Tödliche Fehldiagnose: Wiler Oberarzt beteuert seine Unschuld
Aktualisiert

Tödliche FehldiagnoseWiler Oberarzt beteuert seine Unschuld

Der Tod einer 34-jährigen Mutter im Spital Wil beschäftigt die Gerichte weiter. Der zuständige Oberarzt versichert, er habe nach Wissen und Gewissen gehandelt.

Wegen des Todes einer 34-jährigen Mutter bei der Totgeburt ihres Kindes im Spital Wil im Jahr 2007 ist am Dienstagmorgen ein weiterer Arzt vor Gericht gestanden. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Seine Verteidigerin plädierte auf Freispruch.

Die Chefärztin der Gynäkologie am Spital Wil wurde bereits im Juni verurteilt. Das Kreisgericht Wil sprach gegen sie eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren aus. Die Chefärztin hatte eine Fehldiagnose gestellt, worauf die Patientin falsch behandelt wurde.

Die Chefärztin akzeptierte das Urteil. Ob sie ihre Funktion im Spital behalten kann, entscheidet der Verwaltungsrat am kommenden Freitag. Zurzeit arbeitet die Chefärztin nicht am Spital.

Oberarzt verteidigt sein Verhalten

Am Dienstagmorgen stand der damals diensthabende Oberarzt für Anästhesie vor Gericht. Er habe nach Wissen und Gewissen gehandelt, sagte er. Er habe versucht, den Kreislauf der Patientin zu stabilisieren. Trotz reichlicher Blutzufuhr habe sich der Gesundheitszustand der Frau nicht verbessert.

Er sei nicht befugt gewesen, eine Operation oder eine Verlegung ans Kantonsspital St. Gallen anzuordnen, habe die Patientin aber dafür vorbereitet, so der angeklagte Mediziner vor dem Kreisgericht Wil.

Der Staatsanwalt beantragte eine bedingte Geldstrafe von 30 000 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren und eine Busse von 3000 Franken. Dem Anästhesie-Oberarzt wirft die Anklage vor, er habe zu lange an der Fehldiagnose der Chefärztin festgehalten und es unterlassen, nach der Ursache Blutungen zu suchen.

Die überlange Fehlbehandlung am Spital Wil habe zum Tod der Frau geführt. Das Leben einer Patientin gehe Hierarchien am Spital vor.

Weitere Verhandlung

Am Nachmittag muss sich eine Oberärztin für Gynäkologie für den Tod der Patientin verantworten. Kommenden Dienstag steht der Chefarzt der Anästhesie vor Gericht. Ihnen wird ebenfalls fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Die 34-jährige Mutter, eine Bäuerin mit sieben Kindern, erlitt durch den falsch behandelten Kreislaufschock Organschädigungen, unter anderem am Herzmuskel. Als die Patientin nach mehreren Stunden notfallmässig ins Kantonsspital St. Gallen verlegt wurde, war es zu spät. Sie starb im Kantonsspital. (sda)

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