23.03.2017 08:23

Jean-Claude Biver«Wir bieten etwas an, das Apple nicht kann»

Jean-Claude Biver (67) setzt als CEO von TAG Heuer voll auf die Smartwatch. Zudem sieht der charismatische Uhrenmanager das baldige Ende des Smartphones kommen.

von
Lukas Hausendorf

Uhrenmanager Jean-Claude Biver glaubt fest an die Zukunft der Smartwatch. (Video: 20 Minuten/Lukas Hausendorf)

Herr Biver, Sie sind als Chef von Hublot und als Chef von TAG Heuer an der Baselworld. Das klingt ziemlich stressig…

Es ist nicht stressig, weil ich sogar an drei Orten gleichzeitig sein muss. Ich muss auch bei Zenith sein. Zum Glück ist es nicht stressig mit zwei, sonst wäre es ja unglücklich mit drei. Nein, ich habe gute Leute überall, ich habe grosse Erfahrung – ich bin ja das 41. Mal hier auf der Messe. Wenn ich das nicht machen könnte, dann müsste man sich Sorgen machen um mich. In allen Marken habe ich meine Leute drin und die machen die Arbeit. Und ich bin der Chef des Orchesters.

Wo braucht es Sie am meisten?

Im Moment braucht es mich am meisten bei Zenith. Denn das ist eine kleine Firma, es ist eine sehr feine, sehr elegante Firma mit viel Understatement und die Marke Zenith braucht viel Pflege.

Der Schweizer Uhrenbranche ging es auch schon besser, die Exporte sind rückläufig. Spürt man das hier an der Baselworld, treten die Marken bescheidener auf?

Ich habe noch nicht die ganze Messe gesehen, aber ich denke nicht. Jedes Jahr gibt es Basel. Es gab Basel in sehr guten, aber auch in schlechteren Zeiten. Generell zeigt Basel die beste Seite, einen gewissen Optimismus. Man kann nicht sagen, dass man heute sieht, dass es uns schlechter gegangen ist als früher. Die Stimmung wird kommen, wenn die Kunden ab Donnerstag hier sind. Und ich glaube, die Stimmung wird besser, weil 2017 sieht man wieder mehr Sonne.

Sie haben ja mit TAG Heuer letzte Woche eine neue Uhr lanciert, die Elemente einer Smartwatch mit jener einer mechanischen Uhr verbindet. Das kann man Ihnen als geschickten Schachzug auslegen oder als Entscheidungsschwäche.

Nein, es ist ein sehr gescheiter Schachzug, der die Schweizer Uhrmacherkunst beehrt. Denn die Schweizer Uhrmacherkunst ist gebaut auf Ewigkeit. Sie können Uhren aus dem 19. Jahrhundert nehmen, Taschenuhren, hundert Jahre alt, oder Big Ben in London, 150 Jahre alt. Ihr Telefon ist in drei bis fünf Jahren tot. Eine Connected-Uhr hat ja eine Lebensdauer wie ein Telefon. Also wie kann ich als Schweizer Uhrmacher behaupten, dass ich ein Nobelprodukt bringe, das der Ewigkeit der Schweizer Uhrenindustrie entspricht, wenn sie nur wie ein Telefon ist? Also haben wir gesagt, wir schaffen die Möglichkeit, ein mechanisches Modul einzusetzen, und so wird sie nie obsolet.

Schon die erste TAG Heuer Smartwatch war ein grosser Erfolg. Sie wurden von den Bestellungen überrascht. Haben Sie jetzt schon vorsorglich Leute eingestellt für die Produktion der neuen?

Jaja, über 50 Leute haben wir angestellt. Wir haben eine eigene Assembly-Line für die Smartwatch in La Chaux-de-Fonds aufgebaut, dort bauen wir auch die Mikroprozessoren zusammen.

Das neue Modell ist ja modular zusammengesetzt. Haben Sie sich da von Apple inspirieren lassen?

Nein, wir haben versucht, etwas zu tun, das Apple nie könnte. Apple kann alles in der Elektronik. Eines können sie nicht: ihre elektronische in eine mechanische Uhr wandeln. Und warum können sie das nicht? Sie bauen ja keine Werke. Wir können es. Wir sind auf einem Niveau, an das Apple nicht ran kommt. Die Idee war, etwas anzubieten, das Apple nicht kann.

Das Problem der Smartwatches ist ja, dass sie ein wenig intelligent sind, aber es braucht immer noch das Telefon dazu.

Jawohl. Aber Ende 2019 ist das vorbei. Bis dann braucht man das Telefon. Dann kommt die Uhr als Telefon. Apple baut ja keine Löcher mehr für Kopfhörer. Das ist jetzt Bluetooth. Wenn Sie dann diese neuen Kopfhörer haben und Sie haben die Uhr, dann sprechen Sie, wie ich jetzt spreche. Das heisst, die Uhren werden das Telefon ersetzen.

Nach dem Erfolg mit der Smartwatch bei TAG Heuer planen Sie auch eine mit Hublot?

Vielleicht nicht. Wenn Hublot eines Tages imstande ist, ein smartes Uhrband einzusetzen, dann könnte Hublot auch eine Smartwatch machen. Denn das Werk bleibt ja ewig und dann wechseln sie das Band. Das heisst, am Tag, an dem man einen Bildschirm in ein Band integrieren kann, dann wird Hublot das haben. Deswegen vielleicht.

Eigentlich kommt man ja heute ohne Uhr relativ gut zurecht, sagen viele junge Erwachsene. Das Smartphone reicht aus. Was bedeutet das für Ihre Branche?

Für die Branche, die sich in der Uhrmacherkunst bewegt, spielt das keine Rolle. Das ist wie früher, als die Fotografie kam. Ja und die Maler? Hat man da noch Gemälde gekauft? Kunst ist was ganz anderes als Industrie, Kunst ist auch ewig. Das heisst, Uhrmacherkunst ist komplementär. Die Uhrmacherindustrie, also diejenigen, die Quartz-Uhren machen, die 500 oder 1000 Franken kosten, die könnten ein Problem haben. Wenn die Leute sagen, ja für diesen Preis kann ich ja eine Uhr haben, die mir alles anzeigt. Warum soll ich eine Quartz-Uhr kaufen, die mir nur die Zeit angibt? Die noblen Marken werden keine Probleme haben. Die Marken aus der Industrie müssen aufpassen.

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