21.10.2020 18:40

SCB-Boss fordert«Wir brauchen für Grossanlässe eine nationale Lösung»

Am Dienstagabend trat der CEO des SC Bern im SRF-«Club» auf. Seine Aussagen lösten viele Reaktionen aus. Nun spricht der 59-Jährige über seinen Auftritt und wie er die Zukunft sieht.

von
Nils Hänggi

Am Dienstagabend trat Marc Lüthi, CEO des SCB, im SRF auf. Und er redete Klartext.

Video: SRF

Herr Lüthi, Sie waren gestern Abend im SRF-«Club» zu sehen. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Auftritt?

Zufrieden mit meinem Auftritt? Es geht doch nicht darum, ob ich zufrieden bin. Ich war in der Sendung, weil ich die Position des Sports eingenommen habe. Und das habe ich. Ich wollte zeigen, wie es um die Sportclubs steht.

Haben Sie Reaktionen erhalten?

Ja. Ich habe heute Morgen unzählige Nachrichten erhalten. Jemand schrieb mir, ich sei ein Quadrat-Arschloch. Ich habe aber auch positive Meldungen erhalten. In sieben von zehn Nachrichten wurde ich gelobt. Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, war klar. Und ich wollte ja auch keine epidemiologische Sicht vertreten, wollte nur die Sicht der Clubs darlegen.

Und mit den Antworten von Herrn Schnegg waren Sie zufrieden?

Ein paar Fragen blieben offen. Ich würde einfach gern eine Planungssicherheit haben. Das wäre etwa durch ein Timetable zu bewerkstelligen. Sind irgendwann gar keine Zuschauer mehr erlaubt? Wie lange gilt die aktuelle Regel? Wie muss sich die Infektionszahl entwickeln, dass wann welche Regelungen kommen?

Wie Sie vermutlich erfahren haben, hat nun auch Basel Grossveranstaltungen abgesagt. St. Gallen erlaubt sie weiterhin. Was ist Ihre Meinung diesbezüglich?

Ich bin froh für jeden Verein, der spielen kann. Ob das nun mit oder ohne Zuschauer ist. Dass es unterschiedliche kantonale Lösungen gibt, ist aber natürlich nicht gut. Was es brauchte, wäre eine nationale Lösung. Man weiss halt auch nicht genau, wie lange die Regelungen anhalten. Basel hat jetzt Grossveranstaltungen abgesagt. Das Wallis befindet sich bis Ende November in einem Mini-Lockdown. Der FC Sion darf gar nicht mehr vor Zuschauern spielen.

Für Marc Lüthi ist der Entscheid der Berner Kantonsregierung einschneidend. Er sagt: «Wenn der Entscheid nun bestehen bleibt, vergrössert sich der Verlust natürlich.»

Für Marc Lüthi ist der Entscheid der Berner Kantonsregierung einschneidend. Er sagt: «Wenn der Entscheid nun bestehen bleibt, vergrössert sich der Verlust natürlich.»

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Immerhin sind die Berner Clubs nun nicht mehr die einzigen Vereine, die vor Probleme gestellt werden.

Das stimmt. Aber ich sage noch einmal: Ich bin einfach froh für jeden Verein, der spielen darf. Auch braucht es, wie erwähnt, eine nationale Lösung.

Was bedeuten denn die Entscheide für den Schweizer Sport?

Nichts Gutes. Die Entscheide der Regierungen sind einschneidend. Wir Clubs wissen ja auch nicht viel. Wie lange es noch geht, welche Massnahmen noch kommen. Das Planen gestaltet sich schwierig. Und es braucht finanzielle Hilfen vonseiten des Staats. Hilfen, die andere Bereiche auch erhalten. Der Sport ist gesellschaftlich gesehen enorm relevant.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir akzeptierten den Entscheid, die Stadien nur zu zwei Dritteln zu füllen. Mit dieser Stadionauslastung machen wir rund 4,5 Millionen Franken Verlust. Wenn der Entscheid nun bestehen bleibt, vergrössert sich dieser natürlich.

Um wie viel?

Das ist noch nicht klar. Das sind wir jetzt am Ausrechnen.

Marc Lüthi sorgt sich um die Zukunft des Schweizer Eishockeys. 

Marc Lüthi sorgt sich um die Zukunft des Schweizer Eishockeys.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Zugespitzt gefragt: Überlebt das Schweizer Eishockey ohne Bundessubventionen diesen Winter überhaupt?

Es ist ja nicht nur das Eishockey, das betroffen ist. Auch der Fussball ist es. Da bekommen auch alle Vereine Probleme, die nicht in den letzten Jahren Champions League gespielt haben. Und viele sind das nicht.

Die Zahl der Neuansteckungen ist gemäss BAG von 3008 am Dienstag auf 5596 am Mittwoch angestiegen. Was denken Sie, wenn Sie solche Zahlen hören?

Nun, ich bin kein Epidemiologe. Aber es ist doch klar: Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger steht an oberster Stelle. Es ist wichtig, dass die Menschen Masken tragen. Auch wenn sie teils nerven. Bei mir beschlägt die Brille immer, wenn ich sie trage. Das ist halt so.

Sie begrüssen den Entscheid der Berner Kantonsregierung also weiter nicht.

Ich verstehe, dass die Regierung handeln muss. Die Gesundheit der Menschen geht vor. Mir ging es auch am Dienstagabend im SRF nie darum, den Entscheid zu kritisieren. Es ging mir um die Art und Weise. Darum, dass uns in fünf Minuten die wirtschaftliche Existenz entzogen worden ist.

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123 Kommentare
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Sportfan vom Kemmeribode

22.10.2020, 14:47

Jeder Kanton bastelt an seiner eigenen "Corona Lösung". Das kann es definitiv nicht sein. Das vorpreschen vom Berner Regierungsrat Schnegg löst Kopfschütteln aus. Mit einem solchen Handeln kurz nach der Pressekonferenz des Bundesrates, welcher die Schutzkonzepte der Eishockey- und Fussballclubs übrigens als vorbildlich taxierte stellt er sich selber ins Abseits und verliert somit an Glaubwürdigkeit. Die Ausführungen von Marc Lüthi kann ich aber voll und ganz unterstützen. Der Bundesrat ist nun jetzt zum Handeln gezwungen. Es muss eine einheitliche Lösung und Strategie vom Bundesrat für alle Kantone beschlossen werden und zwar sofort zum Wohle der gesamten Bevölkerung, aber auch zum Wohle der Sportclubs in der ganzen Schweiz.

Positiv

22.10.2020, 12:52

Jeder steht sich am nächsten. FalscherJob wenn man mit dieser Situation nicht umgehen kann. Sieht wohl dass sein Bonus nicht mehr gesichert ist und kann 1 + 1 nicht zusammen zählen. Was ist am Schluss der grössere Wirtschaftliche Schaden. Haupsache der Steuerzahler übernimmt die Zeche.

Argus von Buchegg

22.10.2020, 10:27

Der SCB-BOSS hat recht. Es braucht eine einheitliche Lösung. Die ausserordentliche Situation erfordert ebensolche Lösungen. Diese Lösung kann nur heissen: Alle Stadien und Arenen bleiben geschlossen. Wer die Zeichen der Zeit leugnet handelt verantwortungslos.