Flüchtlingswelle aus der Ukraine – «Wir arbeiten 24/7, um alle Menschen in Wohnungen unterzubringen»

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Flüchtlingswelle aus der Ukraine«Wir arbeiten 24/7, um alle Menschen in Wohnungen unterzubringen»

Bis zu 60’000 Flüchtende aus der Ukraine werden in der Schweiz erwartet. Auch für den Kanton Basel-Stadt ist das eine «völlig neue Dimension von Migration», dennoch sollen Kinder nicht in Bunkern schlafen müssen.

von
Tanya Vögeli
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Seit der Einführung Mitte März ist der Andrang von Flüchtenden aus der Ukraine in der Schweiz gross. Ankommende mussten teilweise viele Stunden vor dem Empfangszentrum Bässlergut in Basel ausharren.

Seit der Einführung Mitte März ist der Andrang von Flüchtenden aus der Ukraine in der Schweiz gross. Ankommende mussten teilweise viele Stunden vor dem Empfangszentrum Bässlergut in Basel ausharren.

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«Basel hat schon Erfahrungen mit Flüchtlingen, doch dies ist eine völlig neue Dimension von Migration. Die Anzahl und die Geschwindigkeit, in der wir Unterkünfte und alles Wichtige bereitstellen müssen, ist neu», erklärt der Basler Wirtschafts- und Sozialdirektor Kaspar Sutter.

«Basel hat schon Erfahrungen mit Flüchtlingen, doch dies ist eine völlig neue Dimension von Migration. Die Anzahl und die Geschwindigkeit, in der wir Unterkünfte und alles Wichtige bereitstellen müssen, ist neu», erklärt der Basler Wirtschafts- und Sozialdirektor Kaspar Sutter.

Tanya Vögeli/20 Minuten
Die Möglichkeit zur Online-Registrierung beim Staatsekretariat für Migration habe laut Behörden die Situation bei den Bundesasylzentren entschärft.

Die Möglichkeit zur Online-Registrierung beim Staatsekretariat für Migration habe laut Behörden die Situation bei den Bundesasylzentren entschärft.

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Darum gehts

Die Schweiz erwartet infolge des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bis zu 60’000 Flüchtende aus der Ukraine. Wie viele davon in der Region Basel landen werden, ist noch unklar. Die Regierungen beider Halbkantone informierten am Mittwoch zur aktuellen Situation und den getroffenen Massnahmen.

«Basel hat schon Erfahrungen mit Flüchtlingen, doch dies ist eine völlig neue Dimension von Migration. Die Anzahl und die Geschwindigkeit, in der wir Unterkünfte und alles Wichtige bereitstellen müssen, ist neu», erklärt der Basler Wirtschafts- und Sozialdirektor Kaspar Sutter. Momentan stünden 300 Plätze in Basel zur Verfügung. Sutter betont: «Ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen sind momentan das Wichtigste.» Flüchtlinge aus der Ukraine erhalten den Schutzstatus S und sind von der Sozialhilfe automatisch kollektiv versichert. 

Im Kanton Baselland sind bis am Mittwoch bereits 509 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen worden. Die grosse Anzahl belaste das System zwar, dennoch verlaufe bisher alles mehrheitlich reibungslos. Die Möglichkeit zur Online-Registrierung beim Staatsekretariat für Migration habe die Situation entschärft.

60 Betten im Fünfsternehotel und viel privates Engagement

Die Einsatzbereitschaft der Bevölkerung sei sehr hoch. «Zwei Drittel der Asylsuchenden können sofort Schweizer Familien zugeteilt werden», berichtet Ruedi Illes, Leiter der Sozialhilfe Basel-Stadts. Die Sozialhilfe akquiriert permanent neue Wohnungen und passende Liegenschaften. Der Aufwand und die Belastung seien dennoch hoch, denn das Personal müsse aufgestockt werden, um mit den Massen klarzukommen. «Wir arbeiten 24/7, um alle Menschen in normalen Wohnungen unterzubringen», so Illes. Im Baselland haben bisher 90 Prozent der Geflüchteten eine private Unterkunft.

Viele Firmen und Private in beiden Basel sind bereit, zu helfen und Wohnraum zur Verfügung zu stellen. «Das Hotel Les Trois Rois bietet 60 Betten an. Es wird auch mit unseren Anstrengungen bemerkbare Unterschiede zwischen den Unterbringungen geben», erklärt Illes. Jedoch erklärt der Regierungsrat, dass alle Privathaushalte, die Flüchtlinge aufnehmen, eine Hilfe darstellen. «Wir sind über langfristige und auch kurzfristige Unterbringungsplätze dankbar», äussert sich Illes.  

Es werde auch in Betracht gezogen, freiwillige Zivildienende für eine vollumfassende Betreuung der Flüchtlinge einzusetzen. «Wenn es vermeidbar ist, wollen wir keine Kinder in kantonalen Anlagen wie unterirdische Bunker unterbringen», betonte Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann. Im Baselbiet ist der Kanton zudem daran, das Spital Laufen zur Unterbringung von Geflüchteten in Betrieb zu nehmen.

Kinder wollen zur Schule

Bei der Integration der ankommenden Flüchtenden kommt der Schule eine Schlüsselrolle zu. «Die Anfrage ist sehr hoch», so Erziehungsdirektor Conradin Cramer. «Die Kinder wollen in die Schule gehen.» Cramer betont, dass man offen sei für unkonventionelle Lösungen. «Jedes Kind hat bei seiner Ankunft ein Recht auf eine vollumfassende Schulbildung.» Mit vereintem Willen versuche man, das Beste aus der Situation zu machen. In Kitas und der Primarschule würden Kinder aus der Ukraine nahtlos integriert, weil diese die Sprache sehr rasch lernen würden. Ab Sekundarstufe sollten die Kinder zuerst ausreichende Deutschkenntnisse erwerben. Rund 100 Kinder aus der Ukraine wurden bereits in Basel-Stadt eingeschult.

Im Kanton Baselland sollen an den Schulen auch Flüchtende aus der Ukraine mit einer pädagogischen Ausbildung und Deutsch oder Englischkenntnissen gesucht, um die Schulen zu unterstützen. Diese könnten als Assistenzperson angestellt werden.

Um Flüchtlinge zu informieren und die Aufnahme wie auch Anmeldung so einfach wie möglich zu gestalten, gibt es von der Sozialhilfe eine neu eingerichtete Hotline und in beiden Basel gibt es ein vereinfachtes Onlineanmeldeformular. Zudem sind jegliche Informationen auf der Website des Kantons Basel-Stadt auf Deutsch wie auch auf Ukrainisch verfasst. 

Kantonswebsite auch auf Ukrainisch

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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