Aktualisiert 05.07.2012 09:00

Teure FehlkonstruktionWimbledon hat einen Dachschaden

Lange Verzögerung beim Schliessen, ein bedeckter Centre Court trotz schönsten Sonnenscheins, erzwungene Nightsessions: Das neue Dach von Wimbledon ist bei den Spielern gar nicht beliebt.

von
fbu

Das Grundgesetz von Wimbledon ist eigentlich eindeutig: Der Wettbewerb auf dem heiligen Rasen, so steht es schon lange festgeschrieben, «ist ein Freiluftturnier, das am Tag ausgetragen wird». Ganz richtig ist das nicht mehr – zumindest seit 2009 auf dem Centre Court. Vor drei Jahren wurde das Dach über dem Hauptplatz mit einer grossen Party eingeweiht.

In diesem Jahr sorgt die Bedachung aber vor allem für Ärger. Geschaffen wurde es ursprünglich, um Engpässe wegen schlechten Wetters zu vermeiden - besonders wichtig ist das für die mächtigen TV-Stationen. In der letzten Woche wurde es aber auch benutzt, wenn es nicht vom Himmel tropfte, sondern wenn fehlendes Licht zum Problem zu werden schien. Zu spüren bekam das beispielsweise Rafael Nadal gegen Lukas Rosol in der zweiten Runde – und prompt musste der Spanier die Segel streichen.

Regelauslotung bis zur Wettbewerbsverzerrung

Erstmals in der Geschichte von Wimbledon kam es zwei Tage später dazu, dass die 13 000 Fans auf dem Centre Court – und auch Millionen Zuschauer vor den TV-Bildschirmen – mitansehen mussten, wie das Match zwischen Andy Murray und Marcos Baghdatis zu einem Wettlauf mit der Zeit wurde. Um 23 Uhr ist offiziell Schluss auf dem heiligen Rasen. Für den Lokalmatador wurde aber eine Ausnahme gemacht: Um 23.02 Uhr sicherte sich der Schotte den Triumph über seinen zypriotischen Gegner. So lange gespielt werden konnte aber sowieso nur wegen des Lichts, welches das neue Dach mit sich bringt.

Die Ausdehnung des Regelwerkes bringt es mit sich, dass sich immer mehr Spieler beschweren. Sogar von Wettbewerbsverzerrung ist die Rede. Klar ist: Wer auf dem Centre Court spielt, kann sich darauf verlassen, dass seine Partie am angesetzten Tag zu Ende gebracht wird. Ganz anders geht es den Athleten auf den übrigen Plätzen. Aufgrund des Regens kommen Verschiebungen auf den nächsten Tag immer wieder vor – insbesondere in einem Schlecht-Wetter-Jahr wie diesem. Damit verlieren sie, im Gegensatz zu den Topshots auf dem Hauptplatz, jeweils einen Ruhetag. Selbst Roger Federer spricht da von «unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen» und mahnt eine vorsichtige Benutzung des Dachs an. Der Amerikaner Sam Querrey machte seinem Ärger Luft: «Ich habe drei Tage hintereinander gespielt, andere geniessen schön ihre Pausentage. Das ist nicht das Wimbledon, das ich kenne.»

Lange Verzögerung beim Schliessen

Kritisiert wird die Millionen-Konstruktion auch, weil es lange dauert, das Dach zu schliessen. Mit 30 bis 40 Minuten Unterbruch muss gerechnet werden, wenn das Dach geschlossen werden soll. Das wiederum bringt die Organisatoren dazu, das Dach bei unsicheren Wetterverhältnissen geschlossen zu halten – auch wenn es gerade nicht regnet. Denn die Verzögerungen sind unbeliebt.

Und so kam es, dass der Centre Court trotz Sonnenschein bedeckt blieb. Klar werden kritische Stimmen laut. Auch Federer äussert sich kritisch: «Es ist schon etwas seltsam, wenn draussen die Sonne scheint – und das Dach über dem Centre Court geschlossen ist.» Er wusste allerdings nicht, dass heftige Windböen es verunmöglichten, das Dach wieder zu öffnen, ohne Schäden zu riskieren. Warum das nicht besser kommuniziert wurde, bleibt wohl das Geheimnis der Organisatoren.

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