Abstimmungen vom 25. September: Wind hat gedreht – deutliche Mehrheit gegen Tierschutz-Initiative

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Abstimmungen vom 25. SeptemberWind hat gedreht – deutliche Mehrheit gegen Tierschutz-Initiative

60 Prozent lehnen die Massentierhaltungs-Initiative ab. Die AHV-Vorlagen hingegen gewinnen an Zustimmung. Das ergibt die neueste Umfrage von 20 Minuten.

von
Claudia Blumer
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Den Tieren in der Schweiz gehe es heute schon gut – das ist die Mehrheitsmeinung gemäss der dritten Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zu den Abstimmungsvorlagen vom 25. September.

Den Tieren in der Schweiz gehe es heute schon gut – das ist die Mehrheitsmeinung gemäss der dritten Umfrage von 20 Minuten und Tamedia zu den Abstimmungsvorlagen vom 25. September.

Tamedia
Das meistgenannte Argument der Gegner der Massentierhaltungsinitiative ist dieses: Die Schweiz habe heute schon sehr strenge Tierschutzgesetze.

Das meistgenannte Argument der Gegner der Massentierhaltungsinitiative ist dieses: Die Schweiz habe heute schon sehr strenge Tierschutzgesetze.

Tamedia
SVP-Nationalrat und Fleischfachmann Mike Egger freut sich über die Umfrage-Resultate: «Wir konnten offenbar aufzeigen, was unsere Land- und Fleischwirtschaft jeden Tag leistet.»

SVP-Nationalrat und Fleischfachmann Mike Egger freut sich über die Umfrage-Resultate: «Wir konnten offenbar aufzeigen, was unsere Land- und Fleischwirtschaft jeden Tag leistet.»

20min

Darum gehts

  • Die Massentierhaltungsinitiative wird wohl abgelehnt – laut der neusten Umfrage beträgt der Nein-Anteil 60 Prozent.

  • Gegner Mike Egger freut sich: «Die Leute sehen, was die Land- und Fleischwirtschaft jeden Tag leistet.»

  • Initiantin Meret Schneider hofft weiterhin auf einen Sieg: «Wir versuchen den Leuten die Angst vor hohen Preisen zu nehmen.»

60 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten lehnen die Massentierhaltungsinitiative ab, 39 Prozent sind dafür, ein Prozent sagt nichts dazu. Das ist das Resultat der dritten und letzten Umfrage von 20 Minuten und Tamedia (siehe Box) zu den Vorlagen vom 25. September.

Damit macht das von Tier- und Umweltschutzorganisationen lancierte Volksbegehren den klassischen Weg einer Initiative im Abstimmungskampf: Anfang August hatte sie mit 55 Prozent Ja-Stimmen noch eine Mehrheit, Mitte August mit 49 Prozent noch eine knappe relative Mehrheit und nun hat sich das Blatt gewendet.

Vor allem Männer lehnen die Initiative ab. 68 Prozent der Männer sind dagegen. Doch auch Frauen sagen mit 52 Prozent mehrheitlich Nein. Am stärksten unterstützt wird sie von GLP-Wählenden (78 Prozent Ja), bei SP- und Grüne-Wählern und -Wählerinnen ist es eine satte Mehrheit.

«Beste Land- und Fleischwirtschaft»

SVP-Nationalrat und Fleischfachmann Mike Egger freut sich: «Wir konnten offenbar aufzeigen, was unsere Land- und Fleischwirtschaft jeden Tag leistet.» Tatsächlich ist das von den Gegnern meistgenannte Argument laut Umfrage, die Schweiz habe im weltweiten Vergleich bereits eines der strengsten Tierschutzgesetze.

Zu den Quälbildern und -videos aus Schweizer Tierställen, die immer wieder publik werden, sagt Egger: «Die NGOs, welche dieses Bildmaterial den Medien zuspielen, würden damit besser zu den kantonalen Aufsichtsbehörden gehen oder zur Ombudsstelle von Proviande.» Solche Tierhaltung sei heute schon illegal und werde geahndet, zudem könnten Missstände auch mit der Initiative nicht verhindert werden, sagt der Rheintaler.

Angst vor Kostenschock

Initiantin Meret Schneider, Grüne-Nationalrätin aus Uster, hofft trotz des klaren Nein-Trends auf ein Ja an der Urne: «Wir geben nicht auf.» Sie bekomme von der Bevölkerung zahlreiche motivierende Rückmeldungen und erhalte immer wieder Signale, dass Leute der Initiative zustimmen, sagt sie.

Dennoch sei der Nein-Trend nicht erstaunlich: «Volksinitiativen verlieren meistens im Verlaufe der Debatte, und diesmal kommen Inflation und Energiekrise erschwerend dazu. Vor einem Jahr noch wären höhere Fleischpreise weniger ein Problem gewesen, heute rufen sie Angst hervor. Die Leute fragen sich: Kann ich die Kosten noch tragen?» Sie werde weiterhin versuchen, den Leuten die Angst vor einem Kostenschock zu nehmen: «Der Bundesrat rechnet mit einem Preisanstieg beim Fleisch von fünf bis 20 Prozent. Das ist bei den heutigen Preisen nicht so viel, und wenn man den Fleischkonsum ein wenig reduziert, dann resultieren gar keine Mehrkosten.»

AHV gewinnt an Zustimmung

Die AHV-Vorlagen dürften am übernächsten Sonntag eine Mehrheit bekommen, die Zustimmung zu beiden ist in den vergangenen Wochen leicht gestiegen. Laut der jüngsten Umfrage von 20 Minuten und Tamedia sagen 56 Prozent Ja zur Erhöhung der Mehrwertsteuer, 42 Prozent sagen Nein. Die Erhöhung des Frauenrentenalters wird von 55 Prozent befürwortet, 44 Prozent sind dagegen. Beide Vorlagen werden mehrheitlich von Männern unterstützt, während die Frauen sie ablehnen. Auch sind die Jungen kritischer – bei den jungen Altersgruppen ist die Zustimmung knapp, mit dem Alter steigt sie.

Die Verrechnungssteuer wird voraussichtlich abgelehnt – der Nein-Stimmen-Anteil beträgt aktuell 48 Prozent, er war über die vergangenen Wochen relativ stabil. 40 Prozent sind für die Vorlage. Von den Parteianhängern unterstützen einzig jene der FDP die Vorlage, alle anderen lehnen sie mehrheitlich ab. Bei den Altersgruppen ist auffällig, dass die 18- bis 34-Jährigen die Teil-Abschaffung der Verrechnungssteuer ablehnen – während ältere Personen ihr zustimmen, je älter, desto höher der Ja-Anteil. 

Zur Umfrage

17’377 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 7. bis 8. September an der dritten Welle der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmungen vom 25. September 2022 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. LeeWas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten.

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