Tötung per Gesetz – Wildschwein-Baby Josie wurde zuerst gerettet, dann getötet
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Kaisten AGWildschweinchen Josie wurde zuerst gerettet, dann getötet

Ein Facebook-Post des Tierlignadenhofs Kaisten hat eine Lawine von Kritik losgetreten. Es geht um einen Frischling, der aufgefunden wurde und eigentlich schon gerettet war. Was danach geschah, können viele nicht verstehen.

von
Seline Bietenhard
Steve Last

Im Facebook-Video erzählt der Tierlignadenhof Kaisten über das Schicksal des Frischlings Josie.

Tierlignadenhof Kaisten/sbi

Darum gehts

  • Dem Tierlignadenhof Kaisten wurde am Montag ein junges Wildschweinchen gebracht.

  • Grenzwächter hatten den Frischling gefunden und abgegeben.

  • Dort sollte sich die Stiftung bis Freitag um Schweinchen Josie kümmern.

  • Doch schon am Dienstag kam ein Jagdaufseher vorbei, nahm den Frischling mit und hat ihn getötet.

Ein Beitrag auf der Facebook-Seite des Tierlignadenhofs Kaisten im Kanton Aargau schlägt hohe Wellen. In einem Video trauern die Betreiberinnen über Wildschweinchen Josie, das ihnen weggenommen und getötet wurde. «Mir fehlen die Worte! Mit was für einer Begründung nimmt man solchen Lebewesen das Leben? Es schockiert mich zutiefst!», empört sich ein User. Eine andere Benutzerin findet die Situation «unfassbar, unverständlich und unbegreiflich». Es täte ihr leid für Josie und das ganze Team des Tierlignadenhofs. Innert 24 Stunden wurde das Video über 300 Mal kommentiert.

Der Gnadenhof kann das Verhalten des zuständigen Amtes nicht nachvollziehen. Sie hielten bereits erfolgreich seit 13 Jahren ein anderes Wildschwein und wären durchaus auch in der Lage gewesen, Josie aufzuziehen, sagt Leiterin Janina Sutter. Doch ihnen sei gedroht worden, dass sie sich strafbar machen würden. Tatsächlich wird gemäss Bundesjagdgesetz bestraft, wer vorsätzlich und ohne Berechtigung «jagdbare Tiere einfängt, gefangen hält, sich aneignet oder einführt, um sie auszusetzen».

Am Rande einer Hauptstrasse gefunden

Frischling Josie wurde gemäss Simon Erny, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, am Montag am Rande einer Hauptstrasse ausserhalb von Full-Reuenthal AG gefunden. In Absprache mit der Kantonspolizei Aargau sei das Tier von der Grenzwache zum Gnadenhof gebracht worden. «Das Tier wurde nach Kaisten gebracht, weil sonst die Gefahr bestanden hätte, dass es überfahren worden wäre», so Erny. Zudem seien Versuche, das Tier in den Wald zurückzudrängen, gescheitert. Andere Tiere der Rotte seien nirgends zu sehen gewesen.

«Aus meiner Sicht wäre eine Abgabemöglichkeit unbedingt zu prüfen gewesen», sagt Samuel Furrer, Wildtier-Experte des Schweizer Tierschutzes (STS). Es gebe durchaus spezialisierte Auffangstationen und Tierparks, die das Tier hätten aufnehmen können. «In diesem Fall scheint das Problem der Einfachheit halber mit dem Gewehr gelöst worden zu sein», sagt er. Ganz unabhängig davon, ob es sich um ein «herziges Jungtier» handelt – ein solches Vorgehen sei aus Tierschutzsicht ethisch verwerflich und nicht zu vertreten.

«Wildschweine sind keine Haustiere»

Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd und Fischerei des Kantons Aargau, kann bestätigen, dass Schweinchen Josie am Dienstag getötet wurde. «Wildschweine sind hochsozial und leben in gut strukturierten Rotten. Es ist davon auszugehen, dass das Tier mit einem Leben ohne andere Wildschweine in seiner Entwicklung gestört wird», so Osterwalder. «Ein Wildschwein ohne Artgenossen aufzuziehen und zu halten, wird daher als hochgradig tierschutzrelevant beurteilt», sagt er.

«Ich kann die wütenden Reaktionen im Internet verstehen, doch das Aufziehen von Wildtieren benötigt sowohl gemäss Jagd- als auch Tierschutzgesetz eine Bewilligung und ist grundsätzlich nur aus Artenschutzgründen vertretbar», sagt Osterwalder. Ausserdem sei es von der Natur vorgesehen, dass normalerweise nicht alle Frischlinge eines Wurfs überlebten.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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