Aktualisiert 13.02.2013 11:59

Bundesrat zu Kapitalpuffer

«Wir erhoffen uns eine Signalwirkung»

Der Bundesrat verschärft die Auflagen für Banken im Hypothekargeschäft ab Ende September. Die Massnahme soll ein weiteres Aufblähen der Immoblase verhindern.

von
egg
Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verpflichtet die Banken zu mehr Sicherheiten im Hypothekarbereich.

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verpflichtet die Banken zu mehr Sicherheiten im Hypothekarbereich.

In der Schweiz bestehen seit einiger Zeit Anzeichen für eine Immobilienblase. Die Schweizerische Nationalbank hatte immer wieder vor den Gefahren einer Überhitzung des Immomarktes gewarnt. Jetzt ist für den Bundesrat eine Grenze überschritten – er will handeln, damit die Blase nicht zum Platzen kommt.

Der Bundesrat will die Gefahr eines überhitzten Immomarktes mit der teilweisen Einführung eines «antizyklischen Kapitalpuffers» einschränken. Die Banken werden verpflichtet, ihr Kreditgeschäft mit zusätzlichen Eigenmitteln zu unterlegen. Konkret werden sie verpflichtet, zusätzliche anrechenbare Eigenmittel in der Höhe von 1 Prozent auf den risikogewichteten Hypothekarkrediten zu halten.

Die Aktivierung des Kapitalpuffers gilt nur für Hypokredite auf Wohneigentum, andere Immobilienkredite wie für Unternehmen sind davon nicht betroffen.

Nationalbank macht Druck

Zuständig für die Aktivierung dieses neuen und auch im Ausland noch kaum erprobten Instruments ist die Nationalbank. Sie muss vorab aber die Finma konsultieren. Das letzte Wort zur Einführung des Kapitalpuffers hat der Bundesrat selbst. An ihn musste die SNB Antrag stellen.

Die SNB-Exponenten dürften sich in den letzten Wochen und Monaten mit ihren Warnungen vor Fehlentwicklungen auf dem Immobilien- und Hypothekarmarkt beim Bundesrat nochmals mit Nachdruck Gehör verschafft haben. Im Januar liess sich SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurgbrügg im Schweizer Fernsehen mit den Worten «wir sind beunruhigt» zitieren.

Auf Antrag der SNB

Offenbar hat es der Antrag der Nationalbank inzwischen auf den Tisch des Bundesrats geschafft und Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat dem Anliegen entsprechende Bedeutung zugemessen.

Ausschlaggebend dürfte die Tatsache gewesen sein, dass die Schweiz die Finanzkrise auch deshalb so gut überstanden hat, weil der Immobilienmarkt nicht mit in die Tiefe gerissen wurde. Allgemein gehen Experten aber davon aus, dass die Banken heute kaum in der Lage wären, einen ähnlich grossen Verlust wie vor zwei Jahrzehnten zu meistern: Anfang der 1990er-Jahre hatten die Banken mehr als 50 Milliarden Franken in den Sand gesetzt.

SBB versteigert Wohnungen

An der Zürcher Europaallee gleich angrenzend an den Hauptbahnhof entstehen din einem 16-stöckigen Haus 46 Wohnungen. Wie der «TagesAnzeiger» am Mittwoch bereichtet, verkauft die Besitzerin SBB die Wohnungen an die Meistbietenden. Auf der Website der www.europaallee.ch werden lediglich die Mindestpreise aufgeführt. So ist die günstigste Wohnung (2,5 Zimmer) mit einem Minimalpreis von rund 1,3 Millionen Franken aufgeführt, die teuerste (4,5 Zimmer) mit rund 2,7 Millionen Franken. Die Mindestpreise für die exklusiven Penthouse-Wohnungen in den obersten Stockwecken gibt es nur auf Anfrage.

Mit der Versteigerung betreten die SBB Neuland. Den Vorwurf, dass der Staatsbetrieb damit kräftig an der Preisspirale im von Überhitzung bedrohten Immo-Markt dreht, lassen die Bahnen nicht gelten: Es liege nicht im Interesse der Öffentlichkeit, dass die SBB Wohnungen unter dem Marktpreis verkaufe und der neue Besitzer das Appartement mit Gewinn weiterverkaufe. Zudem sei das Verfahren fair und transparent, hält ein SBB-Sprecher gegenüber dem «TagesAnzeiger» fest. Die Käufer scheinen sich aber nicht um die teuren SBB-Wohnung zu reissen. Erst bei drei Wohnungen steht der Vermerk «reserviert». (sas)

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