Alain Berset zum Coronavirus: «Die Situation ist klar besser als im Dezember»

Alain Berset zum Coronavirus«Die Situation ist klar besser als im Dezember»

Gesundheitsminister Alain Berset traf sich am Donnerstag in Bern mit Vertreterinnen und Vertretern der Kantone. Gegenüber den Medien sprach er über die Impfkampagne, die Kurzquarantäne und den EU-Impfpass.

von
Lucas Orellano
Das sagen Berset und Engelberger zur Impfaktion

Gesundheitsminister Alain Berset und GDK-Präsident Lukas Engelberger berichten über das weitere Vorgehen in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Hauptthema war die Impfaktion.

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Donnerstag, 21.01.2021

Das Wichtigste aus der Medienkonferenz

Damit ist die Medienkonferenz beendet. Hier noch einmal die wichtigsten Punkte in Kürze:

  • Es gibt im Moment eine Entspannung der Situation. In einigen Kantonen kam es in den letzten Tagen jedoch wieder zu einer leichten Steigerung der Infektionszahlen.

  • Was mittlerweile sicher ist: Die Festtage haben zu keinem Anstieg der Zahlen geführt. GDK-Präsident Engelberger bedankt sich bei der Bevölkerung für ihre gute Mitarbeit.

  • Ab morgen informiert der Bund zweimal pro Woche über die Impfstoff-Lieferungen an die Kantone.

  • Die Impf-Vorgaben des Bundes an die Kantone sind folgende: Ab Februar sollen täglich 525 pro 100'000 Personen geimpft werden. Ab Juni sind es 1575 / 100'000 Impfungen täglich pro Kanton.

  • Die Diskussion über eine Kurzquarantäne (sieben statt zehn Tage inkl. Test) ist noch nicht weit fortgeschritten. Die Sache ist seit gestern bei den Kantonen in der Vernehmlassung.

  • Auch in Bezug auf eine Zusammenarbeit mit der EU für einen EU-weiten Impfpass gibt es noch einige Fragezeichen. Der Bund stehe aber mit den zuständigen Stellen in Kontakt.

Welche Position hat die GDK in Bezug auf Masken für Kinder?

«Die Frage der Maskenpflicht in den Schulen liegt in erster Linie bei den Bildungsdirektoren der Kantone», sagt Engelberger. «Wir haben keine weitergehenden Massnahmen beschlossen, als der Bundesrat das bereits getan hat.»

Ändert das etwas an den Kapazitäten?

«Wir haben in der Schweiz bereits 510'000 Impfdosen», sagt Kronig. «Die Gesamtzahl der Impfdosen wird nicht abnehmen, sie werden höchstens verzögert geliefert.»

Kann man beziffern, wie stark der Lieferrückstand von Pfizer/Biontech ist?

«Eine genaue Zahl ist schwierig zu nennen», sagt Kronig. «Wir haben momentan eine Baisse, wir wollen das bis im März wieder aufholen. Es hängt aber davon ab, wie der Produzent in den nächsten Wochen produzieren kann.»

Braucht es für die 1575 Impfungen pro Tag (im Juni) einen dritten Impfstoff?

«Ja, absolut», sagt Berset. «Wenn wir die Kampagne so einhalten wollen wie geplant, brauchen wir den dritten Impfstoff.»

Wieso wird das Gesundheitspersonal erst in zweiter Priorität geimpft?

«Das Gesundheitspersonal ist aus guten Gründen nicht in der ersten Priorität», sagt Virginie Masserey vom BAG. Priorität haben die Menschen der Risikogruppen. «Die neuen Mutationen haben die Ausgangslage diesbezüglich nicht verändert.»

Was sagt Alain Berset zum Fall des südafrikanischen Milliardärs, der sich im Thurgau impfen liess?

«Von diesem Fall habe ich keine Kenntnis und dazu kann ich nichts sagen», sagt Berset.

Wie sollen die Kantone es schaffen, die geforderten Impfkapazitäten zu steigern?

«Ja, es ist nicht einfach», sagt Berset. «Es gibt Impfzentren, aber auch Leute, die man vor Ort impfen muss. Für die Kantone ist das schon schwierig zu organisieren. Die Zuständigkeit liegt nach wie vor bei den Kantonen, es war nie geplant, dass sie einmal nicht im Lead wären.»

«Das Gute in dieser Situation ist, dass wir die Dosen gestaffelt bekommen», sagt Berset. «Hätten wir 8 Millionen Dosen aufs Mal bekommen, wäre das etwas anderes.»

Was hat sich verändert, dass der Bundesrat die Kurzquarantäne in Betracht zieht?

«Es braucht immer die Bereitschaft, sich anzupassen», sagt Berset. «Die Situation ist momentan klarer als Ende Dezember, aber wir haben immer noch einige Unklarheiten, wie die neuen Mutationen. Deshalb haben wir jetzt angefangen, mit den Kantonen darüber zu sprechen.»

Wie weit sind die Diskussionen um die Kurzquarantäne fortgeschritten?

«Wir haben die Sache gestern bei den Kantonen in die Vernehmlassung gegeben, sie ist also noch am Laufen», sagt Berset. «Heute haben wir nicht darüber gesprochen.»

Hat der Bundesrat einen Plan zum EU-Impfpass?

«Wir verfolgen mit grossem Interesse, was andere Länder tun, also auch, was in der EU läuft», sagt Berset. «Aber bisher gibt es noch keine Entscheide. Es ist eine Herausforderung, die auf uns zukommen wird. Es sind auch immer wieder Leute auf mich zugekommen, Geschäftsleute, die immer wieder reisen müssen, und die sagen ‹Wir brauchen das auch.›»

«Wir werden das mit der EU zusammen anschauen müssen», so Berset.

«Wir verfolgen das sehr eng und werden uns auch bei der WHO einbringen, das braucht das Einverständnis von Mitgliedsstaaten», fügt Nora Kronig vom BAG hinzu.

Waren die Kantone nicht auf die Zulassung des Pfizer/Biontech-Impfstoffes gefasst?

«Wir müssen anerkennen, dass die Zulassung etwas früher kam, als wir erwartet hatten», sagt Engelberger. «Im Oktober hätten nicht viele Menschen Geld darauf gewettet, dass bis Ende Jahr noch ein Impfstoff in der Schweiz zugelassen wird. Wir waren sogar noch vor der Kommision der EU.»

Wie hoch ist die Kapazität heute?

«Wir haben für Januar einen theoretischen Wert», sagt Berset. «Aber der Anfang ist schwierig, weil der Start so gestaffelt und mit verschiedenen Lösungen stattfand. Darum gibt es die Impfvorgaben auch erst für den Februar.»

Wie viele Personen werden in der Schweiz täglich geimpft werden?

«Das kann ich Ihnen nicht sagen, denn das kommt sehr drauf an», antwortet Berset. «Was ich Ihnen sagen kann, ist, wie viele Impfdosen an die Kantone geliefert werden. Es gibt ab Februar die Vorgabe, dass Kantone 525 von 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Tag impfen sollen. Aber Juni ist die Zahl dreimal höher, also 1575 Menschen pro Tag.»

Soll der Bund einen Test pro Woche in Pflegeheimen finanzieren?

«Ja, das ist in Vernehmlassung», sagt Berset. Es ist schon derzeit so, dass testen gratis ist, wenn man Symptome hat.

Die Fragerunde beginnt

Die anwesenden Journalistinnen und Journalisten bekommen nun die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Regelmässige Tests in Pflegeheimen

«Wir begrüssen die Diskussion über die systematische Ausweitung der Test-Vorschriften», sagt Engelberger. «Es muss aber natürlich auch nachhaltig sein, wenn man mehr testen will. In Pflegeinstitutionen muss man beispielweise regelmässig testen.»

«Die Bevölkerung will sich impfen lassen»

Einige Worte zum Hauptthema der heutigen Sitzung mit dem Bundesrat: der Impfung. «Die Aktion hält uns in Atem, die Menschen, die sich haben impfen lassen, lassen uns eine grosse Dankbarkeit spüren», sagt Engelberger. «Die Bevölkerung will sich impfen lassen und wir wollen diesem Impfwunsch auch nachkommen.»

«Wir verstehen natürlich, dass sich einige wünschen, dass es schneller vorwärts geht», so Engelberger. «Aber wir müssen auch die Relationen beachten: Noch vor drei Monaten hätten wir nicht gedacht, dass wir schon so bald impfen können.»

«Das Tempo der Impfungen wird zunehmen», sagt Engelberger. «Es ist klar, dass sie momentan nicht alle am selben Ort stehen. Das ist schlicht eine Folge der verschiedenen Gegebenheiten.»

Der Wunsch der Bevölkerung nach Transparenz sei berechtigt. «Wir wollen dem auch nachkommen. Ab Morgen stellen wir das Monitoring des Bundes zweimal die Woche zur Verfügung

«Die Verhaltensregeln bleiben natürlich trotz der Impfung wichtig, ich kann das im Alltag auch weiterhin beobachten», sagt Engelberger.

Spitäler holen mit Eingriffen wieder auf

Die Belegungszahlen sind sowohl im allgemeinen Spital- als auch im Intensivbereich rückläufig. «Das ist wichtig, denn es wurden viele Operationen verschoben, diese müssen wir jetzt durchführen», sagt Engelberger. «Deshalb ist die Belegung auf den Intensivstationen nicht rückläufig: Es werden jetzt vermehrt verschobene Operationen durchgeführt. »