Aktualisiert 24.07.2015 05:07

Spitzenjahrgang

Winzer freuen sich über den super Sommer

Für die Obst- und Gemüsebauern ist die Hitzewelle ein Graus. Ganz anders für die Winzer: Sie träumen bereits von einem Spitzenjahrgang.

von
rar/lha/nel/cho
1 / 5
Önologe und Winzer Michael Teutsch vom Weingut Festiguet am Bielersee freut sich über den warmen und trockenen Sommer: «In diesem Jahr haben wir weniger mit Pilzkrankheiten wie Mehltau zu kämpfen.»

Önologe und Winzer Michael Teutsch vom Weingut Festiguet am Bielersee freut sich über den warmen und trockenen Sommer: «In diesem Jahr haben wir weniger mit Pilzkrankheiten wie Mehltau zu kämpfen.»

zvg
Die Trockenheit ist kein Problem für die Reben: «Einer Rebe und einer Geiss ist es nie zu heiss», zitiert Winzer Roman Rutishauser ein altes Sprichwort.

Die Trockenheit ist kein Problem für die Reben: «Einer Rebe und einer Geiss ist es nie zu heiss», zitiert Winzer Roman Rutishauser ein altes Sprichwort.

zvg
Die Reben der Aescher Winzerin Barbara Koellreuter in der Klus entwickelten sich in den vergangenen Wochen prächtig.

Die Reben der Aescher Winzerin Barbara Koellreuter in der Klus entwickelten sich in den vergangenen Wochen prächtig.

lha

Zu heiss und zu trocken: Die grosse Hitze der letzten Wochen lässt die Schweizer Landwirte fast verzweifeln. Die Obst- und Gemüsebauern können es deshalb kaum erwarten, dass das Wetter wieder umschlägt.

Geht es nach den Winzern, könnte das Wetter hingegen gerne noch ein paar Wochen so bleiben. Denn die Hitze und die Sonne sind ideal für die Reben. Wegen der anhaltenden Trockenheit und den hohen Temperaturen sprechen die Weinbauern bereits jetzt von einem goldenen Weinjahr.

«Einer Rebe und einer Geiss ist es nie zu heiss»

«Wenn es weiter so heiss bleibt, gibt es einen Spitzenjahrgang», sagt Önologe Andreas Stössel. Das sehen auch Winzer von der Nord- bis in die Ostschweiz so. Barbara Koellreuter vom Klushof in Aesch BL ist mit dem Wetter mehr als zufrieden: «Es gibt einen schönen Wein mit viel Oechsle.» Auch Bio-Winzer Bruno Martin aus Ligerz am Bielersee sieht einen richtig edlen Tropfen heranwachsen: «2015 wird ein exzellenter Jahrgang. Ich freue mich richtig auf die Ernte.»

Die hohen Temperaturen und vielen Sonnenstunden bekommen den Weintrauben gut. Dass es die letzten Wochen so trocken war, schadet den Reben hingegen kaum. «Das Wurzelwerk geht tief in den Boden, darum leiden sie nicht so», erklärt Martin Linemann vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Oder wie es der Winzer Roman Rutishauser aus Thal SG ausdrückt: «Einer Rebe und einer Geiss ist es nie zu heiss.»

Spitzenjahrgang wie im Jahrhundertsommer?

Die Trockenheit schützt die Trauebn zudem vor Pilzbefall und der Kirschessigfliege. So mussten die Winzer deutlich weniger Pestizide einsetzen. «In diesem Jahr haben wir weniger mit Krankheiten wie Mehltau zu kämpfen», sagt Winzer Michael Teutsch vom Bielersee. Die Spiezer Winzerin Ursula Irion ergänzt: «Wir konnten auf über 25 Prozent des üblichen Pflanzenschutzes verzichten.»

Der aktuelle Weinjahrgang weckt bei den Weinproduzenten sogar Erinnerungen an den Hitzesommer 2003. Dieser war für die Winzer ein Spitzenjahr und die Trauben konnten rund 14 Tage früher als üblich geerntet werden.

Hagel könnte die Ernte noch vermiesen

Wie gut der Weinjahrgang 2015 am Ende wird, hängt aber noch vom Wetter bis September ab. Dieses hat einen grossen Einfluss auf die Reifung der Trauben: Ideal ist eine Temperatur um die 20 Grad – ist es zu heiss, enthalten die Trauben zwar mehr Alkohol, sind aber nicht so aromatisch.

Markus Hardegger, Leiter der Fachstelle Wein in St. Gallen, ist optimistisch: «Lediglich der Hagel könnte uns noch einen Strich durch die Rechnung machen.» Hier wollen sich Meteorologen jedoch nicht auf die Äste wagen. Laut Reto Vögeli von Meteonews lässt sich das Wetter bis September nicht voraussagen. «Eine neuerliche Hitzewelle ist aber nicht auszuschliessen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.