04.05.2018 19:21

Konzessions-Streit

«Wir armen Schweizer kommen in die Defensive»

SBB-Chef Andreas Meyer hält nichts von den Plänen des Bundes, das Fernverkehrs-Monopol zu brechen. Wieso, erklärt er im Interview.

von
Stefan Ehrbar

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) will der BLS zwei Fernverkehrs-Linien übertragen. Dagegen wehrt sich die SBB. Sie will Beschwerde einreichen, wenn das BAV nach der Vernehmlassungsphase an seinen Plänen festhält. Das teilte die SBB an einer Medienkonferenz mit.

Zwar entsprechen die beiden Linien nur etwa zwei Prozent des Schweizer Fernverkehrs. Das sei aber auch das Heikle an der Situation, sagt SBB-Chef Andreas Meyer zu 20 Minuten (siehe Video). Denn gleichzeitig werde damit angekündigt, die Regeln für weitere Runden anzupassen. Die Konzessionen sind zeitlich auf zehn Jahre limitiert. Bei nächsten Ausschreibungen könnten dementsprechend noch mehr Wettbewerb und neue Regeln eingeführt werden. «So wird der Entscheid zur Weichenstellung, um ein Netz mit vielen Synergien auseinanderzunehmen», sagt Meyer.

Kein Geld für Auslands-Angebote

Es gehe nicht primär um die beiden Linien oder die Konkurrenz durch die BLS. «Wenn man jetzt die Regeln ändert, heisst das, dass sich künftig jeder melden kann. Dann kommen auch ausländische Unternehmen, die viel mehr Geld verdienen können und eine grössere Risikofähigkeit haben als wir», sagt Meyer. «Wir armen kleinen Schweizer ÖV-Unternehmen werden so in die Defensive gedrängt.»

Für die SBB selbst sei es kein Thema, ausserhalb der Schweiz zu investieren. Die Bahn habe keine Kriegskasse, um im Ausland Angebote aufzubauen oder ausländische Wettbewerber in der Schweiz fernzuhalten, sagt Meyer.

SBB abhängig von Google?

Die SBB wehrt sich auch gegen die Bestrebungen des Bundes, die Ticket-Plattformen für externe Anbieter zu öffnen. Es sei zwar dringend notwendig, das Buchungssystem für internationale Reisen zu vereinfachen, sagt Meyer.

Werde die SBB aber gezwungen, den Vertrieb etwa für Google zu öffnen, das dann auch Schweizer ÖV-Billette verkaufen könne, komme die Bahn in eine Abhängigkeit. «Wir wollen nicht zu etwas verpflichtet werden, das uns mehr Lasten, aber weniger Rechte bringt.» Google etwa arbeite in einer Art und Weise mit Daten der Kunden, wie es die SBB nie machen würde und auch nicht dürfe.

«Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen»

Zudem verursache der Plan des BAV, die Gewinne im Fernverkehr zu begrenzen, bei der SBB Mehrkosten von 100 Millionen Franken jährlich. Damit seien Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen. Dabei wolle die SBB die Preise mindestens stabil halten.

Das BAV teilt auf Anfrage mit, es kommentiere die Medienveranstaltung der SBB nicht. Die Behörde hatte an einem früheren Termin kommuniziert, was sie sich von den Änderungen erhofft. Alleine schon durch den Ideenwettbewerb ergäben sich in Zukunft Taktverdichtungen, mehr Personal auf den Zügen und ein Ausbau des Verpflegunsangebots. Zudem würden die Steuerzahler durch die Bereinigung des Fernverkehrsnetzes um einen zweistelligen Millionenbetrag entlastet.

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