Aktualisiert 04.04.2009 15:11

Lidl spionierte weiter

«Will schwanger werden»

Der Lebensmittel-Discounter Lidl steht erneut wegen fragwürdiger Registrierung von Mitarbeiterdaten in der Kritik. Der Konzern hat in Deutschland die Gesundheitlichen Eckdaten von Mitarbeitern genauestens protokolliert. Gefunden wurden die sensiblen Daten in einer Mülltonne.

Wie der «Spiegel» berichtet, hat Lidl Beschäftigte aufgefordert, den Grund ihrer Erkrankung anzugeben und diesen in firmeninternen Unterlagen festgehalten. Lidl räumte am Samstag in einer Stellungnahme ein: «Dies war nicht datenschutzkonform, diente aber dazu, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen.» Ende 2008 ist die Praxis angeblich eingestellt worden.

In Mülltonne

Die Praxis bei Lidl zufolge heraus, nachdem mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen zufällig entdeckt wurden - in einer Mülltonne in Bochum. «Offenbar bundesweit setzte das Unternehmen Formulare ein, in den der 'Grund der Krankheit' von Mitarbeitern eingetragen werden sollte», heisst es in dem Bericht.

Alle Einträge stammen laut «Spiegel» aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden. Lidl hatte im März 2008 eingeräumt, in 219 Filialen Detektive eingesetzt zu haben. Damals kam heraus, dass der Discounter sogar Informationen über Liebesbeziehungen unter Angestellten für protokollierenswert gehalten hatte.

In den jetzt entdeckten Krankenunterlagen steht etwa über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krank geschrieben war: «Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert». Im Fall einer Filialleiterin seien «private Probleme» notiert worden.

«Altfälle aus dem vergangenen Jahr»

Nach Angaben Lidls handelt es sich um «Altfälle aus dem vergangenen Jahr». Die Unterlagen seien von einem Mitarbeiter «unsachgemäss entsorgt» und hernach dem «Spiegel» zugeleitet worden.

Bis Ende 2008 seien die Listen dafür genutzt worden, das Personal richtig einzusetzen, erklärte das Unternehmen. «Dabei wurden Informationen erfasst, die persönliche Belange berücksichtigten.» Die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzeptes bei Lidl eingestellt worden.

Oberster Datenschützer entsetzt

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sehe die Registrierung der Krankheiten «äusserst kritisch», berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin. «Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an.»

Schaar hat eine Prüfung des Falls durch die zuständigen Aufsichtsbehörden angeregt. «Dass man dabei zu dem Ergebnis kommt, das ist unzulässig, halte ich für ziemlich wahrscheinlich», sagte er. (dapd)

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