Corona-Massnahmen SVP Schweiz widerspiegelt nicht die Haltung der breiten Basis Joël Thüring
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Joël Thüring (SVP) im Interview«Will nicht an Demo, wo antisemitische Parolen skandiert werden»

Der Basler SVP-Grossrat Joël Thüring ärgert sich auf Twitter regelmässig über Coronaskeptiker und Impfgegner. Auch die Demonstration der Freiheitstrychler am Samstag kritisierte er aufs Schärfste. Damit steht er im Kontrast zu vielen Exponenten der Volkspartei.

von
Steve Last
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Für SVP-Grossrat Joël Thüring ist klar: Nur mit der Impfung kommt die Schweiz aus der Pandemie und damit aus den Massnahmen.

Für SVP-Grossrat Joël Thüring ist klar: Nur mit der Impfung kommt die Schweiz aus der Pandemie und damit aus den Massnahmen.

Tamedia/Dominik Plüss
Auf Twitter zeigt er sich zuweilen unzimperlich, wie etwa zur Demonstration der Freiheitstrychler am Samstag in Basel.

Auf Twitter zeigt er sich zuweilen unzimperlich, wie etwa zur Demonstration der Freiheitstrychler am Samstag in Basel.

Screenshot Twitter
Und wie geht er damit um, wenn sich Politiker aus den eigenen Reihen im Gewand der Massnahmengegner zeigen? Bei Bundesrat Ueli Maurer verweist Thüring auf die Umstände. Von Nationalrat Roger Köppel im Shirt oder Nationalrat Andreas Glarners Auschwitz-Vergleich hält er wenig.

Und wie geht er damit um, wenn sich Politiker aus den eigenen Reihen im Gewand der Massnahmengegner zeigen? Bei Bundesrat Ueli Maurer verweist Thüring auf die Umstände. Von Nationalrat Roger Köppel im Shirt oder Nationalrat Andreas Glarners Auschwitz-Vergleich hält er wenig.

Screenshot Twitter

Darum gehts

  • Joël Thüring ist Mitglied der SVP Basel-Stadt und nimmt für die Partei im Kantonsparlament, dem Grossen Rat, Einsitz.

  • Der 37-Jährige ist ein ausgesprochener Befürworter der Corona-Massnahmen und hält sie teilweise für zu lasch.

  • Im Gespräch mit 20 Minuten erklärt er seinen Standpunkt und sagt, dass die SVP keine Massnahmengegner-Partei ist.

Sie sind ein entschiedener Befürworter der Corona-Massnahmen, sprechen sich für die Impfung, Zertifikate und kostenpflichtige Tests aus – wieso?

Nur das ist der Ausweg aus der Pandemie. Wer sich nicht impfen lässt, trägt dazu bei, dass sie länger dauert. Es ist überdies wissenschaftlich breit abgestützt, dass die Massnahmen nur zurückgenommen werden können, wenn eine gewisse Impfquote erreicht ist. Das zeigt sich in anderen Ländern wie zum Beispiel Dänemark. Im Vergleich hinkt die Schweiz hinterher.

Innerhalb einer Partei darf und soll es unterschiedliche Meinungen geben. Doch was löst es in Ihnen aus, wenn sich Nationalrat Roger Köppel oder Bundesrat Ueli Maurer im Gewand der Freiheitstrychler zeigen, Nationalrat Andreas Glarner bezüglich der Massnahmen gar einen Auschwitz-Vergleich verbreitet?

Ich halte wenig von solchen Aussagen. Bei Ueli Maurer bin ich etwas grosszügiger, weil es bei dieser Aktion anderen Umständen geschuldet war. Die Botschaften von Roger Köppel und Andreas Glarner halte ich für nicht sehr sinnvoll. Ich muss aber darauf verweisen, dass es in der SVP nicht die eine Meinung zu den Corona-Massnahmen gibt. Es gibt jene, die wie ich die Massnahmen unterstützen. Dann gibt es jene, die für die Impfung aber gegen das Zertifikat sind. Andere sind gegen alles. Am Ende des Tages glaube ich nicht, dass die Position der SVP Schweiz die Haltung der breiten Basis widerspiegelt. Es gibt zum Glück auch die anderen und viele Nuancen in der Partei, und ich möchte daran erinnern: Die SVP hat sich als erste für strenge Massnahmen inklusive Grenzschliessung eingesetzt, um das Virus auszusperren. Nationalrätin Magdalena Martullo trug als erste eine Maske im Ratssaal. Ich selber fühle mich deshalb frei, mich zum Thema zu äussern.

Auch innerhalb der Basler SVP scheint man sich uneins zu sein. Ihr Grossrats- und Parteikollege David Trachsel marschierte am Samstag etwa bei der Freiheitstrychler-Demonstration in Basel mit. Wie stehen Sie dazu?

In Basel wird viel demonstriert und wir setzen uns als Partei für jene Menschen ein, die dadurch behindert werden, wie etwa Gewerbetreibende oder Besuchende unserer Stadt. Darum halte ich es für falsch, dann auch noch mitzulaufen. Am Ende muss es aber jeder selber wissen. Ich will nicht Teil einer Demo sein, an der antisemitische Parolen skandiert werden. Wenn man sich ansieht, was da teils für Flaggen gezeigt wurden… Aber wie bei der SVP Schweiz gibt es in der Basler SVP unterschiedliche Standpunkte. Und meines Wissens ist in meiner Fraktion die Impfquote sehr hoch. Und wir haben es unabhängig davon alle gut miteinander und keinen Krach. Das gilt auch für David Trachsel und mich.

Was haben Sie aus der Corona-Krise bisher mitgenommen?

Es hat sich gezeigt, dass es sehr schwierig ist, die richtigen Massnahmen zu treffen. Ich war teilweise gegen Entscheidungen des Bundesrats, die sich im Nachhinein als richtig herausgestellt haben. Manchmal hatte ich aber auch recht und der Bundesrat lag falsch. Ich glaube, dass man sich auf so etwas nicht vorbereiten kann und dass es die Schweiz folglich auch nicht war. Wir waren nicht bereit. Und ich spreche hier nicht nur von der Logistik wie Masken oder Tests. Die Pandemie hat die Menschen auch psychisch schwer getroffen. Ich muss sagen, dass ich überrascht war, wie schnell der Widerstand gegen die Massnahmen losging – und vor allem wegen wie wenig. Die Massnahmen in der Schweiz waren immer relativ locker, es gab nie so etwas wie Ausgangssperren wie in anderen Ländern. Deshalb sollte man die Verhältnismässigkeit wahren.

Das sagt David Trachsel

20 Minuten hat auch David Trachsel, Präsident der Jungen SVP Schweiz, auf seine Teilnahme an der Demonstration vom Samstag angesprochen. «Ich wollte ein Zeichen gegen die Massnahmen des Bundesrats setzen», sagt er. Das Zertifikat richte durch Umsatzeinbussen in einigen Branchen grossen Schaden an, mehr als es nütze. Kinder- und Jugendpsychiatrien seien überfüllt.

«Ständige Demonstrationen können mühsam sein», so Trachsel. Dass man aber gar nicht an einer Demo teilnehmen sollte, stuft er als eine «gar radikale Haltung» ein. Zu antisemitischen Symbolen an der Demonstration äussert er sich so: «Leider hat es immer wieder vereinzelte Spinner, und das ist sehr schade». Der allergrösste Teil der Teilnehmenden sei aber friedlich und stamme «aus der Mitte der Gesellschaft».

«Der Kurs der SVP Schweiz bezüglich der Massnahmen ist klar», sagt Trachsel weiter. Man setze auf eine Aufhebung der Massnahmen, sei gegen das Covid-19-Gesetz und wolle eine rasche Rückkehr zur Normalität. Diesen Standpunkt vertrete er auch im Kanton. Allerdings stehe es einzelnen Exponenten frei, anderer Meinung zu sein.

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