Olympia 2022: Ski-Exot Carlos Mäder «will ein ghanaisches Team aufbauen»
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Olympia-Debütant Carlos Mäder «Will ein ghanaisches Team aufbauen» – Schweizer Ski-Exot hat grosse Pläne

Mit Carlos Mäder absolvierte ein eher unbekannter Schweizer ebenfalls den Riesenslalom der Männer. Für den 43-Jährigen, der für Ghana startete, eine grosse Ehre.

von
Sven Forster
(aus Peking)
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Carlos Mäder scheiterte im Riesen der Olympischen Spielen. 

Carlos Mäder scheiterte im Riesen der Olympischen Spielen. 

imago images/Xinhua
Der 43-Jährige startet für Ghana. 

Der 43-Jährige startet für Ghana. 

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Bei der Eröffnungsfeier fungierte er als Fahnenträger.

Bei der Eröffnungsfeier fungierte er als Fahnenträger.

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Darum gehts 

Vier Schweizer wagten sich den Riesenslalom-Hang in Yanqing hinab. Oder waren es doch fünf? In der Tat: Mit der Startnummer 76 stand mit Carlos Mäder ein weiterer Schweizer an den Start. Doch wie ist das überhaupt möglich? Denn eigentlich dürfen nur vier Athleten ihr Land beim Rennen vertreten. Die Antwort ist einfach. Mäder startete für Ghana. 

Der 43-Jährige wurde in Ghana geboren, mit acht Monaten aber von einem Schweizer Ehepaar adoptiert und wuchs in Giswil im Kanton Obwalden auf. Mit drei Jahren begann er mit dem Skifahren. Der 43-Jährige vom Skiclub SC Giswil-Mörlialp erfüllte sich mit den Olympischen Spielen seinen grossen Bubentraum. Der Weg dahin war nicht immer leicht. Die Olympischen Spiele 2018 verpasste er nur knapp. Kein Wunder, begann er doch erst im Jahr 2017 wieder professionell mit dem Skifahren. Vor gut drei Jahren nahm Mäder bereits an der Ski-WM teil. Nun gab er also sein Olympia-Debüt. Sein Lauf missglückte aber und bereits nach wenigen Sekunden verabschiedete er sich aus dem Wettkampf. 

Flagge zu tragen, war eine grosse Ehre

Nach dem Rennen sagte er gegenüber 20 Minuten: «Ich bin sehr enttäuscht, dass ich einer der Fahrer bin, die rausgefallen sind. So ist aber das Skifahren.» Für ihn war klar, dass er nicht einfach mit Stemmbogen den Hang hinunterfahren will. «Ich wollte einfach voll attackieren. Alles oder nichts war mein Motto, denn ich hätte mir mehr Vorwürfe gemacht, wenn ich einfach langsam ins Ziel gefahren wäre.»

Der Wettkampf sollte eigentlich das grosse Highlight im Olympia-Abenteuer von Mäder werden. «Das kann ich jetzt natürlich aber noch nicht so sagen. Vielleicht in ein paar Tagen», so der 43-Jährige. Also ist es derzeit die Olympische Eröffnungsfeier, wo der Innerschweizer als ghanaischer Flaggenträger agierte. «Es war auch eine riesige Ehre», erklärt Mäder.

So oder so seien die Spiele für ihn eine grosse «Belohnung» gewesen. «Es ist ein Megaerlebnis für mich. Mein Weg geht ja schon die letzten vier, fünf Jahre. Ich bin eine One-Man-Show. Es war schon eine Genugtuung, das zu erleben.» Auch mit den Schweizern vor Ort konnte sich Mäder kurz austauschen. «Mit Marco Odermatt, Gino Caviezel und Stefan Rogentin und Yannick Chabloz konnte ich kurz plaudern.» Mäder erklärt mit einem Lächeln: «Ich bin grosser Odermatt-Fan, als Innerschweizer sowieso.»

«Ich will ein ghanaisches Team aufbauen»

Das nächste Ziel für den 43-Jährigen ist die WM in zwei Jahren: «Ich würde gerne mit meinem Team und Freunden so einen Anlass geniessen. In Peking konnte er es aufgrund der Corona-Restriktionen nicht. Vielleicht gibt es aber nochmals Olympische Spiele für Mäder. Was in vier Jahren ist, weiss er noch nicht. Allerdings: «Ich bin ein Sportlerherz, es beisst mich sicher aber jetzt mit dem Ausfall. Ich fühle mich ja auch topfit.»

Allerdings hat der Innerschweizer auch andere Ziele: «Mein Ziel ist auch junge Ghanaer zu finden. Die in einem Land mit Schnee aufgewachsen sind und den Sprung vielleicht nicht in den grossen Kader geschafft haben. Ich würde gerne ein ghanaisches Team aufbauen.» Die Resonanz aus Ghana war sehr gross, wie Mäder im Gespräch erzählt.» Ich habe viele Mails und Nachrichten erhalten. Mir wurde geschrieben, dass die Leute stolz sind, dass Ghana auch an den Winterspielen vertreten ist. In der Schweiz haben meine Freunde noch Caps mit der Aufschrift Team Ghana verteilt. Dort waren sie ebenfalls sehr stolz.»

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