Winterfest
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Winterfest

Im Zürcher Bernerhof bleibt der Winter dank währschafter Küche, erstklassiger Bedienung und warmem Ambiente aussen vor.

Text -- Jan Graber

Einladend sieht er zurzeit nicht aus, der Bernerhof an der Zeughausstrasse in Zürich: Er ist von einem hässlichen Baugerüst eingehüllt, und vis-à-vis schrecken die Stacheldrahtverhaue des provisorischen kantonalen Polizeigefängnisses. Sobald der Gast aber ins Lokal tritt, umgibt ihn eine andere Welt. Warme Farbtöne und gedämpftes Licht sorgen für ein wohliges Ambiente: Im Nu ist die winterliche und städtebauliche Kälte draussen vor der Tür vergessen.

Ein Blick auf die Menükarte gibt der Kälte definitiv den Rest. Saisongerecht finden sich darauf vor allem währschafte Fleisch- und Fisch-Gerichte. Speisen, die nichts zu wünschen übrig lassen: Das Fenchel-Carpaccio mit Orangen zur Vorspeise schmeckt ausgezeichnet, desgleichen der wunderbar arrangierte Crevettencocktail – einzig die Crevetten hätten ein wenig früher aus dem Kühlschrank kommen dürfen. Butterzart zergehen die darauf folgenden Kalbsbäggli aus dem Muotatal auf der Zunge, der dazu servierte Kartoffelstock hat die perfekte Konsistenz und schmeckt hausgemacht. Ein kulinarischer Genuss sind auch die Hacktätschli an Steinpilz-Rahmsauce – ebenfalls mit Kartoffelstock und Gemüse. Vollendete Finesse verleihen dem Mahl die mit Zimt abgeschmeckten Karotten. Und die gebrannte Crème nach Grossmutterart sorgt für den passenden Abschluss des Festessens – obwohl im Magen dank überaus grosszügiger Portionen kaum mehr Platz dafür ist.

Ein grosses Lob gebührt ausserdem dem aufmerksamen Service, dessen Weintipp – ein Barbera – übrigens hervorragend zum Hauptgang passt. Fazit: Im Bernerhof lassen sich selbst die kältesten Winterabende genüsslich überstehen.

Vollendete Gastgeber

Seit dem 1. April haben Thomas Krebs und sein Bruder Simon Krebs den Bernerhof unter ihren Fittichen. «Wir bieten eine bodenständige Küche, eine Cuisine naturelle sozusagen», erläutert der 41-jährige Gastroprofi das kulinarische Konzept des Restaurants. Sprich: frisch gemachte Speisen mit natürlichen Schweizer Produkten. Die kleine Karte wechselt oft und wird so jeweils dem saisonalen Angebot angepasst. Am Donnerstag und Sonntag wird der kulinarische Genuss zudem mit Klavierklängen versüsst – wenn er Lust hat, setzt sich Thomas Krebs auch selbst an den Flügel. Für das Wohl der Gäste sorgen ausserdem der Geschäftsführer Marc Brüllmann und seine Stellvertreterin Nicole Egger — eine vollendete Gastgeberin notabene: So mancher Gast soll eigens wegen ihr regelmässig den Bernerhof besuchen.

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