Aktualisiert 29.02.2008 23:52

Wikileaks.org bald wieder online

Ein US-Bundesrichter hat seine Entscheidung aufgehoben, eine Webseite wegen der Veröffentlichung von Kundendaten einer Schweizer Bank zu schliessen. Das PR-Desaster für die Bank Julius Bär in den USA lässt sich hingegen nicht rückgängig machen.

Bezirksrichter Jeffrey White erklärte am Donnerstag in San Francisco, er hebe seine auf Antrag der Züricher Bank Julius Bär Mitte des Monats ergangene Anordnung aus verfassungsrechtlichen Bedenken und anderen juristischen Erwägungen wieder auf.

Whites Entscheidung hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil sie sich gegen das ganze Unternehmen richtete und sich nicht auf die Anordnung beschränkte, die umstrittenen Daten zu entfernen. Nach Einschätzung von Experten wuchs sich die harsche Massnahme zu einem riesigen PR-Desaster für die Bank aus.

Die Daten, die eigentlich verschwinden sollten, tauchten an anderen Stellen wieder auf. Die Seite war flugs auf eine andere Domäne ausserhalb der US-Gerichtsbarkeit umgezogen und bewies, was jeder weiss: Was einmal im Internet ist, kommt nicht mehr runter. Zudem wurde mit der richterlichen Anordnung genau das Gegenteil erreicht: Wikileaks erhielt zusätzliche Publizität.

Wikileaks.org will mit den veröffentlichten Daten gezeigt haben, wie einige Bankkunden über die Niederlassung von Julius Bär auf den karibischen Kaiman-Inseln Steuerhinterziehung und Geldwäsche betrieben haben. Die Daten stammen nach Angaben des Anwalts von einem dieser Kunden, dem Risikokapital-Anleger Jonathan Lampitt, von einem ehemaligen Angestellten der Bank.

Die Bank erklärte, hier gehe es nicht um freie Rede, sondern um das Bankgeheimnis. «Das Streuen von gestohlenen Daten einer Privatbank, Kontonummern und Informationen, Steuerdokumenten und anderen geschützten Kundendaten beschädigt erheblich die Privatsphäre eines jeden Individuums in den USA und weltweit. Sie könnten das Vertrauen in die Bankindustrie als Ganzes beschädigen», heisst es in der Klageschrift der Bank.

(AP/ast)

Fehler gefunden?Jetzt melden.