Talk mit Bundespräsident Ignazio Cassis: «Wir bereiten uns auch auf eine Eskalation mit Atombomben vor»
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Talk mit Bundespräsident Ignazio Cassis«Wir bereiten uns auch auf eine Eskalation mit Atombomben vor»

Die Schweiz trägt die EU-Sanktionen gegen Russland mit. Bundespräsident und Aussenminister Ignazio Cassis hat am Dienstag Fragen der Community beantwortet und sagt, warum er hinter den Sanktionen steht und die Schweiz trotzdem neutral bleibt.

von
Fabian Pöschl
Sandro Spaeth

Das Interview mit Bundespräsident Ignazio Cassis in voller Länge.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Community konnte Bundespräsident Ignazio Cassis Fragen stellen.

  • 20 Minuten besuchte ihn im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» im Bundeshaus in Bern.

  • Die wichtigsten Fragen und Antworten siehst du hier in den Videos.

Der Ukraine-Krieg hält Bundespräsident und Aussenminister Ignazio Cassis auf Trab. Sind die Sanktionen gerecht und ist die Schweiz damit noch neutral? Was droht bei einer weiteren Eskalation des Kriegs? 20 Minuten traf Cassis zum Talk.

Im Rahmen der Reihe «Live aus dem Chefbüro» besuchte 20 Minuten Cassis im Bundeshaus in Bern. Dort beantwortete er die Fragen der 20-Minuten-Community.

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Livechat siehst du hier in den Videos:

«Putins Rede hat mich nicht überrascht»

Russland feierte am 9. Mai den «Tag des Sieges» gegen Nazi-Deutschland. Wie interpretiert Bundespräsident Ignazio Cassis die Rede? «Die wichtigste Information war, dass es keine Überraschungen gab. Es gibt nicht viel Positives in der heutigen Zeit, aber gut ist, dass nichts Schlimmes passiert ist an diesem Tag», sagt Cassis.

«Wir bleiben richtig neutral»

René fragt, warum die Schweiz nicht richtig neutral bleibt? «Wir bleiben richtig neutral», versichert Cassis. Diskussionen über die Neutralität der Schweiz gebe es bei jedem Krieg. «Dieses Mal war der Bruch der UNO-Charta durch Russland aber so gross, dass wir nicht schweigen konnten. Wir mussten das sehr laut und stark verurteilen, sonst bleibt die Welt nicht in Ordnung», sagt Cassis. Bei einer Eskalation des Kriegs gebe es die Möglichkeit von Atombomben. Der Bundesrat bereite sich auch auf diesen Fall vor.

«Wir können keine Waffen an die Ukraine liefern»

Petra fragt, was Cassis von der Forderung hält, Waffen über Drittländer an die Ukraine zu liefern? «Das können wir aufgrund des Neutralitätsgesetzes nicht. Man kann darüber reden, aber für eine Umsetzung bräuchte es eine Gesetzesänderung», sagt Cassis.

«Selenski würde mich gerne jeden Tag in die Ukraine einladen»

Cassis hat den ukrainischen Präsidenten als Freund bezeichnet. Wurde er schon nach Kiew eingeladen? «Selenski würde mich gerne jeden Tag in die Ukraine einladen, um zu zeigen, wie gut unsere Beziehung ist. Aber das sind symbolische Akte, unsere Beziehung braucht das im Moment überhaupt nicht», sagt Cassis. 

«Unser Blumen-Sofa ist ein Muss für meine Frau»

Kevin will wissen, ob Cassis sein Sofa mit dem Blumenmuster immer noch hat. «Ja, das haben wir immer noch, das ist ein Muss für meine Frau. Neu haben wir jetzt auch ein Porträt der Queen über dem Sofa.»

Der Ex-Kantonsarzt

Der 61-jährige FDP-Politiker Ignazio Daniele Giovanni Cassis ist seit 2017 im Bundesrat als Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten tätig. Im Jahr 2022 ist Cassis ausserdem Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft geworden. Seine Eltern wanderten aus Italien ins Tessin ein. Mit 15 erhielt Cassis zusammen mit seinen drei Schwestern das Schweizer Bürgerrecht. Er studierte Medizin und war über zehn Jahre als Tessiner Kantonsarzt tätig. 

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