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Traumjob Detektiv«Wir bilden hier keine Columbos aus»

Von wilden Verfolgungsjagden, Spy-Gadgets und Langeweile: Wie das Leben eines Detektiven vor 30 Jahren aussah und warum es heute nicht viel anders ist. Eine Spürnase berichtet.

von
B. Selmani

«Welchen Job würden Sie lieber machen?», haben wir die Leser von 20 Minuten im grossen Duell der Berufe gefragt. Das Resultat: Die drei absoluten Traumberufe sind Geheimagent, Pilot und Detektiv.

Was macht denn ein Detektiv heutzutage überhaupt? Sitzt er immer noch in Büschen, überführt Gärtner als Mörder und deckt die Techtelmechtel des untreuen Ehemannes auf? Ist Detektiv ein Traumberuf? Einer, der diese Fragen beantworten kann, ist Bruno Strebel. Er ist seit über 30 Jahren als Detektiv tätig, leitet heute eine Akademie für Privatdetektive in Zürich. «Ich hatte in den 70er, 80er-Jahren als Detektiv für mich persönlich einen absoluten Traumberuf. Aber solche Fälle, wie ich sie vor 30 Jahren bearbeitet habe, gibt es heute nicht mehr», so der 61-Jährige.

«Man sitzt wie vor 30 Jahren noch hinter einer Hecke und wartet»

«Solche Fälle» waren zum Beispiel eine rasante Verfolgungsjagd auf der italienischen Autobahn, die mit der Festnahme von berüchtigten Betrügern aus Winterthur endete. Oder eine Reise auf die Bahamas, weil die Ehefrau eines Zahnarztes befürchtete, dass ihr Mann Geld auf die Seite schaufelt, um bald das Land ohne sie in ein besseres Leben zu verlassen.

Die Auftraggeber und die Fälle haben sich zwar geändert, die Praxis ist aber die gleiche geblieben. «Abgesehen von den technischen Veränderungen arbeitet ein Detektiv immer noch genau gleich, wie vor 30 Jahren. Er sitzt auch heute noch hinter einer Hecke oder in seinem Observationsfahrzeug und wartet auf den richtigen Moment, um das verräterische Foto zu schiessen. Nur hat er heute nicht nur einen Feldstecher und eine einfache Kamera dabei, sondern ist technisch topp ausgerüstet».

Kugelschreiber mit Kamera? In der Praxis unnütz

Hantiert er auch mit Kugelschreibern mit integrierten Kameras und anderen Gadgets aus dem Fundus von James Bond? «Solche Sachen gibt es natürlich auch – nur muss man damit auch umgehen können. Versuchen Sie mal mit einer Minikamera im Kugelschreiber ein brauchbares Foto von der Zielperson zu schiessen – unmöglich. Anders sieht es jedoch mit Kameras in Aktenkoffern und Handtaschen aus. Mit Übung bringt man sehr gute Bilder hin.»

Diese Bilder dienen jedoch nicht wie früher den betrogene Ehefrauen und -Männern als Beweismaterial bei einer Scheidung, sondern sind für Firmen, die ihre Top-Manager überwachen lassen, für Mütter, die beweisen wollen, dass ihr Kind während den Wochenendbesuchen beim Vater geschlagen wird, für Anwaltskanzleien, die mehr als nur ein Indiz für ein Wirtschaftsdelikt benötigen. Um diese Fälle abzuschliessen, braucht es viel Geduld, Menschenkenntnisse und Lebenserfahrung.

«Ein Traumfall? Einen Steuer-CD-Dealer überführen»

Überhaupt bremst er mögliche Aspiranten mit realitätsfernen Vorstellungen. «Viele Junge glauben nämlich immer noch, dass wir hier Columbos ausbilden. Der Beruf hat aber nichts mit diesen Actionfiguren aus Film und Fernsehen zu tun. Wir springen nicht mit Fallschirmen von Hochhäusern, wir machen keine Stunts. Wir beobachten, fotografieren, filmen, verfolgen – und schreiben Rapporte.»

Ja, als Detektiv gibt es auch viele Tage, an denen man nur am Schreibtisch sitzt. «Aber in meinem Alter vertrage ich sowieso nicht mehr allzu viel Action», schmunzelt Strebel: «Ich hatte weiss Gott schon genug Spannung in meinem Leben. Lediglich das viele Reisen, das fehlt mir schon noch ab und zu». Welcher Job wäre denn heute noch reizvoll genug, um noch einmal auf die Pirsch und ausser Landes zu gehen? «Einen Steuer-CD-Dealer aufzuspüren – so einen Fall hätte ich gerne mal!»

Bruno Strebel

ist der Präsident des Verbandes Schweizerische Berufsdetektive und leitet seine eigene Akademie für Privatdetektive in Zürich. Vor seine Karriere als Detektiv arbeitete er bei der Flughafenpolizei und machte zwischendurch zusätzlich einen Abschluss in chinesischer Medizin mit eigener Praxis - «als Ausgleich ist diese Arbeit ideal». Seine heutige Frau lernte er während einem Job auf dem Flug auf die Bahamas kennen, «über meine Fälle darf ich aber auch mit ihr nicht sprechen».

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