Unbekannte Seefahrer: Wikinger waren nicht die Ersten auf den Färöern
Aktualisiert

Unbekannte SeefahrerWikinger waren nicht die Ersten auf den Färöern

Wikinger, so glaubte man bisher, haben die Färöer entdeckt und als Erste besiedelt. Neue Funde belegen jetzt, dass die Inselgruppe schon 500 Jahre vorher besiedelt wurde.

von
dhr

Auf halbem Wege zwischen den Britischen Inseln und Island liegen die Färöer. Die Inselgruppe war – nach den Shetland-Inseln – das Sprungbrett für die Besiedlung des Nordatlantiks durch europäische Völker. Die ersten Siedler auf dem rauen Archipel, so die verbreitete Meinung, kamen im 9. Jahrhundert, und sie kamen aus Skandinavien.

Britische Forscher von der Universität Durham präsentieren nun neue Forschungsergebnisse, die diese Sicht herausfordern. Archäologische Funde auf der Insel Sandoy zeigen, dass die Kolonisation der Inselgruppe mindestens 300 bis 500 Jahre früher als bisher angenommen einsetzte; also im 4. bis 6. Jahrhundert.

Verräterische Gerstenkörner

Die Wissenschaftler fanden vom Wind verwehte Sandablagerungen und darin Stellen von Torfasche, die von Herdfeuern herrührte und von den Bewohnern unter den Sand gemischt wurde – eine damals gängige Methode, um die Winderosion zu dämpfen. In der Asche entdeckten die Archäologen Gerstenkörner, die sie auf den genannten Zeitraum datieren konnten. Gerste war aber auf den Färöern ursprünglich nicht heimisch, sondern musste von jemandem mitgebracht worden sein.

Wer diese ersten Siedler waren und woher sie kamen, ist nach wie vor ungeklärt. Die meisten archäologischen Zeugnisse dieser frühen Kolonisation wurden wohl im 9. Jahrhundert während der umfangreichen Besiedlung der Inseln durch Wikinger zerstört. Dies werfe Fragen zur Geschichte der menschlichen Besiedlung anderer Inselsysteme auf, sagte Forschungsleiter Mike Church. Auch dort könnten ehemals vorhandene archäologisch auswertbare Beweise von späteren Siedlern zerstört worden sein.

Färöer

Die windumtosten Färöer («Schafsinseln») sind ein Archipel aus 18 Inseln, der politisch zu Dänemark gehört, aber eine weitgehende Autonomie geniesst. Wie Grönland sind die Färöer nicht Teil der Europäischen Union und deren Zollgebiets. Haupterwerbszweig ist die Fischerei, früher war es die Schafszucht.

Die knapp 50'000 Einwohner, Färinger genannt, sprechen eine eigene Sprache, die mit dem Isländischen und Norwegischen eng verwandt ist.

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