sanders werden als «selbstgerecht» kritisiert.

4. Hillary kommt in Beratungen ihres Teams kaum vor: Politische Ideen und Strategien werden ohne spürbaren Input der Kandidatin beraten. Die Arbeitsweise des Teams passt zu einer langjährigen Politikerin, die sich in allen Fragen auf logistische Hilfe und Ratschläge durch andere abstützt.

5. Hillary hat viele Medien in ihrer Tasche: Die CNN-Kommentatorin Donna Brazile spielte dem Clinton-Team vor einer TV-Debatte den genauen Wortlaut einer Frage zu. Der Debattenmoderator John Harwood von CNBC und der «New York Times» diente sich dem Clinton-Team unterwürfig an. NBC veröffentlichte das Video mit Trumps obszönem Geprahle erst kurz vor dem Wahltermin, um dessen Wirkung zu vergrössern.

6. Hillary wollte Trump als Gegner: Clinton ging seit letztem Jahr davon aus, dass sie Donald Trump von allen republikanischen Anwärtern am ehesten schlagen kann. Entsprechend pfleglich wurde Trump im Vorwahlkampf behandelt. «Wir müssen die Rattenfänger-Kandidaten hochstemmen, so dass sie die Spitze übernehmen, und der Presse sagen, sie sollten sie ernst nehmen», hiess es in einem Memorandum an die demokratische Parteizentrale.

7. Hillarys Aussenministerium begünstigte Geldgeber der Clinton-Stiftung: Als Haiti 2010 von einem Erdbeben erschüttert wurde, gelangte eine hohe Clinton-Mitarbeiterin zur Clinton-Stiftung. Sie wollte wissen, wer unter den Anbietern von Nothilfe zu den «FOB» gehöre (Friends of Bill) oder zu «WJC VIPs» (VIPs von William Jefferson Clinton). Wer dazugehörte, erhielt lukrative Hilfsaufträge.

8. Hillarys Gesundheit ist ein hyper-sensibles Thema: Die Steuern der Clintons und die Gesundheit der Kandidatin werden in einem E-Mail von Kampagnenleiter Robby Mook als «hyper-empfindlich» bezeichnet. Ihr Redenschreiber entwirft danach einen ausführlichen Plan, wie diese potenziell schädlichen Themen an die Öffentlichkeit kommen sollten.

9. Hillarys Ministerium versuchte, das FBI zu schmieren: Nach einem am Montag enthüllten Dokument bot der Top-Administrator des Aussenministeriums, Patrick Kennedy, dem FBI begehrte Auslandsposten an. Bedingung: Das FBI soll geheime Clinton-E-Mails nachträglich als unproblematisch herabstufen. Ob es zu der Herabstufung kam, ist nicht ganz klar. Doch nur schon das Angebot eines solchen «Quid pro quo» wäre strafbar.

10. Was jetzt noch kommen könnte: Niemand weiss, was Wikileaks an Geheimdokumenten noch bereithält. Am brisantesten könnte die Publikation jener rund 15'000 beruflichen Mails von Hillary Clinton sein, die auf ihrem Privatserver gelöscht wurden. Je nachdem könnten sie die Kandidatin politisch schwer schädigen.

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