Super League: Frust bei Playoff-Clubs nach der Wahl des Schotten-Modus

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Frust bei den Playoff-Clubs«Wir akzeptieren die Abstimmung, andere Vereine haben das nicht getan»

Keine Playoffs, dafür der Schotten-Modus. Die Club-Bosse haben ihre eigene Entscheidung vom Frühling überworfen. Das sorgt nicht nur für Glücksgefühle.

von
Silvan Haenni
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Die Ablehnung des Playoff-Modus stiess nicht bei allen auf Begeisterung. 

Die Ablehnung des Playoff-Modus stiess nicht bei allen auf Begeisterung. 

Urs Lindt/freshfocus
Liga-Boss Claudius Schäfer sagt, man hätte mit dem Zickzack-Weg auch enttäuschte Vereine zurückgelassen. 

Liga-Boss Claudius Schäfer sagt, man hätte mit dem Zickzack-Weg auch enttäuschte Vereine zurückgelassen. 

Urs Lindt/freshfocus
Vor allem die Westschweizer Vereine waren für die Playoff-Variante. 

Vor allem die Westschweizer Vereine waren für die Playoff-Variante. 

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Darum gehts

  • Mit 12:8 haben die Clubs der Swiss Football League (SFL) die im Mai angenommenen Playoffs begraben.

  • Stattdessen baut man ab der Saison 2023/24 auf den Schotten-Modus mit Abstiegs- und Meisterrunde.

  • Während sich die Befürworter des Entscheids freuen, macht sich bei den Anhängern der Playoff-Idee durchaus Frust breit.

Die Clubs der Swiss Football League (SFL) haben am Freitag entschieden: Die im Mai angenommenen Playoffs werden verworfen, der schottische Modus mit Meister- und Abstiegsrunde wird stattdessen auf die Saison 2023/24 hin eingeführt.

Es ist das zumindest vorläufige Ende eines Zickzack-Kurses, den die Liga seit 2017 auf der Suche nach einem neuen Modus gegangen war. 2020 wurde das Schotten-Modell abgelehnt, im Frühjahr folgten die Playoffs. Und nun also doch schottisch.

Canepas Triumph

Dass das so kam, liegt vor allem an FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Er war im Mai als Vertreter eines von insgesamt nur vier SFL-Clubs, die die Einführung der Playoffs abgelehnt hatten. Dem 69-Jährigen ist es gelungen, für seinen Antrag mindestens elf weitere Club-Bosse zu begeistern, 12:8 lautete am Ende das Abstimmungsresultat.

«Natürlich freue ich mich ausserordentlich, dass die Mehrheit meiner Kollegen den Antrag unterstützt und gutgeheissen haben», frohlockt Canepa am Nachmittag nach der Abstimmung. Für ihn persönlich sei dieses Ergebnis auch ein Beweis, dass die Mehrheit der SFL-Clubs die Anliegen ihrer Fans ernst genommen hätten.

Entscheid für die Fans

Bereits am späten Freitagmorgen scheint die Sache gegessen, als sich der FC Basel – ursprünglich als grosser Verfechter der Playoff-Idee – zum Schotten-Modus bekennt. Mit dem Umschwenken auf den nächstbesten Modus gehe man dem grösseren Übel aus dem Weg, heisst es. Nämlich der Playoff-Variante ohne «Finalissima», für die es allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit gebraucht hätte.

In Basel hielte man immer noch viel von der Idee der Meister-Playoffs, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich interessant sei und ein Stück weite revolutionär. Aber: «Der FCB will sich nicht gegen einen grossen Teil der Schweizer Fanbasis stellen.»

Auch der FC St. Gallen hatte im Lauf der vergangenen Monate seine Position aufgrund von Fankritik geändert. «Als Club mit enger Verbundenheit zu seinem Publikum und den Menschen in der Ostschweiz hat die Meinung der Fans für uns Gewicht», erklärt Präsident Matthias Hüppi (64).

«Gemeinsam positiv in die Zukunft»

Christoph Spycher, VR-Delegierter Sport bei YB, äusserte sich ebenfalls: «Wir sind froh, dass so entschieden wurde, weil der Modus nach schottischem Muster die deutlich bessere Variante ist als es die Formel mit Playoffs gewesen wäre. Nun gilt es, gemeinsam positiv in die Zukunft zu schauen und zum Wohl des Schweizer Fussballs das Beste aus der Situation zu machen.»

In Luzern wähnt man auch das Argument der gerechtesten Variante auf seiner Seite: «Wir sind überzeugt davon, mit diesem Modus die sportlich fairste Variante gewählt zu haben – welche auch den Zuspruch der überwiegenden Mehrheit der Fussball-Familie erhält.»

Groll bei den Gegnern

Wie Liga-Boss Claudius Schäfer an der Pressekonferenz sagt, hätte man mit dem Zickzack-Weg nun auch enttäuschte Vereine zurückgelassen. Dazu gehört zum Beispiel der FC Lugano. Man habe das Urteil der demokratischen Abstimmung zur Kenntnis genommen, kommentieren die Tessiner auf Anfrage von 20 Minuten. Und: «Wir akzeptieren es, andere Vereine haben das nicht getan.»

Auch GC, Fan der Playoff-Idee, macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: «In Anbetracht der Schwierigkeiten, eindeutige Vorteile im Zusammenhang mit der kürzlich vorgeschlagenen Alternative zu erkennen, hielt es der Club für unprofessionell und unglaubwürdig, dieses innovative Modell bereits als gescheitert zu erklären, ohne zuvor einen ernsthaften Versuch unternommen zu haben», heisst es aus Niederhasli. Allerdings meinen die Hoppers weiter: «Nichtsdestotrotz akzeptiert der Grasshopper Club Zürich das von einer Mehrheit befürwortete Modell und gleichzeitig freut er sich, dass diese Lösung die Anliegen vieler Fussballfans berücksichtigt.»

So funktioniert der Schotten-Modus

Zwölf Teams sind ab der kommenden Saison in der Super League vertreten. Diese Mannschaften spielen ab der Saison 2023/24 drei Mal gegeneinander. Nach jeweils drei Modellen wird die Liga in eine Meister- und eine Abstiegsgruppe unterteilt. Im Anschluss werden dann jeweils fünf weitere Partien bestritten, womit die finale Rangliste ermittelt wird. 

Mit dem Schotten-Modus soll also die Fairness weiter hochgehalten werden. Denn alle Teams nehmen die Punkte aus den ersten 33 Spielen mit. Am Ende wird es also dann 38 statt wie bisher 36 Spiele geben. Die Winterpause würde dann wohl etwas verkürzt stattfinden. Das ist allerdings in vielen Topligen in Europa sowieso bereits der Fall. 

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