Winterstürme legen Europa lahm
Aktualisiert

Winterstürme legen Europa lahm

Zwei Wochen vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn hat das Tief «Vincent» rund ums Mittelmeer ein winterliches Sturmchaos angerichtet.

Den schlimmsten Schneesturm seit 50 Jahren erlebte indes die russische Hauptstadt Moskau.

Die Polizei registrierte fast minütlich neue Unfälle, immer wieder kam es durch Staus zum Verkehrschaos. «Erstmals seit einem halben Jahrhundert haben wir in Moskau den ganzen Tag Schneestürme gehabt», sagte ein Meteorologe der Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Allein in der Nacht seien 13 Zentimeter Neuschnee gefallen. Das staatliche Fernsehen rechnete anhand der Verkehrsstatistik vom Montag aus, dass sich alle 90 Sekunden ein Unfall ereignete.

Verletzte in Griechenland

In Griechenland wütete der schwerste Wintersturm seit 20 Jahren. Mindestens 15 Fussgänger und Autofahrer wurden durch herabfallende Gegenstände verletzt. Zwei Frachter kamen in der aufgewühlten See vor dem Hafen von Piräus und südlich der Ägäisinsel Chios vom Kurs ab und liefen auf Grund.

In Piräus zerstörten haushohe Wellen einen Teil der Mole eines grossen Yachthafens. «Die Wellen waren bis zehn Meter hoch. So etwas habe ich noch nie gesehen», sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes. Viele Inseln der Ägäis waren von der Aussenwelt abgeschnitten, aus Piräus liefen keine Fähren mehr aus.

Der Flugverkehr in Athen und auf zahlreichen Ägäis-Inseln wurde stark behindert. Vielerorts durchtrennten umstürzende Bäume und durch die Luft fliegende Plakatwände die Stromleitungen. In Teilen Athens gingen die Lichter aus, selbst Radiostationen konnten zeitweise nicht mehr senden.

Tote in Bulgarien und in der Türkei

Über Mallorca und Ibiza tobten Orkanböen mit bis zu 135 Kilometern pro Stunde. Mehrere Schiffe konnten wegen der starken Böen nicht auslaufen, drei Seehäfen auf Menorca wurden vorübergehend geschlossen. In der Türkei und Bulgarien kamen bei heftigen Unwettern mindestens zwei Menschen ums Leben.

Auf Sizilien schneite es. In den Pyrenäen in Spanien steckten 240 britische Touristen nach einem Unwetter 14 Stunden im Schnee fest. Die Skitouristen waren mit Bussen auf dem Weg in den Kleinstaat Andorra.

Split und Sarajevo versinken im Schnee

Ungewöhnlich starke Schneefälle gingen in den kroatischen Adriastädten Sibenik und Split nieder. Innerhalb weniger Stunden bildete sich in der wegen ihres milden Klimas bekannten Region eine sieben Zentimeter dicke Schneeschicht. Auch die vorgelagerten Inseln erstrahlten in Weiss.

Die Autobahn Zagreb-Split wurde wegen Schneeverwehungen gesperrt. Auch die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, Sarajevo, versank im Schnee. Die Behörden ordneten an, dass Grund- und Mittelschulen geschlossen bleiben, weil der Verkehr weitgehend zum Erliegen kam.

Zahlreiche Unfälle in Deutschland

In Deutschland setzten Schnee und Eis vor allem den Autofahrern im Süden und Westen zu. Bei zahlreichen Unfällen kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, mehr als 80 wurden allein in Nordrhein-Westfalen verletzt.

In Österreich, wo 15 000 Menschen - darunter die niederländische Königsfamilie - fast 30 Stunden eingeschneit waren, wurden die Strassensperren um die Wintersportorte Lech, Zürs und Stuben am Dienstag wieder aufgehoben.

(sda)

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