Illegale Jagd: Wilderer treiben in der Schweiz ihr Unwesen
Aktualisiert

Illegale JagdWilderer treiben in der Schweiz ihr Unwesen

Regelmässig fallen Tiere unerlaubten Schüssen zum Opfer. Dahinter stecken Wilderer, die immer raffiniertere Tricks anwenden.

von
B. Zanni

Grausame Funde haben in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Kürzlich fand die Wildhut im Prättigau die Eingeweide eines Hirsches. Ende Dezember stiess ein Spaziergänger in Dettenried bei Weisslingen auf einen abgetrennten Wildschweinkopf. Und nur knapp zwei Wochen zuvor entdeckte ein Reservatsaufseher auf einer Wiese mitten im Naturschutzgebiet beim Pfäffikersee einen erschossenen Rehbock. In allen Fällen waren vermutlich Wilderer am Werk gewesen.

In den Kantonen treiben regelmässig Jagdfrevler ihr Unwesen. Der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi berichtet in der «Südostschweiz» von zehn bis 20 Wilderei-Fällen pro Jahr im Kanton Graubünden. Zudem geht er von einer grossen Dunkelziffer aus. Die illegalen Jäger halten auch den Kanton Wallis in Atem. Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere registriert im Schnitt pro Jahr fünf bis sechs, manchmal auch zehn Fälle. Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, berichtet von illegal erlegten Rehen, Schweinen und Vögeln.

Die Wilderer beschäftigen auch den WWF. «Experten und Funde belegen immer wieder, dass in der Schweiz Wilderer unterwegs sind», sagt Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtierexperte beim WWF. Eine Studie zeige, dass der illegale Abschuss die zweithäufigste Todesursache von Luchsen in der Schweiz sei.

Auf die Pirsch für ein selbst geschossenes Mahl

Hinter den illegalen Jagden stecken verschiedene Motivationen. Die Jagdinspektoren erwähnen Fleischwilderer. Sie wollten möglichst günstig oder sogar kostenlos zu Wildbret kommen, sagt Georg Brosi zur «Südostschweiz». Peter Scheibler, Chef bei der Walliser Dienststelle für Jagd, stellt fest, dass es die Wilderer meist auf Rotwild oder Rehwild abgesehen haben. «Sie wollen sich zu Hause ein Mahl aus einem selber geschossenen Tier zubereiten.»

Laut den Jagdinspektoren sind aber auch illegale Händler unterwegs. Lorenz Hess, BDP-Nationalrat und Präsident des Berner Jägerverbands, sind Berichte über organisierte Wilderer zu Ohren gekommen. Diese Banden gingen in der Nähe von Hauptverkehrsachsen auf die Jagd, um die Tiere danach möglichst schnell abtransportieren zu können. «Sie verkaufen das Wild professionellen Händlern in der Schweiz.»

Andere gehen als Trophäenwilderer auf die Pirsch. Georg Brosi berichtet sogar von solchen, die im Nationalpark gezielt rare Tiere illegal jagen. «Die Palette der gewilderten Tiere reicht vom Adler über kapitale Hirsche bis hin zu Steinböcken.»

Moderne Technik erleichtert unauffällige Jagd

Menschen, die ein jagbares Tier einer geschützten Art widerrechtlich erlegen, droht laut dem Jagdgesetz eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Bei einer nicht geschützten Tierart müssen die Täter mit einer Busse von bis zu 20'000 Franken rechnen.

Doch die Wilderer bleiben laut den Ämtern meist unentdeckt. Die Kantonspolizei Zürich habe seit 2010 elf Straftaten rapportiert, sagt Sprecherin Cornelia Schuoler. «Lediglich in einem Fall konnte ein Täter ermittelt und bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht werden.» Die moderne Technik erleichtert die unauffällige Jagd. «Die Wilderei ist anonymer geworden», sagt der Berner Jagdinspektor Peter Juesy. Nachtsichtgeräte ermöglichten es, in der Nacht auf die Jagd zu gehen. «Die Wilderer müssen heute aber nicht einmal mehr einem Tier vor Ort auflauern.» Dafür sorgten Fotofallen, die sie auf dem Smartphone sofort informierten, wenn ein Tier in die Falle geraten sei.

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