Xherdan Shaqiri: «Wir brauchen keinen Lukaku»
Aktualisiert

Xherdan Shaqiri«Wir brauchen keinen Lukaku»

Wieder hat die Nati beim 1:2 in Belgien gegen einen Grossen das Nachsehen. Auch wegen fehlender Effizienz. Fehlt der Schweiz einer wie Lukaku?

von
E. Tedesco
Reykjavik

Petkovic, Rodriguez und Shaqiri waren einen Tag vor der Partie gegen Island gut gelaunt. (Video: Fabian Sanginés)

An der WM 2014 verlor die Nati gegen Argentinien. In der EM-Quali 2016 zweimal gegen England. In der WM-Quali danach verlor sie das entscheidende Spiel in Portugal, nachdem sie – da ein Ausreisser – das Hinspiel gegen den damals frischgebackenen Europameister gewann. Beim Test in Spanien und gegen Brasilien an der WM reichte es zum Remis. Zuletzt ging man in England und Belgien wieder leer aus.

«Mit Schönspielen können wir uns leider nichts kaufen», sagt Fabian Schär, «von mir aus können wir auch einmal einen schlechten Tag haben, wenn wir die Punkte machen.» Das sieht auch Granit Xhaka so: «Es ist traurig, dass wir es wieder nicht geschafft haben. Es ist ja nicht so, dass man uns jeweils auseinandernimmt. Wir können mithalten, aber irgendwann nützt auch ein guter Auftritt nichts mehr.» Irgendwann müsse die Mannschaft solche Spiele auch mal gewinnen.

Fehlende Durchschlagskraft auf den letzten Metern

Wird dieser Moment noch kommen? Was fehlt der Schweiz noch? «Vielleicht gar nicht mehr viel», sagt Yann Sommer. «Bis 20, 30 Meter vor das gegnerische Tor machen wir es gut, dann fehlt uns die Durchschlagskraft», sagt Fabian Schär. Dass die Schweiz im Sturm nicht über die Qualität eines Topteams verfügt, ist nicht neu. In den Partien gegen Grosse akzentuiert sich das Problem aber meist. Leicester und Brüssel haben dieses Manko wieder deutlich gemacht. Die Schweiz hat keinen Romelu Lukaku. Sie hat nicht einmal einen Alex Frei (84 Länderspiele/42 Tore), der nicht immer glänzte, aber dafür regelmässig traf.

Haris Seferovic fehlt trotz seiner guten Form zuletzt bei Benfica Lissabon oft die Effizienz und häufig auch die Unterstützung. Mit sechs Toren in 18 Einsätzen soll Mario Gavranovic Druck auf Seferovic machen, aber trotz der guten Bilanz fehlen ihm dazu konstant gute Leistungen in der Nati. Wenn Petkovic in der Vergangenheit nach einem Erfolgserlebnis des Jokers von Beginn an auf ihn setzte, konnte der Zagreb-Stürmer seine Chance selten nützen. Auch Josip Drmic, pendelt nach seiner Verletzung derzeit bei Gladbach zwischen Bank und Tribüne, und Breel Embolo sind keine Torjäger. Neu dabei ist Albian Ajeti. Fehlt der Schweiz einer wie Tormonster Romelu Lukaku?

Keine Gedanken über einen riesengrossen Stürmer

«Wir haben genug Qualität, um Tore zu schiessen. Wir brauchen keinen Lukaku», sagt Shaqiri. Es kämen auch talentierte Junge nach, die mehr Breite im Kader und eine gute Zukunft versprächen, meint der Liverpool-Söldner. «Wir haben gegen Belgien gespielt, gegen den Ersten in der Weltrangliste. Es war nicht einfach für unsere Stürmer, sich da durchzukämpfen, aber sie haben es super gemacht. Wir waren lange im Spiel und haben lange Paroli geboten. Natürlich waren wir nach der Niederlage enttäuscht. Die Medien müssen sich aber keine Gedanken machen, ob wir einen riesengrossen Stürmer brauchen.»

Die Nati versucht den fehlenden Superstürmer im Kollektiv zu ersetzen. Die letzten sieben Treffer erzielten sieben verschiedene Spieler. Sechs Treffer durch sechs verschiedene Torschützen fielen gegen den heutigen Gegner Island.

Diesmal werde es kaum einen Sieg mit 6 Toren gegen Island geben wie vor fünf Wochen im Hinspiel in St. Gallen, sagt Xhaka. «Ich hoffe es zwar, aber ich glaube es nicht, auch wenn wir wieder viel Ballbesitz haben werden. Der Gegner wird anders eingestellt sein. Für uns gibt es nur eines: gewinnen.» Dann kommt es am 18. November in Luzern gegen Belgien zum Spiel um den Gruppensieg.

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