Kritische Riss-Schwelle überschritten: Wildhüter schiesst Berner Wölfin F78
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Kritische Riss-Schwelle überschrittenWildhüter schiesst Berner Wölfin F78

Im Oktober 2020 war sie erstmals aufgetaucht, nun ist sie erlegt worden. Die Wölfin F78 hatte im Gantrischgebiet zu viele Nutztiere gerissen. Der Kanton Bern versuchte vergeblich, die Riss-Serie zu beenden.

von
Lucas Orellano
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Ein Berner Wildhüter schoss die Wölfin F78. (Symbolbild)

Ein Berner Wildhüter schoss die Wölfin F78. (Symbolbild)

Pixabay

Darum gehts

  • Die Wölfin F78 wurde im Februar zum Abschuss freigegeben, weil sie mehr als 35 Nutztiere in vier Monaten gerissen hatte.

  • Laut dem Berner Jagdinspektorat hatte sie sich auf die Jagd von Nutztieren spezialisiert.

  • Dem Kanton gelang es trotz einer Vielzahl von Massnahmen nicht, weitere Risse zu verhindern.

Die Berner Wölfin F78 ist tot. Dies teilt die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern in einer Medienmitteilung mit. Ein Wildhüter erlegte am 28. Februar in der Region Gürbetal/Gantrisch einen weiblichen Wolf, bei dem davon auszugehen ist, dass es sich um F78 handelt, der im Oktober 2020 erstmals aufgetaucht war. Das Tier war gerade dabei gewesen, in eine geschützte Nutztierherde einzudringen.

Wölfin F78 überschritt kritische Limite

Die Wölfin war am 19. Februar 2021 vom Berner Jagdinspektorat zum Abschuss freigegeben worden, weil sie zu viele Nutztiere gerissen hatte. Gemäss Jagdverordnung dürfen Wölfe erlegt werden, wenn sie «erheblichen Schaden an Nutztieren» anrichten. Die Limite liegt bei 35 Nutztieren in vier Monaten; F78 hatte die Schwelle überschritten und in dem Zeitraum 36 Tiere gerissen.

Der Abschuss hatte zum Ziel, weitere Schäden an Nutztierherden zu verhindern und musste bis Ende März durch einen Wildhüter erfolgen. Von Anfang April bis Ende Juli gilt für weibliche Wölfe ein besonderer Schutz für Fortpflanzung und Aufzucht von Jungtieren.

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Der Wölfin F78 fielen zahlreiche Schafe zum Opfer, unter anderem in Toffen, Riggisberg und Helgisried. (Symbolbild)

Der Wölfin F78 fielen zahlreiche Schafe zum Opfer, unter anderem in Toffen, Riggisberg und Helgisried. (Symbolbild)

imago images/Eibner Europa
Deshalb verfügte das Jagdinspektorat des Kantons Bern ihren Abschuss. (Symbolbild)

Deshalb verfügte das Jagdinspektorat des Kantons Bern ihren Abschuss. (Symbolbild)

BOM
Grund für diesen Entscheid sei der «erhebliche Schaden an Nutztieren», den die Wölfin verursacht hat, schrieb das JSV in seiner Mitteilung.

Grund für diesen Entscheid sei der «erhebliche Schaden an Nutztieren», den die Wölfin verursacht hat, schrieb das JSV in seiner Mitteilung.

Karte: Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern

«So ein Fall darf sich nicht wiederholen»

Der Kanton Bern hatte immer wieder versucht, die Riss-Serie der Wölfin F78 zu unterbrechen und appellierte an die Nutztierhalterinnen und -halter, den Schutz ihrer Herden zu verbessern. Informationen per SMS, E-Mail, Newsletter, Beratungen durch den Herdenschutzbeauftragten des Kantons Bern, mehr Geld für wolfsichere Zäune und sogar eine Vergrämungsaktion – keine der Massnahmen hatte Erfolg. F78 fand dennoch immer wieder mangelhaft geschützte Tiere.

«Es gibt deshalb leider keine andere Möglichkeit als einen Abschuss», liess sich Jagdinspektor Niklaus Blatter in einem Communiqué von Ende Februar zitieren. F78 habe sich auf den Riss von Nutztieren spezialisiert, weil es bisher für sie zu einfach gewesen sei. «So ein Fall darf sich nicht wiederholen», sagte Blatter damals. «Klar ist, dass nun der Herdenschutz deutlich und nachhaltig besser werden muss.»

Deine Meinung

146 Kommentare
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Rosa17

03.03.2021, 08:53

Schade ist halt, dass wir die ganze Berg- und Alpenwelt auch noch für uns beanspruchen. Schade ist auch, dass alles so zersiedelt ist. Ein Wolfsrudel benötigt ca. 150 bis 200 Quadratkilometer Territorien.Da sich der Mensch überall rein drängt, vorallem dort wo er nichts zu suchen hat wird es in der Schweiz für den Wolf nicht leicht.

das grösste Problem ist

03.03.2021, 07:10

die, die den Wolf wollen, müssen nicht mit Ihm leben. Die, die mit Ihm leben müssen, wollen Ihn nicht.

Fünfer und weggli

02.03.2021, 14:11

Ich frag mich nur für was man den fuchs in der schweiz wieder angesiedelt hat. Das war ja klar dass ein wildes tier sich auch wild verhält. Der mensch beansprucht ja auch ohne zu fragen die ganze alpenwelt.