25.07.2020 06:50

Abfall im Schutzgebiet

Wildcamper versetzen Naturschützer in Rage

Camping in der Schweiz ist in Corona-Zeiten angesagt. Auch das Wildcamping nimmt zu. Das Problem: Abfall und andere Hinterlassenschaften.

von
Katja Fässler
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Im Naturschutzgebiet Engstlenalp sind dieser Tage immer mehr Wildcamper anzutreffen.

Im Naturschutzgebiet Engstlenalp sind dieser Tage immer mehr Wildcamper anzutreffen.

Raphael Moser/Redaktion Tamedia 
Für die Natur und die Naturschützer ist der Trend ein Graus: Die Camper hinterlassen oftmals Abfälle und Fäkalien.

Für die Natur und die Naturschützer ist der Trend ein Graus: Die Camper hinterlassen oftmals Abfälle und Fäkalien.

Raphael Moser/Redaktion Tamedia 
Lagerfeuer im Naturschutzgebiet: Eine von Wildcampern verbrannte Arve.

Lagerfeuer im Naturschutzgebiet: Eine von Wildcampern verbrannte Arve.

 Raphael Moser/Redaktion Tamedia

Darum gehts

  • In der Schweiz herrscht derzeit ein Camping-Boom, womit es auch mehr Wildcamper gibt.
  • Diese hinterlassen oftmals Abfall und schaden der Natur.
  • Naturschützer sind empört und versuchen, dagegen vorzugehen.

Die Engstlenalp im Berner Oberland ist dieser Tage zum Hotspot für Camper geworden. Und dies, obwohl es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Darüber empört sich unter anderem Fritz Immer, Hotelier und Naturschützer auf der Alp. Die Camper kämen mit ihren Vans, ihren Zelten und ihren Schlauchbooten, erzählt er dem «Tages-Anzeiger» (Artikel kostenpflichtig). Zurückgelassen werden Abfall und – zu seinem Entrüsten – auch Fäkalien. Mit ihren Instagram-Posts würden die Camper dann noch mehr Menschen anlocken.

Immer führt mit seiner Familie das Hotel Engstlenalp in fünfter Generation und ist Mitglied bei Pro Natura. Auf die Natur müsse man dringend mehr Acht geben, damit die Nachwelt auch noch etwas davon habe. Wegen der Wildcamper hat er auch schon die Polizei gerufen. Diese nahm die Personalien von zwei Personen auf. Laut Bericht wird es eine Anzeige geben.

Rechtslage nicht eindeutig

Aber nicht nur das Berner Oberland kämpft mit dem Problem. Auch im Wallis, Engadin oder im Säntisgebiet geraten Naturschützer in Konflikt mit ihnen. Die Rechtslage ist nicht immer ganz eindeutig, sie unterscheidet sich je nach Lokalität, was es der Politik nicht einfach macht, durchzugreifen. Oft versuchen es die Behörden mit Appellen oder es werden Ranger rekrutiert.

Im Naturschutzgebiet ist Campieren jedoch klar verboten. Ausserhalb davon sollten man sich bei der Gemeinde oder dem Grundstückeigentümer informieren und nach einer Bewilligung fragen.

Camping-Fieber in der Schweiz

Wildcamping ist eine Folge des allgemeinen Camping-Booms in der Schweiz. Wegen der Corona-Pandemie verbringen viele die Ferien im eigenen Land – vorzugsweise mit einem Wohnmobil. Die Vermieter von Wohnmobilen erleben einen regelrechten Boom. Die Anzahl Buchungsanfragen auf Mycamper.ch hat sich im Mai und Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdreifacht.

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108 Kommentare
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FA18

26.07.2020, 13:07

Das zeigt der Charakter unserer Gesellschaft! Man sollte Ranger anstellen in den Naturschutzgebiete. Die Wild Camper mit den Bums-Container und Zelten eine saftige Busse erteilen.

Orchidea

26.07.2020, 11:40

Hart durchgreifen bei selbstgerechten, renitenten Gesetzesbrechern. In der Schweiz gibt es immer mehr Leute, die sich an keine Gesetze mehr halten, weil sie genau wissen, dass sich die zuständigen Behörden sowieso nicht um Verstösse kümmern. Vorschriften sind zu Richtlinien verkommen, auf Kosten der Freiheit Anderer, der Natur und Tiere. Es braucht dringend mehr Ranger, welche die letzten Naturschutzgebiete schützen. Dafür sind ja auch die Naturschutzgebiete extra markiert. Die Dummheit und der Egoismus gewisser Leute nehmen beängstigende Formen an.

Hans

26.07.2020, 06:09

Bei uns wird langsam alles verboten. Steuern bezahlen muss man aber. Und das immer mehr.