«Wir dürfen uns jetzt nicht selber zerfleischen»

Aktualisiert

«Wir dürfen uns jetzt nicht selber zerfleischen»

Fröhlich trat CSU-Chef Edmund Stoiber nach einem weiteren Krisengespräch über seine Nachfolge vor die Presse. «Die gute Nachricht zuerst: Es hat keinen Kampf gegeben, auch keine Verletzungen», sagte Stoiber und lachte. Dann folgten die schlechten Nachrichten für die CSU.

Der Machtkampf zwischen Horst Seehofer und Erwin Huber geht weiter und droht, die Partei zu spalten. Natürlich könnte der CSU-Parteitag im September auch zwischen zwei Bewerbern wählen, ganz demokratisch, erklärte Stoiber. «Aber ich mache mir natürlich Sorgen, dass das zu Auseinandersetzungen in der Partei führen könnte - nicht unter den Beteiligten, aber unter den Anhängern», sagte Stoiber. «Mein Bemühen ist es, dass wir eine einvernehmliche Lösung hinbekommen. (...) Das wäre für die Partei die beste Lösung.»

Das wird auch an der Basis so gesehen. Der CSU-Vorsitzende und Bürgermeister von Buchdorf, Georg Vellinger, kam am Freitag mit Parteifreunden aus dem Landkreis Donau-Ries zu einem lange geplanten Besuch in die Staatskanzlei. «Wir dürfen uns jetzt nicht selber zerfleischen», mahnte er. «Wir müssen nachher weiter zusammenarbeiten, wir müssen geschlossen in die Wahlen im nächsten Jahr. Es muss auf jeden Fall eine gemeinsame Lösung geben!»

Der Favorit des Bürgermeisters ist klar: «Es wird auf den Huber hinauslaufen. Es soll ein Landespolitiker werden, der ist im Wahlkampf näher vor Ort.»

Der als künftiger Ministerpräsident unumstrittene Günther Beckstein und die Landtagsfraktion sehen das genauso - aber Seehofer setzt ganz andere Prioritäten. Er malte den drohenden Abstieg der CSU zur Regionalpartei an die Wand. Wenn die CSU im Bund ihren Einfluss nicht gefährden wolle, dürfe man den Posten des Parteichefs nicht einem Landesminister Huber in München überlassen, hatte er noch am Tag vor dem Krisengipfel gewarnt.

Der vermeintliche Provinzpolitiker konterte sofort: Das Tandem Beckstein/Huber sei «die bessere Lösung», und als CSU-Chef würde er nach der Bundestagswahl 2009 nach Berlin wechseln, sagte Huber. Welcher führende CSU-Politiker in Berlin dann seinen Platz räumen müsste, sagte er nicht.

«Wenn hier Fehler gemacht werden, werden wir das 2008, 2009 natürlich spüren», warnte Stoiber mit Blick auf die bevorstehenden Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen. «Wir wollen alle Köpfe dabei haben, wir brauchen die beste Mannschaft.»

Echte Wahl in rosa Farben

In den nächsten zwei bis drei Wochen will Stoiber seine Bemühungen fortsetzen, einen der beiden Kandidaten zur Aufgabe seiner Ambitionen zu überreden. «Es geht nicht darum, wer was wird, sondern mit welcher Mannschaftsaufstellung geht die CSU in die nächsten Jahre.» Doch auch in der Krisenrunde haben Seehofer und Huber ihre Kandidaturen noch einmal bekräftigt. Der Sozialpolitiker in Berlin wie der Reformpolitiker in München verweisen auf breite Unterstützung.

Huber warnte vor den Unwägbarkeiten eines monatelangen Fernduells mit Seehofer. «Ein langer Wahlkampf hat Risiken, das wird jeder Praktiker bestätigen», sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. Aber angesichts der zunehmend festgefahrenen Positionen und schwindender Hoffnungen auf ein Einlenken betonen einige führende CSU-Politiker auch den Charme einer demokratischen Wahl des Parteichefs durch 1.000 Delegierte auf dem CSU-Parteitag. Die CSU solle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, «die erst beginnende Diskussion durch eine abrupte Erklärung abzubrechen», sagte Wissenschaftsminister Thomas Goppel der «Passauer Neuen Presse», und der stellvertretende Parteichef Ingo Friedrich sagte der «Leipziger Volkszeitung»: «Vorzeitige Festlegungen wären der absolute Wahnsinn.»

Stoibers Vorgabe vom vergangenen Montag jedenfalls war von vielen bloss als weiterer Scherz des auffallend gut gelaunten Parteichefs aufgefasst worden: «Ich habe mit allen Gesprächsteilnehmern vereinbart, dass wir alle pausenlos gut übereinander reden».

(dapd)

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