Neue Gebührenfirma: «Wir arbeiten trotz ‹No Billag› sehr motiviert»
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Neue Gebührenfirma«Wir arbeiten trotz ‹No Billag› sehr motiviert»

Mit der No-Billag-Initiative droht der Serafe AG, die die Gelder ab 2019 eintreibt, der Verlust eines Millionenauftrags. Die Firma setzt auf Zweckoptimismus.

von
P. Michel
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Im Mai teilte der Bund mit, dass die Billag die Empfangsgebühren nur noch bis 2019 eintreiben kann.

Im Mai teilte der Bund mit, dass die Billag die Empfangsgebühren nur noch bis 2019 eintreiben kann.

Keystone/Jean-christophe Bott
Den Zuschlag erhielt stattdessen die Serafe AG aus Fehraltdorf.

Den Zuschlag erhielt stattdessen die Serafe AG aus Fehraltdorf.

Keystone/Thomas Delley
Doch deren Geschäftsmodell ist nun mit der No-Billag-Initiative, über die am 4. März 2018 abgestimmt wird, in Gefahr. Denn bei einem Ja dürfen der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte keine Empfangsgebühren erheben.

Doch deren Geschäftsmodell ist nun mit der No-Billag-Initiative, über die am 4. März 2018 abgestimmt wird, in Gefahr. Denn bei einem Ja dürfen der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte keine Empfangsgebühren erheben.

Keystone/Marcel Bieri

Den grossen Coup landete die Serafe AG im März: Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für die Aufgabe, die Fernseh- und Radiogebühren ab 2019 einzutreiben. Sie setzte sich in der Ausschreibung gegen die Billag durch und ergatterte einen Millionenauftrag: Für sieben Jahre erhält die Firma mit Sitz in Fehraltdorf 123 Millionen Franken.

Doch diese Gelder sind nun mit der No-Billag-Initiative, über die am 4. März 2018 abgestimmt wird, in Gefahr. Denn bei einem Ja dürfen der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte keine Empfangsgebühren erheben. Wie geht die Firma mit der Unsicherheit um? 20 Minuten hat nachgefragt. Das Unternehmen antwortete schriftlich.

Herr Heynen*, ihre Firma treibt ab 2019 die Empfangsgebühren ein, kommt die No-Billag-Initiative jedoch durch, braucht es sie nicht mehr. Wie ist die Stimmung in der Gebührenabteilung, die im Juli die Arbeit aufgenommen hat?

Wir sind zurzeit damit beschäftigt, die technischen und personellen Ressourcen für einen nahtlosen Übergang aufzubauen. Künftig bezahlt jeder Haushalt eine Abgabe, unabhängig davon, ob er ein Empfangsgerät besitzt oder nicht. Wir sind gut unterwegs im Zeitplan und zuversichtlich, das Mandat ab Januar 2019 mit einem Personalbestand von 40 Mitarbeitenden erfolgreich starten zu können. Das Team der Serafe arbeitet sehr motiviert auf dieses Datum hin. Es ist weit mehr Motivation und Leidenschaft der künftigen Aufgabe gegenüber zu spüren als Verunsicherung.

Nochmals: Die No-Billag-Initiative bedroht ihr Geschäftsmodell als Ganzes. Was passiert für Sie bei einem Ja mit den Angestellten? Sollte sich das Schweizer Volk für die Abschaffung jeglicher Abgaben und somit gegen zahlreiche lokale Fernsehstationen und Lokalradios sowie gegen den Service Public der SRG entscheiden, dann würde sich wahrscheinlich auch die Erhebung der Abgaben erledigen. Wir konzentrieren uns aber ganz und gar auf den Aufbau der Serafe AG als neue Erhebungsstelle – und nicht auf die «No-Billag-Initiative».

Sie erhalten für die gesamte Mandatsdauer von sieben Jahren inklusive Vorbereitungsarbeiten einen Betrag von 123'070'806 Franken. Das ist viel Geld für das Verschicken von Rechnungen. Ist das gerechtfertigt?

Ja. Das Mandat für die künftige Erhebungsstelle der Radio- und Fernsehabgaben ist ein sehr komplexes. Es wurde im Auftrag des Bundes über ein öffentliches Ausschreibungsverfahren angefragt. Die Serafe AG hat ihre Offerte anhand eines detaillierten Pflichtenheftes sehr seriös kalkuliert und das Bundesamt für Kommunikation den künftigen Partner für die Haushaltabgabe ebenso professionell evaluiert.

Der Begriff «Billag» ist negativ behaftet, gerade für die Kritiker steht er sinnbildlich für eine «Zwangsgebühr». Wie wollen Sie diesem Image entgegenwirken, wenn No-Billag abgelehnt wird?

Unsere künftige Tätigkeit ist nicht mit den Aufgaben unserer Vorgängerin vergleichbar. Es steht uns auch nicht zu, das Image unserer Vorgängerin zu beurteilen. Die Serafe darf als neue Erhebungsstelle tätig sein und wir werden alles daran setzen, dass man ab Januar 2019 gut über uns sprechen wird. Das bedingt nebst der reibungslosen Abwicklung des Inkassos für die Abgabe eine klare, kundenorientierte Kommunikation, um auf Fragen von Bürgern kompetent und verständlich zu antworten.

Wie werden Sie die Gebühr nennen? «Serafe-Gebühr»?

Nein, diese Bezeichnung wäre schlicht falsch: Wir dürfen als die Schweizerische Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe tätig sein. Sie wollen einen Begriff. Bitte. Dann wohl am ehesten: «Haushaltabgabe».

*Erich Heynen ist Kommunikationschef der Serafe AG.

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