10.10.2016 05:42

Basel-LandschaftWildschweine werden mit Nachtsichtgeräten gejagt

Die Wildschwein-Population steigt aufgrund der warmen Winter massiv an: 1227 Tiere wurden 2015 allein im Baselbiet erlegt. Nun sollen Nachtsichtgeräte für eine höhere Abschuss-Quote sorgen.

von
jd
Die Tiere sind den Landwirten ein Dorn im Auge.

Die Tiere sind den Landwirten ein Dorn im Auge.

Keystone/Steffen Schmidt

Wildhüter und Hobbyjäger der Region haben alle Hände voll zu tun: Es ist Herbst und die Jagdsaison hat offiziell begonnen. Die vergleichsweise warmen Winter der vergangenen Jahre wirkten sich direkt auf die Wildtier-Populationen aus. Den Landwirten sind vor allem Wildschweine ein Dorn im Auge. Denn die wilden Allesfresser hinterlassen auf Feldern und Wiesen Spuren der Verwüstung.

«Haben sich die wilden Schweine einmal auf einem Grundstück eingenistet, sind sie nur schwer wieder wegzubekommen», sagt Rudolf Schweizer, Jäger und Obmann der Schwarzwildkommission Jagd Baselland. Maisfelder, in denen sich bis zu 15 Schweine verstecken, welche die Ernte vernichten, seien kein Einzelfall. Schäden von rund 100 000 Franken jährlich gehen auf die Kappe der Säue.

2015 wurden im Baselbiet 1227 Wildsäue erlegt. «Das ist ein absoluter Spitzenwert», so Schweizer. Jährlich werde anhand eines Grund-Parameters evaluiert, wie viele Tiere zum Abschuss frei gegeben werden, erklärt der Jäger: «Wir erheben die Anzahl der Frischlinge. Diese bestimmt die Grössenordnung des zu jagenden Schwarzwildes.» Indem sich Jungtiere und gejagte Säue die Waage halten, bleibe die Population konstant.

Weniger Abschüsse

Schweizer betont, dass die Bestände wöchentlich kontrolliert und erhoben werden. «Bis jetzt wurden 168 Säue geschossen», sagt er. Im Vergleich zum letzten Jahr sei die Zahl eher tief anzusiedeln. 2015 waren es zum selben Zeitpunkt 550 Wildschweine gewesen. «Letztes Jahr war ein sehr spezielles. Wir werden diese Saison nicht mehr annähernd so viele Tiere schiessen», sagt er. Die Gründe seien teils sehr komplex. Die Wildschweine würden etwa den Wald aufgrund des natürlichen Nahrungsmittel-Angebotes weniger oft verlassen.

Um die Population weiterhin unter Kontrolle zu haben und eine Plage zu verhindern, hat der Kanton aufgerüstet. Fünf neue Nachtzielgeräte wurden laut der «Schweiz am Sonntag» angeschafft. Die mittlerweile acht Hightech-Hilfsmittel würden pro Stück mehrere tausend Franken kosten, sagt der kantonale Jagdverwalter Holger Stockhaus. «Die Geräte sind bei den Jägern beliebt. Alle sind derzeit im Umlauf. Und es zeigt sich, dass die Jäger öfters auch nachts unterwegs sind», sagt Stockhaus gegenüber der Zeitung. Doch auch kritische Stimmen werden laut. Der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig fürchtet, dass der Ruf der Jäger aufgrund des «Kriegsmaterials» leidet.

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