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Sechzehntelfinal-QualifikationWillkommenes Weihnachtsgeld für YB

Mit viel Kampf und etwas Glück überwintert YB in der Europa League. Das tut auch der von Corona gebeutelten Clubkasse gut.

von
Eva Tedesco
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YB gewinnt  gegen den rumänischen Meister Cluj 2:1 und zieht in der Europa League in die nächste Runde ein. 

YB gewinnt gegen den rumänischen Meister Cluj 2:1 und zieht in der Europa League in die nächste Runde ein.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Die Schlussminuten der Partie im Wankdorf waren an Dramatik kaum zu überbieten. YB geriet in der 86. Minute in Rückstand, bekam dann aber einen fragwürdigen Penalty zugesprochen, den Cédric Zesiger herausholte. 

Die Schlussminuten der Partie im Wankdorf waren an Dramatik kaum zu überbieten. YB geriet in der 86. Minute in Rückstand, bekam dann aber einen fragwürdigen Penalty zugesprochen, den Cédric Zesiger herausholte.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Jean-Pierre Nsame verwandelte den Elfmeter zum 1:1 und gab den Bernern die Hoffnung zurück. 

Jean-Pierre Nsame verwandelte den Elfmeter zum 1:1 und gab den Bernern die Hoffnung zurück.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Darum gehts

  • YB zieht in die nächste Runde der Europa League ein.

  • Neben dem sportlichen Erfolg sorgen die Prämien für etwas Entspannung in der Clubkasse.

  • Gegen wen es im Frühjahr für die Berner weitergeht, erfahren sie am Montag bei der Auslosung.

Die Gefühlslage bei Sportchef Christoph Spycher auf der Tribune änderte sich in den dramatischen Schlussminuten im Minutentakt und endete in grenzenloser Freude. Doch die Nerven des Sportchefs wurden gegen Cluj (2:1) arg strapaziert. Bis das Weiterkommen in Europa klar war, kostete ihn das wohl einige Jahre seines Lebens, oder? «Ich habe wohl das eine oder andere Jahr auf der Tribüne verloren. Es war ein ganz spezielles Spiel», sagt Spycher wenig später gegenüber SRF erleichtert. «Man hat wieder einmal gesehen, was die mentale Komponente im Fussball ausmacht.»

Er sei stolz auf den Charakter und die Mentalität der Mannschaft», sagt auch Gerry Seoane später an der Medienkonferenz. Die Schlussphase hat auch den YB-Trainer Nerven gekostet. «Sehr sogar bei dem Spielverlauf», sagt er danach erleichtert. Als Trainer beschäftigte ihn aber auch, dass man es nicht geschafft habe, die gewohnte Dominanz auf den Platz zu bringen. Die fussballerische Leistung sei nicht das gewesen, was man sich vorgestellt habe. Seoane zog dazu einen Vergleich im Tennis. «Es war, wie wenn du den Matchball hast und ein zittriges Handgelenk bekommst kurz vor dem Ziel.»

Seoane-Plädoyer für den VAR

Das Handgelenk zitterte zwar heftig, um in Seoanes Bildsprache zu bleiben, aber am Ende hiess es dennoch Spiel, Satz und Sieg für YB. Auch, weil die Uefa in der Gruppenphase der Europa League auf den Videoschiedsrichter verzichtet. Denn die Schlussminuten wurden auch deshalb so dramatisch, weil dem französischen Unparteiischen Benoît Bastien das Spiel entglitt. Mit dem VAR wäre das eine oder andere Tor im Wankdorf wohl nicht gefallen. Kann der YB-Trainer die Entscheidung der Uefa nachvollziehen, obwohl es neben dem sportlichen Erfolg auch um Millionen geht?

«Es wird Gründe haben, warum man sich dagegen entschieden hat und Gründe, sich für einen zu entscheiden. Wir haben uns daran gewöhnt, mit einem VAR zu spielen und tatsächlich ist es auch für uns vor dem Spiel immer wieder eine Umstellung. Da ändert sicher auch für den Schiedsrichter etwas», sagt Seoane. «Der Schiedsrichter hat den Penalty gepfiffen. Ich weiss nicht, ob der VAR ihn korrigiert hätte, ob es so klar gewesen wäre. Ich glaube, es hat immer Leute für und dagegen gehabt, aber jetzt nach den Erfahrungen die wir haben, kann man sagen: Der VAR ist etwas Gutes für den Fussball.»

Am Montag wird der YB-Gegner bekannt

Mit VAR, ohne VAR, mit Dusel oder nicht – YB ist eine Runde weiter und das zum zweiten Mal. 2010/11 scheiterte man in den Sechzehntelfinals an Zenit St. Petersburg. 2014/15 war Everton zu stark und spedierte die Berner mit 1:3 und 1:4 aus dem Wettbewerb. Jetzt spült das Überwintern in Europa den Bernern aber einen schönen Zustupf in die Kasse. Für die Teilnahme an der Gruppenphase kassierte YB sieben Millionen Euro. Die Siege gegen Sofia und Cluj brachten je 570’000 Euro. Für Platz 2 in der Gruppe und den Einzug in die Sechzehntelfinals gab es nun eine Million obendrauf. Und gerade in schwierigen Zeiten mit der Corona-Pandemie kann der Club die bisher verdienten rund 10 Millionen Euro gut gebrauchen.

«In dieser schwierigen finanziellen Situation ist es positiv, dass wir europäisch dabei sind, was aber für YB immer wichtig ist», sagt Seoane dazu. «Wenn man dann noch eine Runde weiter kommt, ist das auch ein willkommenes Weihnachtsgeld.» Und abgerechnet wird erst am Schluss. Für YB geht es im Frühjahr ja noch weiter. Als Gruppenzweite winken den Bernern attraktive, aber schwierige Gegner. Die Auslosung steigt am Montag in Nyon. Im Topf sind u.a. Teams wie Arsenal, Leverkusen, Milan, Napoli, Tottenham, Hoffenheim, Zagreb, Benfica, Manchester United und auch Ajax Amsterdam.

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17 Kommentare
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Rob40

13.12.2020, 00:06

Ich als YB Fan muss sagen da war viel Glück dabei. Das YB von heute ist von der Qualität her meilenweit entfernt vom YB vor 2-3 Jahre. Sanogo, Mbabu, Zakaria, Benito usw. wurden und konnten nicht 1:1 ersetzt werden. Was ist los mit diesem Aebischer? Aber für Swiss Super Liga wird es trotzdem reichen.

Verteidiger

12.12.2020, 08:40

Etwas Glück ist mehr als übertrieben

Alles wird gut

11.12.2020, 13:50

Also von mir aus gesehen, hat YB in den europäischen Wettbewerben jeweils schlecht gespielt. Aebischer war unterirdisch, Zesigers Theaterstück führte zum Penalty und somit schlussendlich zum Sieg. Wäre schön wenn YB mal gut spielen würde.