Ausnahmezustand: Willkür der Pariser Behörden trifft FCB-Fans
Publiziert

AusnahmezustandWillkür der Pariser Behörden trifft FCB-Fans

In London unterstützten Tausende Fans ihren FCB. Beim Champions-League-Match am Mittwoch in Paris stehen den Baslern nur 800 Tickets zur Verfügung.

von
E. Tedesco
Paris

Das sagt FCB-Trainer Urs Fischer zur Ticket-Beschränkung in Paris. (Video: 20 Minuten)

Paris St-Germain ist zu Hause eine Macht: Im Europacup hat der französische Meister von den letzten 41 Heimspielen seit einer Niederlage gegen Hapoel Tel Aviv (im Uefacup 2006/07) nur eines verloren – das CL-Viertelfinal-Hinspiel in der Saison 2014/15 gegen Barcelona (1:3).

Als wäre die Statistik nicht schon furchteinflössend genug für den FC Basel, der am Mittwoch im Parc des Princes zu Gast ist: Der Schweizer Meister kann nur bedingt mit der Unterstützung seiner Fans rechnen. PSG stellt den Baslern lediglich 800 Tickets zur Verfügung – wohl auch, um Ärger zu vermeiden.

Mit Ticket und Armband ins Stadion

Es ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass der FCB und seine Fans den Ausnahmezustand nach den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 zu spüren bekommen. Während die Behörden zum Europa-League-Spiel im Februar 2016 in Saint-Étienne überhaupt keine Gästefans zuliessen, hat die Präfektur von Paris zumindest 800 Tickets – allerdings mit Auflagen – bewilligt. Normalerweise stehen dem Gastverein bei internationalen Begegnungen fünf Prozent des Gesamtvolumens zu. Arsenal zum Beispiel hat für sein Spiel in Paris rund 2000 Tickets erhalten.

Die französischen Behörden verlangen, dass der Ticketkauf personalisiert abgewickelt wird. Das heisst, dass der Käufer unter Angabe von Namen und Geburtsdatum einen Voucher erwerben kann (online noch bis Mittwoch erhältlich). Diesen Voucher muss er am Spieltag ab 18 Uhr vor dem Stadion nach Vorlage eines amtlichen Ausweises gegen ein Ticket und ein Armband eintauschen. Zutritt erhält nur, wer beides vorweisen kann.

Dieses Prozedere widerstrebt dem harten Kern der Fans, der Rotblau seit Jahren quer durch Europa begleitet. In einer Stellungnahme der Muttenzerkurve auf deren Website wird von einer «Farce» gesprochen und davon, dass «die Massnahmen zum Ziel haben, die wilde Komponente der Fankultur europaweit kaputtzumachen». Paris sei ein Paradebeispiel dafür, wie Behörden und auch der Verein die Fanszene seit Jahren bekämpften.

Fangruppen wurden aufgelöst

Tatsächlich löste der damalige Vereinspräsident Robin Leproux in der Saison 2011/12 alle Fangruppen auf, um das Gewaltproblem im Stadion in den Griff zu bekommen und das Image von PSG zu verbessern. Die Massnahmen waren bis auf eine Ausnahme im Jahr 2013 erfolgreich.

Ende September 2016 erlaubte die Polizei nach Verhandlungen zwischen Vereinspräsident Nasser al-Khelaifi und dem Polizeipräfekten Michel Cadot die Rückkehr von organisierten Ultras. Den Fans wurde in der Fankurve «Virage

Auteuil» ein Block zugesprochen, für den sie Dauerkarten erwerben konnten. Allerdings stellte PSG klar, dass dieser Sektor unter genauer Beobachtung stehe und dieses Privileg bei Verfehlungen sofort gestrichen werde.

Fischer ist enttäuscht

«Wir haben interveniert, sind auch mit einer Delegation nach Paris gereist», sagt FCB-Sportdirektor Georg Heitz. Allerdings ohne Erfolg. Auch die Uefa konnte gegen die Politik nichts ausrichten. Mutmassen kann man, dass der Ruf der FCB-Fans die Behörden-Willkür beeinflusst hat. Drohender Spielabbruch 2014 im Europa-League-Achtelfinal in Salzburg, Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Fan-Lagern und Polizei sowie politische Botschaften auf Spruchbändern – der Basler Leumund hat in Europa gelitten.

Die Hoffnung von Trainer Urs Fischer auf Unterstützung verpufft auch, weil die Muttenzerkurve zum Boykott aufgerufen hat. «Natürlich ist man enttäuscht», sagt Fischer, «denn ich muss schon sagen, dass man unsere Fans in London gegen Arsenal mehr als wahrgenommen hat.»

Die Unterstützung ist für ihn ein nicht zu unterschätzender Faktor, besonders mit so einer Herkulesaufgabe vor Augen. «Das braucht die Mannschaft gerade in solchen Spielen. Nun müssen wir halt mit den wenigen eigenen Fans auskommen», sagt Fischer. «Ich glaube aber, dass jene, die kommen, uns top unterstützen werden. Wir müssen versuchen, die Dinge auf dem Platz zu regeln.»

Deine Meinung