"Winterthur" wird vom Bankgeschäft getrennt.
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"Winterthur" wird vom Bankgeschäft getrennt.

Nach dem Abgang von John Mack wird die Trennung von Versicherer Winterthur und dem Bankgeschäft vorbereitet.

Damit bereitet sie laut Analysten den Verkauf des Versicherers vor. Gleichzeitig nimmt Co-CSG-Chef John Mack den Hut. Oswald Grübel wird Alleinherrscher.

Ab dem 13. Juli werde sich die Credit Suisse Group in drei operative Einheiten gliedern statt wie derzeit in zwei, teilte der zweitgrösste Schweizer Finanzkonzern am Donnerstagabend (MESZ) mit. Die bisherige Einheit Credit Suisse Financial Services (CSFS) werde nur noch Credit Suisse heissen und lediglich noch das Private Banking und das Schweizer Firmen- und Kleinkundengeschäft enthalten.

Denn der Versicherer Winterthur wird abgetrennt und künftig als eigenständige Geschäftseinheit geführt. Die dritte Geschäftseinheit Credit Suisse First Boston (CSFB) bleibt für das Investment Banking und das institutionlle Vermögensverwaltungsgeschäft verantwortlich.

Winterthur kein Schlüsselbereich mehr

Es sei das Ziel der Credit Suisse Group, «das organische Wachstum zu beschleunigen und die Marktposition unserer Schlüsselbereiche im Bankgeschäft zu stärken», teilte Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz mit.

«Zudem wollen wir die Profitabilität der Winterthur weiter verbessern, aber gleichzeitig alle Optionen prüfen, um den Wert des Versicherungsgeschäftes für unsere Stakeholders zu optimieren.» Verkaufsverhandlungen würden derzeit aber nicht geführt, sagte Kielholz der Nachrichtenagentur Reuters. Man beobachte mit grossem Interesse eine mögliche Konsolidierung auf dem europäischen Versicherungsmarkt.

Analysten fassten dies als klares Signal für einen bevorstehenden Verkauf der Winterthur auf. Das Versicherungsgeschäft der Winterthur sei kapitalintensiver und wachse langsamer als das Bankgeschäft, sagte Julius Bär-Analystin Madeleine Hofmann.

Die Synergien zwischen Bank- und Versicherungsgeschäft seien immer noch nicht offensichtlich, sagte Analyst Michel Wiederkehr von der Privatbank Bordier & Cie. Laut der US-Bank Merrill Lynch liegt die Eigenkapitalrendite der Winterthur unter den Kapitalkosten. Dies drücke auf den Aktienkurs der Credit Suisse Group.

Schleichende Rückkehr zur SKA

Nach der Restrukturierung und der Rückkehr in die schwarzen Zahlen könnte das Versicherungsgeschäft zu einem guten Preis verkauft werden, sagte Jérôme Schupp von der Privatbank Syz & Co. Im letzten November rechnete Merrill Lynch mit einem möglichen Verkaufspreis der Winterthur von 5,3 Mrd. Franken.

Nach einem Verkauf des Versicherungsgeschäfts sieht der zweitgrösste Schweizer Finanzkonzern beinahe wieder so aus wie vor dem Aufbruch ins Allfinanzabenteuer unter dem ehemaligen Konzernchef Lukas Mühlemann. «Langsam aber sicher wird die SKA reinstalliert. Nur hat man inzwischen viele Milliarden verbuttert», sagte Bär-Analystin Hofmann.

Macks Vertrag nicht verlängert

Mit dem Umbau der Konzernstruktur endet auch das Modell mit den zwei Managern Oswald Grübel und John Mack an der Spitze des Finanzkonzerns: Co-CEO John Mack nimmt den Hut, Grübel ist ab dem 13. Juli alleiniger CEO der Credit Suisse Group. Der Verwaltungsrat habe entschieden, Macks dreijährigen Vertrag, der am 12. Juli auslaufe, nicht zu verlängern.

Als sich der Finanzkonzern in der Turnaround-Phase befand, machte dieses Modell Sinn, hiess es: So konnten Grübel und Mack jeder in seinem Geschäftsbereich aufräumen. Mack brachte «das grosse Casino» CSFB wieder in die Gewinnzone, Grübel machte die CSFS wieder profitabel.

«Das haben wir jetzt hinter uns», sagte sagte CSG-Sprecherin Claudia Kraaz. Jetzt gehe es darum, das Wachstum zu beschleunigen und dies gehe mit einer integrierteren Struktur besser. «Das bedeutet automatisch, dass wir nur noch einen CEO haben.»

Zudem dürfte es Unstimmigkeiten über die künftige Strategie gegeben haben, sagte ein Analyst. Mack hätte vermutlich lieber die CSFB mit einer grossen amerikanischen Bank zusammengeführt. Dies würde von den Synergien her mehr Sinn machen als die derzeitige transatlantische Konstruktion.

Macks Nachfolger an der Spitze von CS First Boston wird Brady Dougan, der bereits seit 14 Jahren für den Finanzkonzern arbeitet.

(sda)

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