Japan: Wildtiere besiedeln das verstrahlte Fukushima
Aktualisiert

JapanWildtiere besiedeln das verstrahlte Fukushima

Wildschweine, Bären und japanische Marderhunde: In Fukushima machen sich immer mehr wilde Tiere in den evakuierten Gebieten breit.

von
kle
1 / 3
Fünfeinhalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ist die Wildtierpopulation in der Region rasant in die Höhe geschossen.

Fünfeinhalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ist die Wildtierpopulation in der Region rasant in die Höhe geschossen.

Screenshot Youtube
Ein Grund sei, dass Wildschweine, Bären und andere Tiere in den von Menschen verlassenen Orten leichter Nahrung finden.

Ein Grund sei, dass Wildschweine, Bären und andere Tiere in den von Menschen verlassenen Orten leichter Nahrung finden.

Screenshot Youtube
Die deutliche Zunahme der Wildtierpopulation könnte die Rückkehr der Bewohner nach erfolgter Dekontaminierung erschweren.

Die deutliche Zunahme der Wildtierpopulation könnte die Rückkehr der Bewohner nach erfolgter Dekontaminierung erschweren.

Screenshot Youtube

Die Population von Wildschweinen, Bären, japanischen Marderhunden und anderen Wildtieren ist im japanischen Fukushima fünfeinhalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe rasant in die Höhe geschossen.

Im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Gebieten liege die Zahl der in den verlassenen Gebieten lebenden Tiere um das Vier- bis Fünffache höher, berichtet die Zeitung «Nikkei» unter Berufung auf eine Erhebung der Universität Fukushima.

Die Wildtiere machen die Rückkehr für Menschen schwieriger

Ein Grund sei, dass Wildschweine, Bären und andere Tiere in den von Menschen verlassenen Orten leichter Nahrung fänden. Die deutliche Zunahme der Wildtierpopulation könne die Rückkehr der Bewohner nach erfolgter Dekontaminierung erschweren, hiess es.

Am 11. März 2011 war es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zu Kernschmelzen gekommen. Der Staat lässt zwar riesige Gebiete dekontaminieren, doch noch immer können Tausende von Menschen wegen der radioaktiven Belastung nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Gleiches Phänomen in Tschernobyl

Auch in der menschenleeren Sperrzone um das Atomkraftwerk Tschernobyl gibt es so viele Wildtiere wie sonst nur in Schutzgebieten. Nach einem Knick direkt nach der Katastrophe von 1986 seien die Bestände von Elch, Reh, Rotwild, Wildschwein und Wolf beständig gewachsen, berichteten Forscher 2015 im Fachjournal «Current Biology».

«Sehr wahrscheinlich gibt es inzwischen mehr Wildtiere um Tschernobyl als vor dem Unglück», schätzt Jim Smith von der University of Portsmouth in Grossbritannien. Sein Team hatte Daten von Helikopterüberflügen und Zählungen von Tierspuren im Schnee ausgewertet.

Demnach ist die Säugetierdichte im 4200 Quadratkilometer grossen Sperrgebiet inzwischen so gross wie in vier nicht verstrahlten Naturreservaten Weissrusslands. Die Zahl der Wölfe liege sogar mehr als siebenmal höher.

(kle/sda)

Deine Meinung