Finanzkrise: Window Shopping statt Geld ausgeben
Aktualisiert

FinanzkriseWindow Shopping statt Geld ausgeben

Die schlechten Wirtschaftsperspektiven und die Finanzkrise schlagen den Schweizern auf die Kauflust. Im Oktober ist der UBS-Konsumindikator auf den tiefsten Stand seit 2,5 Jahren gefallen. Die Aussichten für den Privatkonsum werden immer trüber.

Mit dem Taucher von 1,64 Punkten im Vormonat auf nun 1,32 Punkte sei der UBS-Konsumindikator erstmals seit April 2006 unter den langjährigen Durchschnitt von 1,50 Zählern gesunken, teilte die Grossbank am Dienstag mit.

Damit hat der Indikator nach dem leichten Zwischenhoch vom September die Talfahrt wieder aufgenommen. Im Juni hatte er mit 2,22 Zählern seinen höchsten Stand erreicht. Der UBS- Konsumindikator zeigt mit einem Vorlauf von drei Monaten auf die offiziellen Zahlen die Entwicklung des Privatkonsums in der Schweiz an.

Konsumentenstimmung schlechter

Der deutliche Rückgang des UBS-Konsumindikators im Oktober sei insbesondere auf die immer schlechtere Konsumentenstimmung zurückzuführen, schreibt die Grossbank. Diese ist gemäss jüngsten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) auf den tiefsten Stand seit rund fünf Jahren gefallen.

Als weiteren Grund für den Taucher des UBS-Konsumindikators nennt die Grossbank die abnehmenden Hotelübernachtungen von Inländern in der Schweiz. Dagegen blieben die Autokäufe und der Geschäftsgang im Detailhandel praktisch unverändert. Dem Detailhandel gehe es im langjährigen Vergleich gut, hiess es weiter.

Auf dem gegenwärtigen Niveau signalisiere der UBS- Konsumindikator zwar weiterhin ein Wachstum des Privatkonsums, aber die Aussichten trübten sich zunehmend ein. Durch den Wirtschaftsabschwung dürfte in den kommenden Monaten die Arbeitslosigkeit steigen, worunter die Konsumlust zwar leiden werde.

Der Privatkonsum sei aber die letzte Bastion, die der Konjunkturabschwächung noch einigermassen standhalte, sagte UBS- Ökonom Felix Brill auf Anfrage.

Nachlassende Teuerung

Denn die schneller als erwartet nachlassende Teuerung sorge für einen Lichtblick in der düsteren Lage. Insbesondere durch die billigeren Preise für Benzin und Heizöl bleibe mehr Geld für den privaten Konsum im Portemonnaie. Zudem dämpfe die Aufwertung des Franken die Inflation durch importierte Güter.

Das stütze die Kaufkraft. «Dies lässt Zuversicht aufkommen, dass der Konsum auch im nächsten Jahr noch wächst», sagte Brill. Und dies, obwohl auch in der Schweiz eine Rezession, die sich durch eine schrumpfender Wirtschaft in zwei Quartalen hintereinander definiere, nicht mehr zu vermeiden sei.

Insgesamt hält die UBS an ihren Prognosen fest, dass der Privatkonsum teuerungsbereinigt im laufenden Jahr um 1,9 Prozent zulegen dürfte. Für 2009 sei noch ein Wachstum von 1 Prozent zu erwarten, sagte Brill.

Berechnet wird der UBS-Konsumindikator aus den Verkaufszahlen von neuen Autos, aus Geschäftsgängen im Detailhandel, aus der Anzahl Hotelübernachtungen von Inländern in der Schweiz, dem Konsumentenstimmungsindex sowie den inländischen Kreditkartenumsätzen, die über die UBS laufen.

(sda)

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