25 Jahre Frauenstimmrecht: «Wir Appenzeller würden das heute noch ablehnen»
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25 Jahre Frauenstimmrecht«Wir Appenzeller würden das heute noch ablehnen»

Vor 25 Jahren führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimm- und Wahlrecht für Frauen ein. Die Meinungen dazu sind nach wie vor geteilt.

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mf/sda

(Video: Michael Fischer/Alice Grosjean)

Erst knapp 20 Jahre nach Einführung des Stimmrechts für Frauen in der Schweiz kamen auch die Innerrhoderinnen zu ihrem Recht. Dreimal hatten sich die stimmberechtigten Männer auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell gegen das kantonale Stimm- und Wahlrecht ihrer weiblichen Bevölkerung ausgesprochen.

Erst 1990 riss bei einigen Appenzellerinnen der Geduldsfaden. Vor dem Bundesgericht erhielten sie im November des selbigen Jahres schliesslich Recht: Die Appenzeller handelten verfassungswidrig und mussten ihren Frauen ab sofort ebenfalls das Stimmrecht zugestehen.

Späte Gleichstellung

Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde 1971 in einer Volksabstimmung beschlossen. Die Schweiz war eines der letzten europäischen Länder, das den Frauen die vollen Bürgerrechte zugestand. Die meisten Kantone folgten 1971 und 1972 dem Beispiel des Bundes.

Am konservativsten zeigten sich die Ostschweiz und die Innerschweiz: In der eidgenössischen Volksabstimmung vom Februar 1971 stimmte in St. Gallen, beiden Appenzell, Thurgau, Glarus, Schwyz, Obwalden und Uri die (männliche) Bevölkerung noch mehrheitlich gegen das Frauenstimmrecht.

Vor Ort immer noch umstritten

Bei einer von 20 Minuten auf dem Landsgemeindeplatz durchgeführten Video-Strassenumfrage zeigten sich jedoch auch heute noch geteilte Meinungen zum Frauenstimmrecht. Während für die einen die politische Gleichstellung der Frauen ein nicht zu hinterfragendes Menschenrecht ist, hätten andere gern auf das Frauenstimmrecht verzichtet. So meint etwa eine der Befragten, eine solch alte Tradition hätte man nicht zerstören sollen.

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