Öl-Kartell: Wir bleiben am Gängelband der Opec
Aktualisiert

Öl-KartellWir bleiben am Gängelband der Opec

Zum 50-Jahr-Jubiläum des Öl-Kartells häufen sich die Stimmen, die meinen, die Opec habe die einflussreichste Zeit hinter sich. Doch das Gegenteil ist der Fall.

von
Werner Grundlehner
Opec-Ölförderanlage im Persischen Golf.

Opec-Ölförderanlage im Persischen Golf.

Statt Glückwünsche gabs zum Geburtstag viel Skepsis. Denn: Alternative Energien und Vorkommen in Ländern ausserhalb des Kartells würden der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) das Leben künftig schwer machen, war der Grundton zahlreicher Geburtstags-Kommentatoren. Zudem hätten die Scheichs mit Boykotten und Förderquoten, die doch nicht eingehalten wurden, ihr Blatt überstrapaziert. Ist die Opec am Ende und was macht die Schweiz, die vor allem von Libyen Öl bezieht?

«Es ist ein Fakt, dass die Nachfrage nach Erdöl, wie nach allen fossilen Brennstoffen, in den kommenden Jahren zunehmen wird», erklärt Armin Heitzer von der Erdöl-Vereinigung. Dies liege vor allem am Energiehunger von China und Indien. Weil in Europa (Nordsee) die Spitze der Förderkapazität bereits überschritten sei und die Ölkonzerne auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nur einen Teil der wachsenden Nachfrage wird decken können, liege es an der Opec, den Löwenanteil dieser Zusatznachfrage zu decken. In Amerika wurden zwar neue Vorkommen entdeckt. Doch der Abbau der Ölsande in Kanada ist aufwendig und loht sich nur, wenn der Erdölpreis auf hohem Niveau verharrt. Heitzer fügt an, dass es nicht zuwenig Erdöl gibt, sondern dass die grosse Herausforderung der Zukunft sein wird, genügend Investitionen in Förderung und Raffinierung zu tätigen.

Opec-Reserven wachsen am schnellsten

«Der Anteil der Opec an der Gesamtproduktion hat jüngst abgenommen, weil das Kartell das Angebot gedrosselt hat», erklärt Susanne Toren, Rohstoff-Analystin der ZKB. Sie erinnert aber daran, dass mehr als drei Viertel der Erdölreserven in Ländern der Opec liegen. Sie konnten diese Reserven in den vergangenen zehn Jahren auch am meisten ausdehnen. Das Kartell sitzt nun auf Vorkommen von 102 Milliarden Tonnen, dahinter folgen Süd- und Zentralamerika (28,5 Mia.), Afrika (16,9 Mia) sowie die ehemalige Sowjetunion (16,6 Mia).

Am 14. September 1960 gründeten Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela die Opec – später schlossen sich mit Katar, Libyen, Vereinigte Arabische Emirate, Algerien, Nigeria, Angola und Ecuador weitere Staaten an. Indonesien ist im vergangenen Jahr aus dem Kartell ausgetreten. Das Öl-Monopol soll mit Förderquoten für die einzelnen Mitglieder dafür sorgen, das der Rohstoffpreis nicht der Preisbildung auf dem Weltmarkt ausgesetzt ist. Das funktioniert nur bedingt.

Irak ist zurück im Rennen

Susanne Toren geht davon aus, dass die Opec ihren Anteil an der globalen Erdölproduktion schon bald auf gegen 40 Prozent ausdehnen wird, wie das vor der Finanzkrise der Fall war. «Die Opec ist für die Weltwirtschaft kein stabilisierender Faktor», sagt Toren. Denn die Staaten würden bei sinkenden Ölpreisen ihre Fördermengen erhöhen, um die Löcher im Staatsbudget stopfen zu können – was den Preis natürlich weiter unter Druck bringt. Auch mit den Quoten nehmen es die Opec-Länder im Notfall nicht so genau. Hier ortet Toren wegen der «Rückkehr» des Iraks Opec-interne Probleme: «Der Irak hat mittlerweile wieder die Vorkriegs-Fördermenge erreicht, diese Mengen respektive Quoten müssen andere Mitglieder abgeben». Der Irak ist übrigens das Land mit den drittgrössten Reserven.

Lybisch-sowjetisches Gemisch

Auch im «Geisel-Problemjahr» 2009 stammte rund ein Drittel der schweizerischen Rohölimporte aus Libyen, in Vorjahr waren es noch 70 Prozent, die der Mittelmeeranrainer lieferte. «In der Schweiz gibt es zwei Raffinerien. Eine gehört Petroplus, die andere Tamoil und Tamoil ist ein lybische Staatsgesellschaft», erklärt Armin Heitzer von der Erdöl-Vereinigung. Der Rest des Schweizer Rohöls stammt vor allem aus Aserbaidschan Kasachstan und Nigeria. Nicht nur die Schweiz auch die übrige westliche Welt muss sich damit abfinden, dass die Opec auch zukünftig die «Ölwaffe» zum Durchsetzen ihrer Interessen nutzen wird.

BP und Shell sind Zwerge

Die privaten Ölmultis Exxon, BP und Shell sind zwar in den Medien omnipräsent. In der Branche rangieren sie indessen weit hinten. Von den Branchenführern Aramco, Nioc, Inoc hört man kaum etwas. Das sind die staatlichen Ölkonzerne Saudi-Arabiens, des Irans sowie des Iraks. Auf diese folgen die russischen Staatsbetriebe Rosneft und Gazprom. 14 der Top-20-Firmen – gemessen an den Ölreserven - sind staatlich kontrollierte Konzerne. Aramco weist Reserven von 260 Milliarden Barrel (Fass) auf; Exxon, der grösste Privatkonzern, sitzt auf 23 Milliarden Barrel.

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