Bahnhof St. Gallen: «Will die SBB, dass ich mein Kind allein lasse?»
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Bahnhof St. Gallen«Will die SBB, dass ich mein Kind allein lasse?»

Ärger bei einer Mutter am Bahnhof St. Gallen: Mit ihrem Veloanhänger schaffte sie es nicht alleine aus der neuen Unterführung auf den Bahnhofplatz.

von
lad
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Bei der neuen Bahnhofsunterführung in St. Gallen stiess eine Leser-Reporterin auf ein Problem:

Bei der neuen Bahnhofsunterführung in St. Gallen stiess eine Leser-Reporterin auf ein Problem:

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Als sie am Sonntagnachmittag mit ihrem Velo mit Anhänger...

Als sie am Sonntagnachmittag mit ihrem Velo mit Anhänger...

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... vor der Rolltreppe stand, bemerkte sie, dass es keinen Ausgang für sie gibt. Denn es gibt keine Rampe, die von der Unterführung zum Busbahnhof hinausführt.

... vor der Rolltreppe stand, bemerkte sie, dass es keinen Ausgang für sie gibt. Denn es gibt keine Rampe, die von der Unterführung zum Busbahnhof hinausführt.

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Vor weniger als zwei Wochen wurde der neu gestaltete Bahnhof St. Gallen feierlich eingeweiht. Doch bereits sorgt er für Ärger bei der Kundschaft: «Als ich mit Velo und Kinderanhänger in der neuen Unterführung ankam, stand ich ganz schön blöd da», sagt eine Leser-Reporterin zu 20 Minuten. Die Frau kam am Sonntagnachmittag mit ihrem Kind von einem Badeausflug aus Rorschach mit dem Zug nach St. Gallen zurück. Durch die neue Unterführung wollte sie mit Velo und Anhänger vom Gleis aus zum Bahnhofplatz gelangen. «Weit kam ich aber nicht», so die Frau.

«Totale Fehlplanung»

In der Tat: Von der Unterführung führt keine Rampe auf den neu gestalteten Platz. Den Lift zu benutzen war für die junge Mutter keine Option: Das ganze Gefährt passt nicht hinein. «Ich dachte, ich sei im falschen Film», so die 30-Jährige.

Zusammen mit Ladenangestellten habe sie nach einer Lösung gesucht. «Glücklicherweise halfen sie mir und zu viert haben wir es dann geschafft, das Velo samt Anhänger über die Rolltreppe zu transportieren», so die Frau. Wäre sie alleine gewesen, hätte sie den Anhänger abmontieren und zweimal mit dem Lift fahren müssen. Doch die Prozedur würde mehrere Minuten dauern: «Will die SBB etwa, dass ich mein Kind während dieser Zeit allein lasse?», empört sie sich.

Für die St. Gallerin ist klar: «Das ist eine totale Fehlplanung. Und das bei einem Projekt für 80 Millionen.» Zudem zahle man schon genug für das Velobillett. Eine Lösung sieht die Frau keine: «Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen», sagt sie.

«Das ist eine totale Fehlplanung»

Ärger bei einer Mutter am Bahnhof St. Gallen: Mit ihrem Veloanhänger schaffte sie es nicht alleine aus der neuen Unterführung auf den Bahnhofplatz.

Die neue Bahnhofsunterführung in St. Gallen. (Video: lad)

Mangelnder Platz

Auch bei Pro Velo St.Gallen Appenzell ist man enttäuscht: «Wir haben bis zum Schluss für eine Rampe gekämpft», sagt Präsidentin Barbara Germann. Als klar war, dass diese nicht kommt, habe man sich für einen grossen Lift eingesetzt – ebenfalls vergeblich «Das wäre keine grosse Sache gewesen», so Germann. Es sei einfach nur schade, wie es nun gekommen sei.

Auf Anfrage bei der SBB heisst es: «Aus Platzgründen konnte keine Rampe erstellt werden.» Velofahrer mit Anhänger müssten diesen abkoppeln und den Lift benutzen. Stadtingenieur Beat Rietmann bestätigt: «Lifte sind schliesslich überall vorhanden.» Rampen seien mit ihrer Länge und der korrekten Neigung extrem platzintensiv, daher sei eine solche hier nicht möglich gewesen.

SBB und Stadtingenieur verweisen auf die Möglichkeit, die neue Unterführung auf der Rückseite des Bahnhofes zu verlassen und dann den Bahnhof durch die nächstgelegene Unterführung, wo es einen grossen Lift gibt, zu queren. Bei Pro Velo winkt man jedoch ab: «Diesen Weg kennen nur Eingeweihte. Er ist nicht gekennzeichnet und aufgrund der Länge schlicht eine Zumutung.»

Renovierter Bahnhof St. Gallen

Am Freitag, 31. August 2018, wurde der neu renovierte Bahnhof St. Gallen nach mehreren Jahren Bauzeit eröffnet. Die Ladenflächen in der Unterführung beim Rathaus wurden deutlich vergrössert. Dafür wurden insgesamt rund 80 Millionen Franken investiert, knapp 60 Millionen Franken von der SBB, weitere 22 Millionen Franken von der Stadt. Beim Bau wurden zudem die Haltestellen von Bussen und Postautos auf dem Bahnhofplatz neu angeordnet. Markant ist die neue Ankunftshalle in Form eines weissen Glaskubus.

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