Orientierungshilfe: Wil erstellt digitalen Stadtplan für Behinderte

Aktualisiert

OrientierungshilfeWil erstellt digitalen Stadtplan für Behinderte

Digitale Stadtpläne sollen künftig Menschen mit einer Behinderung die Orientierung erleichtern. Die St.Galler Stadt Wil wurde von Pro Infirmis als Pilotgemeinde ausgewählt.

Der digitale Stadtplan soll handicapierten Menschen die Orientierung erleichtern: Projektleiter Markus Böni.

Der digitale Stadtplan soll handicapierten Menschen die Orientierung erleichtern: Projektleiter Markus Böni.

Kein Anbieter/Nathalie Grand / sda

«Die Zugänglichkeit von Bauten und Anlagen ist für die gesellschaftliche Teilnahme von behinderten Menschen unabdingbar», sagte Therese Wenger, Geschäftsleiterin von Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell. Ziel sei es, in allen Regionen der Schweiz Stadtpläne für Menschen mit Handicap zu erstellen.

Mit digitalen Stadtplänen will Pro Infirmis Schweiz zuverlässige Informationen über die Zugänglichkeit von «Points of Interest» (POI) wie Verwaltungen, Spitäler, Banken, Hotels, Schulen und Kultureinrichtungen erstellen. Diese sind auf die Beeinträchtigung der Nutzer abgestimmt. Wichtige Kriterien für das neue Hilfsmittel sind etwa Behindertenparkplätze, Rampen, Lifte, Toiletten und Schalter.

Betroffene miteinbezogen

Bei der Erstellung des Zugänglichkeitsplans in Wil werden auch Betroffene miteinbezogen. Projektleiter Markus Böni, der selber auf einen Rollstuhl angewiesen ist, demonstrierte am Montag vor den Medien, wie er ohne fremde Hilfe in das Verwaltungsgebäude der Stadt Wil gelangt: Die Rampe ist nicht zu steil, die Türe lässt sich einfach öffnen und der Lift ist geräumig genug für den Rollstuhl.

Je nach Gebäudeart wird ein Piktogramm zugewiesen, das die Zugänglichkeit zusammenfasst. «Ein Restaurant ohne Behinderten-WC zu besuchen macht für jemanden im Rollstuhl wenig Sinn», sagt Böni. Bis Ende Juni sollen insgesamt 140 Objekte in Wil erfasst sein. Aufwendig seien vor allem der Bahnhof und das Fussballstadion Bergholz.

Die Stadt Wil unterstützt das Projekt. «Wir wollen einen Beitrag leisten, damit sich Menschen mit einer Behinderung in unserer Stadt noch selbstständiger bewegen können», sagte Stadtrat Dario Sulzer. Die hindernisfreien Objekte und Bauten würden in den bestehenden Stadtplan aufgenommen. «Wir wollen keine Negativwerbung machen, sondern die Öffentlichkeit für die Anliegen von Menschen mit Handicap sensibilisieren», betonte Therese Wenger. (sda)

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