Winterschlaf vorbei: Bär «JJ3» macht Blödsinn
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Winterschlaf vorbei: Bär «JJ3» macht Blödsinn

Der Bündner Braunbär «JJ3» treibt nach dem Winterschlaf im Albulatal bereits wieder Unfug. Selbst Katzenteller schleckt der Braunbär aus.

Der Problembär drang in bewohntes Gebiet ein und plünderte Abfallcontainer. Auch der zweite Bär ist nach der Winterruhe auf den Beinen.

In zwei Maiensäss-Siedlungen hat «JJ3» nach Fressbarem gesucht und kleinere Schäden an Gebäuden angerichtet. In den letzten zehn Nächten machte sich das zweijährige Männchen ausserdem in bewohnten Siedlungen über Abfallcontainer und -säcke her, wie das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden am Montag mitteilte.

Der mit einem GPS-Sender versehene und dadurch permanent überwachte «JJ3» sei voll aktiv, schnell in der Region des Albulatales über Tiefencastel bis nach Lenzerheide unterwegs. Überall suche er fieberhaft nach Essen und schlecke selbst Katzenteller aus, sagte der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi auf Anfrage.

Schrot auf den Pelz

Die Wildhut versucht, dem Raubtier das Eindringen in Siedlungen und Gebäude mit intensiven Vergrämungsaktionen abzugewöhnen. Etwa ein Dutzend Schrotladungen wurden dem Raubtier schon letzten Herbst auf den Pelz gebrannt, nachdem es bewohnte Gebiete unsicher gemacht hatte.

Wie lange die neuerlichen Vergrämungen fortgeführt würden, hänge davon ab, ob sich «JJ3» umerziehen lasse, sagte Brosi. Das Problem sei, dass der Bär von seiner Mutter «Jurka» fehlgeleitet sei. Die Mutter, die eingesperrt wurde, zeigte ihren Jungen, dass in bewohnten Siedlungen Fressbares zu holen ist.

Nicht mehr viel Toleranz

Die Bündner Behörden machten Ende letzten Jahres deutlich, dass ihre Geduld nicht endlos ist. Der zuständige Regierungsrat Stefan Engler sagte Mitte Dezember, «JJ3» geniesse nicht mehr viel Toleranz. Sollte er wieder und mehrfach in Siedlungen auftauchen, werde er abgeschossen.

Bevor scharf geschossen wird, müsste der Problembär «JJ3» als Risikobär eingestuft werden. Die Umklassierung nähmen der Bund und der Kanton Graubünden im Rahmen der Interkantonalen Kommission für das Raubtiermanagement (IKK) vor. Laut Bären-Konzept des Bundes zeigen Risikobären trotz Vergrämungen keine wachsende Menschenscheu und greifen Menschen unter Umständen sogar an.

Langschläfer aufgewacht

Neues vermeldeten die Behörden am Montag vom zweiten, ebenfalls im Juni letzten Jahres in Graubünden eingewanderten Braunbären. «MJ4» hat den Winterschlaf im Raume der Engadiner Gemeinde Zernez beendet und ist auf den Beinen. Erste Spuren des Langschläfers wurden letzten Freitag entdeckt.

«MJ4» ist der Halbbruder von «JJ3». Ihr gemeinsamer Vater heisst «Joze», der mit «Jurka» auch die Problembären «Lumpaz» und «Bruno» zeugte, die verschollen und tot sind. Das Verhalten des Engadiner Bären ist im Gegensatz zu jenem von «JJ3» normal. Er meidet Menschen und wurde vergangenes Jahr nur selten gesehen.

(sda)

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