Dating-Plattform – Winterthurerin verkuppelt Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung

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Dating-PlattformWinterthurerin verkuppelt Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung

Eine Plattform hilft Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung bei der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin. Hinter dem Projekt steht eine Sozialpädagogin. 

von
Shila Ochsner
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Die Winterthurer Sozialpädagogin Madeleine Zehnder hat letztes Jahr eine Dating-Plattform für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung lanciert. 

Die Winterthurer Sozialpädagogin Madeleine Zehnder hat letztes Jahr eine Dating-Plattform für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung lanciert. 

sexgüsi 
Rund 330 Personen haben sich bisher auf der Website angemeldet.

Rund 330 Personen haben sich bisher auf der Website angemeldet.

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Was Madeleine Zehnder besonders freut: «Wir konnten seit August vier Paare zueinander führen. Sie sind meines Wissens nach immer noch zusammen.»

Was Madeleine Zehnder besonders freut: «Wir konnten seit August vier Paare zueinander führen. Sie sind meines Wissens nach immer noch zusammen.»

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Darum gehts 

Die Winterthurer Sozialpädagogin und Fachfrau für sexuelle Gesundheit Madeleine Zehnder (35) will Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung helfen, die grosse Liebe zu finden. «Der Wunsch nach einem Partner oder einer Partnerin ist selbstverständlich auch bei Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung da. Doch viele wissen nicht, wie sie ihre Liebe finden können», erzählt Zehnder gegenüber 20 Minuten. 

Aus diesem Grund lancierte sie letztes Jahr die Website deindate.ch, wie der «Landbote» kürzlich berichtete. Es ist das erste Projekt ihres Vereins «Sexgüsi», der sich für die sexuelle Gesundheit und die sexuellen Rechte beeinträchtigter Personen einsetzt.

Ein Abo kostet 14.50 Franken pro Monat. Die Nutzung wird auf der Homepage anhand von Videos erklärt. Rund 330 Personen haben sich bisher auf der Website angemeldet. Grösstenteils Männer, wie Zehnder sagt. «Es wäre schön, wenn sich noch einige Frauen trauen würden», meint die Sozialpädagogin.

«Konnten seit August vier Paare zueinander führen»

Anmelden dürfen sich ausschliesslich Personen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Personen ohne eine kognitive Beeinträchtigung oder Menschen mit einem psychischen Leiden werden abgelehnt. «Das ist eine Vorsichtsmassnahme und dient dazu, Missbrauch aufgrund eines ungleichen Machtverhältnisses zu verhindern», sagt Zehnder. Laut der Sozialpädagogin ist es in der Vergangenheit auf herkömmlichen Plattformen schon dazu gekommen, dass kognitiv beeinträchtigte Frauen ausgenutzt und sexuell genötigt wurden. 

Deshalb unterstützt die 35-Jährige die Suchenden beim Anmeldeprozess und kontrolliert jedes Profil persönlich. «Wenn das Profil erstellt wurde, kann man auf der Website herumstöbern. Bei einem Match öffnet sich die Chatfunktion», so Zehnder. Neben der schriftlichen Kontaktaufnahme gibt es die Möglichkeit, per Videochat oder Sprachnachricht miteinander zu kommunizieren. Laut Zehnder schafft das ein grösseres Vertrauen, ohne gleich die Telefonnummern austauschen zu müssen. Zudem helfe es Personen, die nicht gut lesen und schreiben können.

Was die Sozialpädagogin besonders freut: «Wir konnten seit August vier Paare zueinander führen. Sie sind meines Wissens nach immer noch zusammen. Solche Erfolgsgeschichten motivieren uns, weiterzumachen.» Für die Zukunft ist deshalb eine App geplant, so Zehnder. 

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Hier findest du Hilfe:

Verzeichnis der Behindertenorganisationen des Bundes

Inclusion Handicap, Dachverband der Behindertenorganisationen Schweiz, Information und Rechtsberatung

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